Home Gesellschaft Stacey Dooley – Repräsentativ für ihre Generation?

Stacey Dooley – Repräsentativ für ihre Generation?

Stacey Dooley – Repräsentativ für ihre Generation?

Vor ein paar Tagen habe ich mir die BBC-Dokumentation „My Hometown Fanatics“ angeschaut. Darin macht die junge und attraktive Britin Stacey Dooley eine Reise zurück in ihre Heimatstadt Luton nördlich von London um die Aktivität von Islamisten zu untersuchen. In Luton leben noch knapp 200.000 Einwohner und in vielerlei Hinsicht ist diese Stadt repräsentativ für die meisten urbanen Gebiete Großbritanniens geworden. Innerhalb von nur drei oder vier Jahrzehnten hat sich dort ein demographischer Wandel vollzogen, welcher die Stadt zu den ersten britischen „White Minority“ Städten gemacht hat. Auch in religiöser Hinsicht hat sich dort viel verändert, seit Stacey Dooley, eine grinsende Genießerin aus der Großstadt, dort zur Schule gegangen ist. Heute machen Muslime 25% der Bevölkerung aus und Luton ist von einer ehemals christlichen protestantischen Stadt zum Hotspot des militanten islamistischen Extremismus geworden.

Mit Scheuklappen auf den Augen und Watte in den Ohren



Von BBC beauftragt macht sich Stacey auf nach Luton um ihre alte Heimatstadt neu zu entdecken und stellt dabei fest, dass sie sich wirklich etwas fremd fühlt. Aber zum Glück für sie, kann sie bei Hotel Mama unterkommen und kann nach ein paar Tagen wieder abreisen. Eines ihrer ersten Erlebnisse ist das Zusammentreffen mit einer großen Gruppe von muslimischen Demonstranten(darunter vollständig verhüllte Frauen), die lautstark zur Tötung oder zumindest zur göttlichen Bestrafung britischer Soldaten und Polizisten aufrufen. Stacey Dooley versucht nebenher mit einer der Nazghul bzw. Burka-Frauen zu diskutieren. Sie versucht noch anfänglich Verständnis für die Anliegen der Demonstranten aufzubringen: Einführung der Scharia, Ermordung von britischen Staatsdienern usw. Aber es stellt sich dann doch schnell heraus, dass dort unüberbrückbare Gegensätze zwischen Stacey Dooley, einem englischen Mädchen des 21. Jahrhunderts und islamistischen Aktivisten des 7. Jahrhunderts bestehen. Abgesehen davon, dass die weiblichen Islamisten Stacey am Ende indirekt als Hure bezeichnen, weil sie sich nicht mit einer schwarzen Decke verhüllt, wird sie von den männlichen Islamisten fast schon körperlich angegangen und schließlich abgedrängt.

Nun könnte man meinen, dass dies ein besonders erleuchtendes und Augen öffnendes Erlebnis für Stacey sein sollte. Falsch gedacht. In ihrer hedonistischen und neo-modernen Geisteswelt existieren diese Demonstranten nur als kleine Minorität. Ein Satz, den sie während der einstündigen Dokumentation immer wiederholen muss, um sich wohl davon selbst zu überzeugen. Die Tatsache, dass sie in einer von dieser Gruppe dominierten Mehrheitsgesellschaft als Frau das Nachsehen hätte, scheint ihr zu entgehen. Sie trifft sich im Folgenden mit einer ehemaligen Klassenkameradin und Muslimin, die Stacey als Paradebeispiel für eine moderate Muslimin anführt. Auffallend ist das Kopftuch und die Erkenntnis, dass die alte Klassenkameradin nicht genau auf die Frage antworten kann, was denn der Unterschied zwischen moderaten Muslimen und Extremisten ist. Ebenfalls fällt er ihr schwer die sogenannten Extremisten, die Stacey ja eben noch selbst getroffen hat, zu kritisieren. Die seien zwar „Bad“ aber schließlich gibt es überall „bad people“ und diese Leute haben einfach nur eine andere Meinung. Das müsse man akzeptieren.

Die ganze Absurdität der Dokumentation wird ab hier nur noch deutlicher. Von radikalen Islamisten macht Stacey Dooley den Schwung zu den Leuten der sogenannten „English Defence League.“ Schließlich sind das in der Gedankenwelt von Stacey auch Extremisten. Und was forderten die EDL Aktivisten? Zumindest vor der Kamera nicht mehr als die Einhaltung der britischen Gesetze, die Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft und die Bekämpfung von Islamisten, die eine Bedrohung für die Bevölkerung und den Rechtsstaat darstellen.

Stacey kann sich zwar mit den EDL Leuten nicht anfreunden, betont aber immer wieder, dass sie ja eigentlich gar nichts über den Islam weiß. Ja sie gibt zu, dass sie überhaupt kein Wissen über Muslime und ihre Religion besitzt. Um was aufzubessern, trifft sie sich mit etlichen Muslimen in Luton von offenen Extremisten, welche die Scharia einführen wollen und Frauen am liebsten in der Küche anketten würden, bis hin zu Passanten auf der Straße. Ein paar Konstanten ziehen sich dort durch die Argumentation aller Muslime und zwar fast ohne jede Ausnahme.

Zum einen betonen sie die hohe Bedeutung ihres Glaubens und seine Unverletzlichkeit. Und zum anderen, wenn die Scharia zur Sprache kommt, wird sie zwar kritisiert, aber oft sofort mit dem negierenden „But…“ versehen.

Die Scharia ist so und so…aber“

Abgesehen davon, dass sich einige der Extremisten auch nicht offen von dem Terror distanzieren wollten, ist recht eindeutig zu sehen, dass eben keine mehrheitliche Ablehnung eines traditionellen Islam samt Gesetzgebung bei den Muslimen von Luton zu finden ist. Später geht Stacey sogar soweit die Scharia selber noch zu verteidigen und zu behaupten, dass wenn Muslime danach leben wollen, sollen sie das doch tun. Schließlich sei das deren Entscheidung. Dass dies dann in letzter Konsequenz beinhaltet, dass die Normen des Islam auf die Mehrheitsgesellschaft übertragen werden, scheint ihr zu entgehen. Der entscheidende Denkfehler von Stacey ist hier, dass die Scharia keine Religionspraxis wie das Essen des Leib Christi in der Kirche ist, sondern eine Gesetzgebung. Ein Land in dem die Scharia gilt, lässt keine Wahl ob man danach leben will oder nicht. Unabhängig vom Glauben, der Herkunft und politischen Ausrichtung. 

Nun möchte man Stacey Dooley packen und kräftig schütteln, wenn sie von Kompromiss zwischen Islamisten und britischen Indigenen spricht. Denn ein Kompromiss wäre die Preisgabe der britischen Gesetze, der Werte und der Identität der indigenen Briten. Und umso mehr sich das demographische Gewicht zu Gunsten der Muslime verlagert, umso gewichtiger wird auch die traditionelle Auslegung des Islam inklusive Scharia. Ein Blick in die heutige islamische Welt genügt um dieser Aussage Beweiskraft zu geben.

Nun geht es mir hier nicht primär um die Darlegung der Problematik Großbritanniens und Europas mit einer wachsenden islamischen Bevölkerung. Sondern vielmehr möchte ich anhand von Stacey Dooley zeigen, wie weltfremd, naiv und selbstgerecht die moderne westliche Jugend in ihrer Mehrheit an den Islam und seinen politischen Islamismus herangeht. Stacey ist ein lebensbejahendes, rothaariges und attraktives Mädchen. Sie mag die Natur, macht gerne Selfies und hält sich für weltoffen und tolerant. Ihr Lebensstil ist repräsentativ für eine Generation von jungen Leuten oder vielmehr für viele Generationen von Menschen, die seit 70 Jahren nur Frieden kennen und deren Freiheit und Bürgerrechte zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Das größte Problem der Generation Stacey ist die Suche nach dem richtigen Outfit für die nächste Party, die Rettung Tibets und die Wahl des perfekten Partners. Dass sie eigene Existenz oder die freiheitliche und demokratische Gesellschaft und auch ihr Wohlstand bedroht sein könnten, geht völlig an diesen Menschen vorbei. Sie kennen es schließlich nicht anders und ihre abstrakte Vorstellungskraft reicht nicht weiter als bis zur nächsten Poolparty.

Stacey Dooley zieht aus um die Freiheit und die Toleranz zu verteidigen. Sie nimmt die Scharia und den Islam vor jenen in Schutz, die in diesen Dingen eine Bedrohung für die Gesellschaften Europas sehen. Aber sie scheint dabei nicht verstehen zu wollen, dass in einer islamischen Gesellschaft, die von vielen in Luton präferiert wird, Niemand und aber wirklich Niemand ihren Lebensstil und ihre Wertevorstellung verteidigen wird. Dann ist Schluss mit kurzen Sommerkleidern, tiefem Ausschnitt und Urlaub ohne männliche Begleitung. Sie versteht einfach nicht, dass Toleranz nur auf Gegenseitigkeit beruhen kann und dass die Toleranz von Intoleranz niemals Grundlage einer freien Gesellschaft sein kann. Es gibt kein Recht darauf, die Freiheit zu attackieren. Man möchte wirklich vor Wut heulen, wenn man sieht wie frohsinnig und locker Stacey ein derart ernstes Thema angeht, dass für viele Menschen zur Schicksalsfrage Europas geworden ist. Fragt sich, ob sie in Zehn Jahren immer noch so heiter ist.

Bild: Foto: Voyou Desoeuvre
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