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Boko Haram – Nigeria blutet

Boko Haram – Nigeria blutet

Die Zeit des Ramadan wird von Boko Haram (Westliche Bildung ist Sünde), für weitere Anschläge genutzt. Erst am Sonntag sind 44 Personen durch einen Bombenanschlag getötet worden. Es sind bereits über 160 Personen laut den offiziellen Medienquellen durch die neue Terrorserie von den Islamisten getötet worden. Dabei bedienen sich die Gotteskrieger häufig junger Gefangener, meistens Kinder, welche mit Drogen gefügig gemacht werden oder aber durch Lügen bzw. Erpressung und manchmal auch durch wahre Überzeugung zu Selbstmordattentätern aufgebaut werden. Mit einer Bombe um den Bauch, die sich leicht unter dem Gewand verstecken lässt, werden diese Attentäter in Menschengruppen geschickt, um sich dort in die Luft zu jagen. Das absurde an diesen Bomben ist meist, dass die Wucht der Explosion den Kopf des Bombenträgers abreißt, wegschleudert und dadurch weitestgehend erhält. Man weiß also meist, wer den Anschlag verübt hat. Ein makaberes Detail, dass den meisten Soldaten oder Ex-Soldaten bekannt sein sollte.



Kämpfe und Kämpfer

Boko Harams Aktivitäten konzentrieren sich immer noch auf den Norden Nigerias. Der bevölkerungsreiche Staat Afrikas, der auch mit wachsender Wirtschaftskraft und steigendem Wohlstand zu den aufstrebenden Nationen Afrikas gehört, befindet sich seit über 10 Jahren schon in einem brutalen asymetrischen Krieg gegen die Wahhabiten, welche trotz allen Horrors, einen gewissen Rückhalt bei den sunnitischen Muslimen des Nordens genießen. Auch wenn sie keine echten Mehrheiten binden können, sind bisher nicht zu schlagen gewesen. Regierungstruppen der heillos überforderten nigerianischen Armeewaren nicht in der Lage, die Terroristen aus abgelegenen Landesteilen zu vertreiben. Dabei zeigt sich für Beobachter, dass die Armeen Afrikas, also auch die der internationalen Helfer aus den Nachbarländern Niger, Tschad und Kamerun, mit ihren Erfolgen im Kampf zur Übertreibung neigen. Bei den Kämpfen um Maiduguri und Baga behaupteten sowohl Boko Haram als auch Koalitionstruppen, dass sie Hunderte Feinde getötet hätten. Nachzählen tut das kaum jemand wirklich und dennoch bleibt es unwahrscheinlich. Bei so viele toten Soldaten pro Schlacht, wäre der Krieg wohl längst vorbei. Die niedrigsten Schätzungen für die Personalstärke der Fundamentalisten bewegen sich zwischen 5000-7000, während einige Experten von bis zu 50.000 reden. Vermutlich sind es jedoch weit weniger. Boko Haram scheint sich auch einer ähnlicher Taktik zu bedienen, wie sie auch von anderen Rebellengruppen angewandt wird. Neben ideologischen Kriegern, die zum inneren Kraftkern der Gruppe gehören, werden auch viele Kindersoldaten und Söldner angeheuert, die entweder nur kurz für Bares oder aber für Nahrung bei den Islamisten kämpfen. Die ideologische Streuwirkung wie der IS, besitzt Boko Haram jedoch nicht. Sie gilt auf einschlägigen Foren und Netzwerken eher als billiger Abklatsch von Al Kaida und mit dem Aufstieg des IS, zieht es die meisten ausländischen Kämpfer eher zum „Star der Medien“ oder aber zum Original. Dennoch gibt es wohl kaukasische Islamisten aus Russland, Somalier und französischsprachige Ausländer, die in Nigeria der Terrorgruppe dienen. Die meisten Krieger sind jedoch Einheimische. Von der Bewaffnung her gibt es rein gar nichts bedeutendes an Boko Haram. Die Islamisten kämpfen mit AK-Modellen, Schrotflinten, Pistolen, Granaten und Raketenwerfern. Hinzu kommen selbst gebastelte Bomben und Macheten. Alles getragen vom weißen Toyota, der sich überall in den Konflikten der Dritten Welt findet. Eigentlich ein Gegner, der geradezu lachhaft schwach wirkt, wenn man sich das Material der nigerianischen Armee anschaut. Zumindest auf dem Papier sollte die afrikanische Koalition gegen Boko Haram gewinnen müssen. Die einzige Truppe, die wirklich Erfolge gegen Boko Haram erzielen konnte, ist die Armee des Tschad. Die gehärteten Kämpfer dieses Wüstenlandes hatten auch schon Gaddafis Soldaten einige Jahre zuvor erfolgreich abgewehrt und haben auch Boko Haram die ersten echten Verluste zugefügt. Sowohl muslimische als auch christliche Afrikaner Nigerias und des Tschad kämpfen gemeinsam gegen die Wahhabiten, von denen man eine weitere Destabilisierung des Landes erwartet.



Medienecho

Überhaupt ist wenig Besonderes an Boko Haram, was vielleicht auch der Grund für die mediale Unaufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für diese Gruppe war. Erst durch die Entführung von über 200 Schulmädchen gab es einen größeren Aufschrei in der internationalen Presse. Bis dahin hatte Boko Haram jedoch schon für Tausende Tote in Nigeria gesorgt. Aber vielleicht hält man das ja für eine afrikanische Normalität. Der alltägliche Wahnsinn quasi. Auch die Ermordung von ca 1000 Menschen in einem Dorf Nigerias durch Boko Haram, erzielte nicht das selbe Medienecho wie der Tod der Redaktion von Charlie Hebdo am selben Tag. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man in einem verdreckten Wüstendorf in Afrika stirbt, oder in Paris am Mittag.

Die USA und Frankreich waren neben den afrikanischen Staaten die ersten internationalen Player, welche sich am Kampf gegen Boko Haram beteiligten. In Koordination mit dem Vereinigten Königreich, entsandte man materielle Unterstützung und Ausbilder für die nigerianische Armee. Allerdings bleibt die tatsächliche militärische Zusammenarbeit eher gering, da vor allem die USA zu Recht fürchten, dass Boko Haram das Militär Nigerias infiltriert hat. Sogenannte „Insider-Attacken“ waren in Afghanistan bei der afghanischen Polizei und Armee an der Tagesordnung. Frankreich litt besonders darunter und zog, so sagt man, deswegen auch vorzeitig aus Afghanistan ab. Boko Haram ist brandgefährlich. Aber bei so vielen brandgefährlichen islamischen Terrorgruppen, spielt Boko Haram eigentlich nur die zweite oder dritte Geige.

Finanzierung

Wenn es um die Finanzierung geht, unterscheidet sich die Truppe in nur einem Aspekt von einer gewöhnlichen Mafia. Neben Sklaverei, Schmuggel, Drogenhandel und Entführungen, gibt es einen nicht unwesentlichen Faktor X. X, weil die nigerianischen Behörden nicht in der Lage sind seine Bedeutung zu bemessen. Es handelt sich um die Spenden aus der islamischen Welt, welche sich von Großbritannien bis Dubai und Indonesien erstrecken. Überall wo Sympathisanten in unserer globalisierten Welt vorhanden sind, fließen auch Gelder über versteckte Kanäle an die Terrorgruppe. Vor allem aus den reichen Ölstaaten wie Kuwait, Katar und Saudi-Arabien kommt womöglich eine ganze Menge zusammen. Zumindest ist der Wille vorhanden. Denn letztere Länder, vor allem Saudi-Arabien, haben den Wahhabismus zur Staatsreligion.

Ein Sieg gegen Boko Haram oder ihre Ideologie, welche bei fast allen islamistischen Gruppen weltweit existiert, ist momentan nicht in Sicht.

 

Bild:  Ak Rockefeller
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