Home Militär Mädels von Kurdistan

Mädels von Kurdistan

Mädels von Kurdistan

Im Norden von Syrien liegt jener Teil der kurdischen Nation, der jüngst erst mit Kobane internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Der Ansturm des IS konnte zwar zurückgeschlagen werden. Aber an der Gesamtsituation der Kurden hat das wenig geändert. Geostrategisch befindet sich dieser Teil von Kurdistan, der von der YPG verteidigt wird, in einer prekären Lage. Das Einflussgebiet des IS trennt die syrischen Kurden von den irakischen Kurden und im Hinterland liegt die türkische Grenze. Für die Entstehung eines vollständigen Kurdistans ist die Aufhebung der IS Macht in der Mitte unerlässlich.

Der Kampf den die Kurden hier führen ist jedoch nicht nur ein Kampf um Land und Einfluss. Sondern es ist auch ein Konflikt der Ideologien. Es steht auf der einen Seite ein totalitäres Verständnis von Islam, dass eine Rückkehr zu den Fundamenten muslimischer Herrschaft durch das Schwert und den Koran vertritt. Und auf der anderen Seite steht die in ihren Grundzügen immer noch marxistisch geprägte PYD ( Partiya Yekîtiya Demokrat ), die als syrische Schwesterpartei der PKK gilt. Ihr bewaffneter Arm, die YPG ( Yekîneyên Parastina Gel ), ist von den Ideen der PYD selbstverständlich durchdrungen. Neben Sozialismus gehört dazu auch der Feminismus. Letzter erhält im Angesicht des IS eine vorher fast undenkbare Bedeutung.

Die Frauen und Mädchen, manchen von ihnen nur 17 oder 18 Jahre alt, kämpfen tatsächlich nicht nur gegen eine feindliche Armee, sondern auch gegen eine Ideologie, welche sie als Frauen zu Untermenschen degradiert. Zu Sexsklaven, deren Preis bei einigen Hundert Dollar läge. Die Selbstbehauptung der kurdischen Frauen ist die Fortführung eines Jahrtausende alten Kampfes gegen die Bevormundung durch ein archaisches Patriarchat Die YPG Kämpferinnen sind moderne Feministinnen, die mit der Waffe in der Hand eine dogmatische Religionspraxis bekämpfen. Man sieht keine Kopftücher bei der YPG und das obwohl viele Kurden muslimisch sind. Aber vor der Kamera der internationalen Presse wird klar von der YPG Sprecherin Sibel erklärt, dass das Kopftuch ein Zeichen der Unterdrückung durch den Mann ist und daher unvereinbar mit den Werten der YPG und eines neuen demokratischen Kurdistans bleibt. Es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, der sich auch gegen die islamisch-konservativen Elemente in der kurdischen Gesellschaft richtet.

Für die Frauen im entstehenden Kurdistan ist klar, dass dies ein Kampf gegen den IS und für ihre eigene Selbstbestimmung ist. In den für den Orient stark von Gleichberechtigung geprägten Stammesstrukturen der Kurden, dessen Wurzeln schon lange vor der Islamisierung im 7. und 8. Jahrhundert zu finden sind, gibt es Rückhalt für die Gleichberechtigung. Eine echte und tatsächliche Gleichberechtigung, die nicht mehr und nicht weniger fordert als frei zu leben und gleich behandelt zu werden. Der kurdische Feminismus uriniert nicht auf Altäre oder stürmt splitternackt durch die Welt. Sein Problem ist nicht die vermeindliche Unterdrückung durch eine gender-ungerechte Sprache. Nein.

Er nimmt die Waffe in die Hand, legt die Schutzweste um und zerstört jenen Gegner der Aufklärung, der nichts sehnlicher will, als die Frau unter einer Burka an den Herd und ins Bett zu verbannen. Sibel und Emine machen selbstbewusst vor der australischen Presse klar, dass dem IS das nicht gelingen wird. Nicht solange sie leben. Vor einer Entehrung würde man lieber den Tod wählen.

Bild: (Photo/Manu Brabo, File)