Home Geschichte Archiviert: Fort Wagner und das farbige Regiment

Archiviert: Fort Wagner und das farbige Regiment

Vom Strand her weht die raue Atlantikluft über Fort Wagner, den schwer befestigten Stützpunkt der Konföderierten Staaten von Amerika. Nur etwa 1800 Südstaatler halten diese mit Mörsern, Karronaden und Haubiten beschützte Festung. Am Abend des 18. Juli um 19:45 beginnt der Angriff der 5000 Unionstruppen auf Fort Wagner. Über den langen Strand stürmen 600 schwarze Soldaten und einige Dutzend ihrer weißen Offiziere vorwärts. Es ist das 54. Massachusetts Infanterie-Regiment der Unionsarmee. Eine der ersten farbigen Freiwilligenregimenter des amerikanischen Bürgerkrieges, der in seinem dritten Jahr steht.
Die Geschichte der Sklavenbefreiung und der Emanzipation der Schwarzen ist auch eine, die im Militär geschrieben wurde. Dezember 1862 hatten einige Anhänger des „Abolitionism“ die Bewegung zur Befreiung der Schwarzen, aus denen sich die Republikaner bilden würden, die Anwerbung von farbigen ehemaligen Sklaven für den Armeedienst vorangetrieben. Freie und befreite Schwarze sollten zusammen mit den Nordstaaten unter Lincoln, die für den Erhalt der Union und die Abschaffung der Sklaverei eintraten, gegen die Südstaaten kämpfen, welche die Unabhängigkeit und die Beibehaltung der Sklaverei befürworteten. Das 54. war kurz darauf gegründet worden. Den afroamerikanischen Soldaten des Regiments wurden weiße Offiziere vorgesetzt, welche die moralische und politische Überzeugung mitbringen sollten, um eine farbige Truppe anzuführen. Darunter Colonel Gould Shaw, ein nach heutigem Verständnis fundamental christlicher Aktivist innerhalb der Union, der sich als Abolitionist gegen die Sklaverei wandte. Obwohl er anfängliche Zweifel am Erfolg einer farbigen Einheit gehegt hatte, entwickelte sich das 54. zu einer eindrucksvollen Truppe mit einer Kameradschaft, die über die Grenzen der Hautfarbe hinweg bestand. Beide Seiten des Krieges im Süden wie im Norden hatten bis dahin eher gemischte Erfahrungen mit schwarzen Einheiten gemacht. Obwohl auch einige farbige Einheiten bei der Konförderation kämpften, neigten diese zur Fahnenflucht und setzten sich oft in den Norden ab, um für die Union zu kämpfen. Auch der Norden experimentierte häufiger mit schwarzen Truppen, welche jedoch aufgrund von Disziplinarproblemen oft von minderem Durchschlag waren. Die Schlacht bei Fort Wagner am 18. Juli sollte das für immer ändern.

Bis zu dieser Schlacht hatte das 54. bereits in einem Scharmützel gekämpft und war gestärkt aus der gemeinsamen, wenn auch kurzen Zeit, hevorgegangen. Die als beinahe uneinehmbar geltende Festung Wagner, sollte zum Prüfstein werden. Unter heftigstem Beschuss vom Fort, schafften es Soldaten des 54. bis wenige Dutzend Meter vor das Fort. Dort gerieten sie unter heftigstes Salvenfeuer aus Gewehren und Schrotflinten sowie Kanonen. Eingepfercht zwischen Sandbänken, knietiefen Wassergräben und dem meterhohen Wall des Forts, gab es ein regelrechtes Massaker unter den Unionstruppen. Colonel Shaw und mehrere Fahnenträger des 54. starben bereits beim ersten Ansturm auf die Barrikaden. Ob Mut oder Verzweiflung: Die Unionstruppen befreiten sich aus ihrer misslichen Lage durch einen gemeinsamen Vorstoß über den Sandwall des Forts. Im Kampf Mann gegen Mann auf engstem Raum, inmitten des Forts, wurde das 54. aufgerieben und die Unionstruppen zogen sich trotz stundenlangem Kampf letztendlich geschlagen zurück. Hunderte starben.
Obwohl der Sieg an die Konföderierten ging, erreichten die Männer des 54. einen moralischen Triumpf. Die Propaganda der Union schlachtete den Kampf bei Wagner aus und der amerikanische Mythos machte die afroamerikanischen Soldaten und ihre weißen Offiziere zu unsterblichen Helden. Noch heute finden sich überall Monumente um ihrer zu gedenken. Im Film „Glory“ wird der Einheit ein cineastisches Denkmal gesetzt, dass eine wichtige Botschaft transportiert. Der Film beschwört die amerikanische Identität und die amerikanische Nation als ein Wesen ohne Rassismus und zeigt uns, dass die Kameradschaft zwischen Soldaten keine Hautfarbe kennen muss. Er beschwört eine vereinigte Identität von schwarzen und weißen US Bürgern innerhalb einer Nation. Eine Meinung, die innerhalb der heute längst wieder eingetretenen Verherrlichung einer rein „schwarzen Identität“ fast vergessen scheint. Die von den Demokraten angewandten Streicheleinheiten für Minderheiten in den USA haben es vollbracht, dass das Ideal der einigen Nation einem Gruselkabinett der verschiedenen Minderheiten gewichen ist.

Aus dem Ur-amerikanischen Motto “E pluribus unum” (Aus Vielen, Eins), also dem Schmelztiegel, ist „Divided et impera“ geworden. Teile und beherrsche.

Hier ein paar filmische Impressionen von “Glory”