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Japans Krieger – Soldaten der aufgehenden Sonne Teil I

Japans Krieger – Soldaten der aufgehenden Sonne Teil I

 

Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte sind die direkte Folge der Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Sieg der Amerikaner über das japanische Kaiserreich trat die von den Amerikanern geformte Verfassung Japans in Kraft, welche der Inselnation auferlegte eine pazifistische Natur zu entwickeln und nie wieder Krieg zu führen. Artikel 9 der Verfassung verbietet Japan die Anwendung von militärischer Gewalt als Mittel der Politik.

Aber obwohl die stark pazifistische Gesellschaft Japans dem Militär noch immer abneigend gegenüber steht, gibt es seit einigen Jahrzehnten, genauer seit 1992, eine heimliche Wiedergeburt der imperialen und militärischen Geschichte in Japan. 2013 verabschiedete die regierende LDP den Entwurf zur Neuausrichtung der Self-Defense-Forces zu einer voll bewaffneten Nationalarmee. Seit 2014 ist das gesetzliche Verbot zum Einsatz der japanischen SDF außerhalb des Staatsgebietes offiziell von der Regierung Abes aufgehoben worden. Der Weg ist damit frei zur Umgestaltung.

Der Grund für diesen von einem Teil der Parteien und Wählerschaft getragenen Neurorientierung der Verteidigungspolitik ist zum einen das erstarkende China und der Konflikt um die „Senkaku Islands“, die sowohl von China als auch von Taiwan und Japan beansprucht werden. Zum anderen wächst seit dem Aufstieg des IS und der Ermordung japanischer Staatsbürger durch die Islamisten auch ein neues Bewusstsein für eine möglicherweise global agierende Bedrohung heran. Die LDP war nicht die einzige Partei, die damit argumentierte, dass Japan es sich im Kampf gegen den internationalen Terrorismus nicht leisten könne, zu schlafen. Terrorgruppen wie der IS würden Japan auch bedrohen, wenn es sich isolieren und abseits stehen würde. Es mache keinen Unterschied für einen solchen Feind, ob man neutral sei oder nicht.

Aber vielleicht gibt es noch einen dritten Grund für die verstärkte Militarisierung Japans. Falls der Konflikt mit China tatsächlich eskalieren sollte, könnte es durchaus sein, dass die USA aufgrund komplizierter Bündnissysteme und weltweiter Überdehnung ihrer Streitkräfte oder aber diplomatischer Befindlichkeiten und Ängste nicht auf japanischer Seite eingreifen. Die Furcht im Zweifelsfall alleine kämpfen zu müssen, bleibt präsent. Das Vertrauen in den amerikanischen Verbündeten ist zwar groß und die Beziehungen sind gut, aber bei allem Vertrauen möchte die Regierung Abe nicht in Naivität verfallen. Und deshalb rüstet Japan wieder auf und belebt damit auch die Tradition des imperialen Kaiserreiches wieder. Der ehrenvolle Kodex der Samurai, der Heldentod als Flieger und der stolz einer großen Marine. Japans Soldaten sind wieder geachtete und wichtige Teile der Gesellschaft geworden. Während man in den Jahren des Wirtschaftsaufschwunges die Armee eher als Deponie für schlecht qualifizierte Dummbeutel betrachtet hatte, erhalten die heutigen Soldaten wieder jene Anerkennung, die sie auch schon Anfang des letzten Jahrhunderts genossen hatten. Rechtsnationale Gruppierungen befürworten die Aufrüstungen und machen häufig Schlagzeilen mit ihrer konsequenten Leugnung von japanischen Kriegsverbrechen. Auf der anderen Seite gibt es auch linksliberale Aktionen, die eine aktivere Rolle Japans an der Seite Amerikas befürworten und damit auf einer Linie mit Abe´s liberalkonversativer Regierung liegen. Die Re-Militarisierung ist beschlossene Sache. Auch wenn Abe dem Volk versichert hat, dass Japan nie wieder einen Angriffskrieg führen wird. Er weiß jedoch auch, dass die Verstärkung der nationalen Verteidigungskapazitäten Japans genügend Rückhalt in der Bevölkerung hat. Angesichts der Bedrohungen durch China und den IS, ob akut oder nicht, bleibt der Widerstand gering bis mäßig. Vor allem da die USA jede Aufstockung des japanischen Militärbudgets begrüßen. 

Teil II → Japans Militärmacht im Detail – Nächste Woche 

 

Bild: Japanische Marinesoldaten – Bild : JPSDF Flickr