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Firefly und die Freiheit des Menschen

Firefly und die Freiheit des Menschen

Im Jahr 2002 erschien die Western-Sci Fi Serie „Firefly“ auf FOX und begeisterte nicht nur Kritiker, sondern auch eine treue und immer noch substanzielle Fangemeinde auf der ganzen Welt. Obwohl die Serie bereits nach einer Staffel von FOX abserviert wurde, konnten die Macher mithilfe von Spenden und Verkauf der DVDs einen Film in die Kinos bringen, um die Saga abzuschließen. „Serenity“ hieß er und erschien in Deutschland mit dem absoluten bescheuerten Untertitel : Flucht in neue Welten (Typisch). Er erhielt gute Kritiken und brachte der Serie einen krönenden Abschluss. Nun geht es im folgenden Artikel nicht um die Wiedergebung der Handlung, sondern um den tieferen gesellschaftlichen Hintergrund, den “Firefly” zweifelsohne besitzt. In der fiktiven Welt von “Firefly” wird mit politischen Ideen und Mythen gespielt, die sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart immer wieder finden. Es geht um den Konflikt zwischen der Freiheit des Individuums und der Macht eines zentralen Staates. Gesellschaftliche Ordnung gegen Rebellentum. Amerikas Gründungsmythos und die Seele des Wilden Westens finden sich ebenso in Serenity wieder, wie die heutige Angst vor den immer mächtiger werdenden Geheimdiensten und der totalen Überwachung eines gläsernen Bürgers. Aber es geht auch um die Verfehlungen und die Probleme von freien Gesellschaften. Ja Firefly, wenn man es so interpretieren möchte, ist hochpolitisch.

Macher und Handlung



Joss Whedon, der Macher der Serie, ist eigentlich ein bekennender Demokrat und Anhänger von Präsident Obama. Mit Western-Romantik und republikanisch-libertären Gruppen des rechten Flügels kann er persönlich nichts anfangen. Aber er hat sich nicht gescheut in „Firefly“ eine Welt zu erschaffen, die nahe an den romantischen Idealen der Libertären und Fundamental-Christlichen Gruppen liegt.

In der fiktiven Zukunft von Firefly ist die Menschheit aufgrund von Klimawandel und erschöpften Ressourcen in andere Sternensysteme aufgebrochen. Aus den dominanten Kulturen der Welt hat Whedon eine sogenannte „Union der allierten Planeten“ oder kurz „Allianz“ gemacht. In dieser Allianz vermischen sich zwei Hauptkulturen zu einer neuen Mischform. Diese Sino-englische Allianz fusioniert ostasiatischen und westlichen Fußabdruck zu einer neuen Weltkultur. Englisch und Mandarin sind zu den Verkehrssprachen geworden und die total globalisierte Menschheit ist von ihren ursprünglichen Identitäten ziemlich entwurzelt worden. Quasi das Multikulturelle Endprodukt 500 Jahre nach unserer Zeit. Was dieser Globalkultur allerdings an Originalität fehlt, ergänzt sie durch politische Komplexität.

Die Allianz der Planeten symbolisiert in dieser neuen Zukunftsvision die zentralistische, autoritäre und starke Regierung, welche das Leben ihrer Bürger reglementiert. Es ist ein ziemlich diffuses Konstrukt aus parlamentarischer Demokratie, autokratischer Monarchie und militärischem Unterdrückungsapparat inklusive Geheimdiensten. Mithilfe moderner Technik und einem System von wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten, ist es der Allianz möglich ihren Einfluss über das neue Sonnensystem auszuweiten und dutzende Planeten im Zentrum des Systems zu kontrollieren. Es gibt Oligarchen, einen Adel und eine Mischung aus Beiden. Politik funktioniert durch Bestechung, Korruption, ehrliche Überzeugung und absichtliche Täuschung. Wer sich dem System fügt und sich anpasst, hat jedoch in der Regel nichts zu befürchten und kann ein verhältnismäßig gutes Leben in Wohlstand führen und im Rahmen der Denkverbote auch politisch aktiv werden. Die Emanzipation der Frau hat in mancher Hinsicht scheinbar auch einen Rückschritt gemacht. Es gibt Konkubinen für die Reichen, grassierende Prostitution und die Braut als Geschenk für den heldenhaften Mann. Rückständigkeit und Moderne treffen seltsam chaotisch aufeinander. Whedon hält uns hier womöglich absichtlich den Spiegel der heutigen Verhältnisse in USA und anderswo vor. Zumindest aus seiner Sicht.

Doch wehe denen, die sich nicht der Allianz unterordnen wollen. In Whedons Firefly Universum existieren am Rande des neuen Sonnensystems einige rebellische Planeten, auf denen sich Kolonisten niedergelassen haben, die dem Regulierungswahnsinn der Regierung entfliehen wollen.



Libertäres Chaos oder erstickende Ordnungsmacht

Diese „Unabhängigen Planeten“ führen ein freies, aber eher armseeliges Leben auf Sandfelsen, die sehr an den mittleren Westen Amerikas erinnern. Sie schwingen Revolver, züchten Kühe, bestellen Felder und kämpfen gegen eine hochgerüstete Militärmacht des 25. Jahrhunderts. Firefly beginnt die Show mit einem Rückblick auf den Unabhängigkeitskrieg dieser rebellischen Kolonien gegen ihre Zentralregierung. Dieser Krieg ist zweifelsohne eine Fusion aus amerikanischer Revolution gegen die Briten und Südstaaten-Seperatismus gegen die Union. Die Allianz ist in diesem Fall eine Symbiose aus britischer Monarchie, Parlament der Union und heutigem Amerika.

Und hier greife ich mit einen „Spoilern“ vor. Also Achtung!

Die Allianz gewinnt den Krieg haushoch mit ihrer fast schon faschistoid anmutenden Militärmacht. Grauschwarze Uniformen, Wehrmachtshelme und deutsche Namen für Raumschiffe. Wheedon macht sich einen klischeehaften und nicht vorurteilsfreien Scherz aus der Darstellung des Unterdrückers. Die Rebellion der freien Planeten wird niedergeschlagen und die Zentralregierung der Allianz breitet ihren Einfluss weiter auf die ehemals freien Planeten aus.

Hier beginnt die Geschichte der Firefly Crew unter der Führung von Malcom Raynolds, der als Rebell und Freigeist auf der Seite der Verlierer gestanden hatte und nun versucht mit seinem Schmugglerschiff am Rand des Systems ein Leben in Freiheit zu führen. Er versammelt in seiner Crew ehemalige Rebellen, politische Flüchtlinge, Söldner und simple Freigeister, die nichts mit der Allianz zu tun haben wollen. Die „Serenity“, so der Name des Schiffes, schaukelt sich von einem halb-legalen Auftrag zum nächsten und schlägt sich irgendwie durch die Welt. Es gibt markige Macho Sprüche, Testosteron-geladene Männer und kriegerische Frauen, die dem püppchenhaften Prinzessinnen der Kernwelten entgegen gesetzt werden. Whedon spielt hier auf die Frau des wilden Westens an, die sich schon früh in den USA emanzipiert hat. Oft mit der Pumpgun in der Hand. Ganz anders als die grazilen Blümchen der höfischen Gesellschaft, die dort mehr Trophäe als Person sind.

Das Leben als Rebell im System ist schwierig für die Crew. Sie kämpft gegen Piraten, Kriminelle, Weltraumzombies und eine sie misstrauisch beäugende Exekutive. Auch wenn die Serenity selbst hin und wieder dubiose Aufträge annnehmen muss um zu überleben, hält sich die Mannschaft zumeist an schwammig formulierte Ideale von Freiheit, Menschlichkeit und Gleichheit. Auch wenn der Pragmatismus zum Überleben meist den Vorzug erhält. Man wird unweigerlich an die heroische Natur dieser Rebellen herangeführt, die eigentlich nichts anderes tun wollen als durch die Galaxis zu tuckern, ohne einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung zu bekommen.

Dabei muss man Whedon bei der Darstellung der Welt anerkennend auf die Schulter klopfen. Es gibt kein Schwarz-Weiß und kein klar definiertes Gut oder Böse in seinem Universum. Auf den rebellischen Randplaneten herrschen teilweise chaotische Zustände. Kriminalität und die Auswüchse der individuellen Profitgier sind überall zu sehen. Das Leben in größtmöglicher Freiheit hat für die Crew der Serenity nicht nur Vorteile. Unterschiedliche Ziele und Vorstellungen bringen die Mannschaft oft gegeneinander auf.

Dem entgegen steht die Allianz, die Beileibe kein diktatorisches Terroregime ist, wie es von den Rebellen gerne dargestellt wird. Aber sie ist eben auch keine perfekte Gesellschaft. Man trifft auf ehrliche und idealistische Polizisten und Agenten der Regierung, die wirklich nur das Beste für die Menschen wollen und dabei doch viel Böses tun. Aber auch grassierende Korruption und innerer Verfall im System, sowie ein dogmatischer Erziehungsansatz machen das Leben unter dem Schirm der großen Union schwierig für den ungebundenen Geist. In „Firefly“ konkurrieren zwei systemische Ansätze um die Richtigkeit ihrer Ideen.

Liberale Welt, die den Menschen so viele Freiheiten lässt wie nur möglich. Mit allen Vor- und Nachteilen. Oder aber stabile Regierung, Ordnung durch Macht und ein Leben in Wohlstand und Sicherheit. Nur eben ohne echte Freiheit. Es ist der politische Ur-Konflikt der Menschheit und der amerikanische Mythos seit jeher.

Den perfekten Menschen

Wer den Film „Serenity“ noch nicht kennt, der sollte hier nicht weiterlesen oder ihn zumindest vorher mal anschauen. Denn im Film kommt ein erstaunlich aktueller Ansatz zum Vorschein. Nämlich die Erziehung des Menschen durch eine Regierung. Man findet dieses Thema überall. Vor allem in der jüngeren Geschichte finden wir immer wieder Beispiele für den Versuch einer bestimmten politischen Gruppe, die Menschen unter ihrer Kontrolle in einem bestimmten Wesen zu „verbessern“ und zu erziehen. Die Nationalsozialisten versuchten einen rassischen Herrenmenschen zu züchten, die Kommunisten wollten die „sozialistische Persönlichkeit“ und die heutigen Islamisten wollen den dogmatischen Gotteskrieger. Selbst in unserer westlichen, eigentlich angeblich undogmatischen Gesellschaft, finden sich viele Versuche den Menschen durch beständige Wiederholung von Meinungen in bestimmte Richtungen zu lenken.

Aber in „Serenity“ wird ein noch viel drastischerer Ansatz verfolgt, der mehr mit den Nazis zu tun hat als mit rein ideologischer Indoktrationation. Es ist der Versuch der Allianz den „perfekten“ Menschen mittels der modernen Wissenschaft zu erschaffen. Einen friedfertigen und gehorsamen Menschen, der nicht gewaltätig sein darf.

Der Versuch an der Kreierung des „Übermenschen 2.0“ geht jedoch richtig schön daneben und verursacht genau das Gegenteil. Ein Verbrechen im Sinne einer Fortschritts-Ideologie, der dann Millionen Menschen zum Opfer fallen. Dahinter steckte keine böse Absicht. Nur der beste Wille und der Wunsch den Menschen zum Guten zu verändern. Serenity möchte uns aber sagen, dass man nicht Gott spielen sollte und das der Versuch den Menschen künstlich zu verändern, falsch ist. Am Ende siegt also der libertäre Gedanke in Whedons Saga. Im Film obsiegt die Menschlichkeit des Individuums und selbst die idealistischen Agenten der Regierung und die rebellischen Freigeister der Serenity Mannschaft zeigen sich von ihrer besten Seite. Tapfer, ehrlich, aufrichtig. Die Entscheidung für die wahre Menschlichkeit und Güte kann uns keine Regierung abnehmen oder in die Wiege legen. Keine Spritze, keine Gentherapie, keine Chemikalie sollte in den inneren Kampf des eigenen Gewissens eingreifen dürfen und können.

Firefly will uns Mensch sein lassen. Nicht mehr und nicht weniger. Mit allem Guten und Schlechten das dazu gehört.