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Die Kreuzzüge – Kein Grund sich zu schämen

Die Kreuzzüge – Kein Grund sich zu schämen

 

 



Jeder von uns hat das vermutlich im Geschichtsunterricht schonmal gehört oder in ähnlicher Form woanders. Die bösen christlichen Europäer sind im Mittelalter ausgezogen um Jerusalem und das Heilige Land von den muslimischen Arabern zurückzuerobern. Diese furchtbare Periode unserer Geschichte ist daher Grund sich zu schämen diese Angriffe können als entschuldigender Vergleich für den ununterbrochenen Dschihad des Islam herangezogen werden.

Aber vielleicht fällt ihnen ja etwas im zweiten Satz auf. Das Zauberwort zum Verständnis hier ist „zurück-erobern“. Dieses kleine Detail ändert womöglich alles was man über die Kreuzzuge allgemeinhin glaubt zu wissen.

Der Orient – Eine ehemals christliche und europäische Welt

Von Nordafrika bis Anatolien herrschte das christliche Europa. Diesen historischen Fakt bekommen Sie in den meisten Geschichtsbüchern nicht gelehrt. In Nordafrika lebten fast ausschließlich Christen und Juden unterschiedlichster Strömungen, die stark mit Rom verbunden waren und nominell unter der Aufsicht des Papstes standen. Ganz Nordafrika war Teil der sogenannten „klassischen Zivilisation“ die von Rom begründet wurde und auch nach dessen „Fall“( Ein Wort, dass unpassend ist) weiter existierte. Man sprach Latein und rezipierte Bibel und klassische antike Literatur. Die antike Welt war mit der Eroberung Roms durch germanische Stämme keinesfalls untergegangen. Zum einen erschufen die Germanen ihre eigene Version des römischen Reiches und zum anderen war das Oströmische Reich mit Konstantinopel(heute Istanbul) zur dominanten Macht in Europa und im Orient geworden. Konstantinopel war tatsächlich der heimliche Mittelpunkt der Christenheit und die größte Stadt der damaligen Welt mit Hunderttausenden Einwohnern. Es ist das viel gerühmte zweite Rom gewesen, dessen Einfluss bis an die Grenzen des heutigen Iran reichte. Christliche Europäer und Araber sowie Juden und etliche andere Ethnien und Konfessionen siedelten im Staatsgebiet von Byzanz. Oder wussten Sie, dass die Seidenstraße von mehrheitlich Christen bewohnt wurde? Von der Türkei bis ins heutige Pakistan hinein lebten Christen.

Ganz Ägypten wurden fast ausschließlich von Kopten bewohnt. Das ist jene Minderheit von Christen, die heute im eigenen Land zum Aussterben verdammt ist. Es ist in der Tat so, dass die levantinische Christenheit und das römische Europa im 7. Jahrhundert nach Christi die dominante Kraft im Okzident und Orient war. Von den Franken und Sachsen sprach man höchstens beiläufig. Während Konstantinopel, Alexandria und Jerusalem die eigentlichen Drehscheiben der europäischen Kultur und der christlichen Religion waren. Das dunkle Mitteleuropa bestand lediglich aus finsteren Wäldern, in denen Kriegsfürsten um die Kontrolle ärmlicher Bauernhöfe fochten. Ägypten, Anatolien und Syrien hingegen waren die ökonomischen und kulturellen Zentren der klassischen Welt.

Blitzkrieg am Mittelmeer

Am Ende des 7. Jahrhunderts ändert sich jedoch etwas. Der Prophet und der Heilige Krieg, die militärische Ausbreitung des Islam, treten auf den Plan. Innerhalb von nur 100 Jahren erobert der Islam fast alles. Wirklich fast alles. Seine Ausbreitungsrichtung ist Westen. Im Jahr 637 eroberte die Streitmacht des Kalifen Umar Jerusalem von Byzanz, dass die Stadt fast 200 Jahre kontrolliert hatte. In den folgenden Jahrzehnten und ich betone Jahrzehnten, fegten die Krieger des Islam mit Geschick und Brutalität über ganz Nordafrika und große Teile Syriens hinweg. Die Hilferufe der koptischen Christen stießen in Rom zu diesen Zeiten auf Taube Ohren. Im Jahr 846 standen die islamischen Krieger jedoch vor den Toren Roms, zerschmetterten die Basilika St. Peter und kontrollierten seither den ganzen Mittelmeerraum. Süditalien, Spanien und Portugal standen völlig unter dem grünen Banner und dem Halbmond. Mit der Eroberung Nordafrikas, des Nahen Ostens und Teilen Europas kam nicht nur die Zerstörung von Kulturgütern, sondern auch die Unterwerfung unter die islamische Rechtssprechung(Scharia). Neben der politischen Kontrolle folgte auch die gezielte und ungezielte Ansiedlung von arabischen Muslimen in den Gebieten der damals noch sowohl religiös christlich als auch ethnisch europäisch geprägten Länder.

Point of View 1095

Nun stellen sie sich vor, dass Sie Kaiser Alexios I. Von Byzanz sind. Sie sehen, dass ihr oströmisches Reich in wenigen Jahrzehnten, quasi über Nacht, um die Hälfte geschrumpft ist. Die ganze christliche und damals europäische Welt hat binnen kürzester Zeit 1/3 des Territoriums und dazu auch noch die wichtigsten Gebiete verloren. Sowohl das religiöse Zentrum von Jerusalem, als auch die Brotkammer Ägypten und die kulturelle Elite Syriens. Mittlerweile stehen die islamischen Eroberer nicht nur in Anatolien vor ihren Toren, sondern bedrohen auch Rom, Frankreich und den kümmerlichen Rest des „freien Spaniens“. Und vor etwa 80 Jahren hatten die Muslime neben etlichen tausend Kirchen auch noch die Grabeskirche von Jerusalem zerstört. Eines der allerheiligsten Heiligtümer überhaupt.

Alle Beweise und fast alle Indizien sprechen dafür, dass die siegreichen Muslime jetzt nicht einfach aufhören, sondern auch den Rest Europas erobern. Der ganze Seehandel übers Mittelmeer war fast vollständig zusammengebrochen, da muslimische Piraten einen ökonomischen Krieg um Sklaven und Beute dort betrieben. Seit fast 200 Jahren kriegt Europa nichts als Prügel.

Das ist die politische Landkarte des Jahres 1095 aus Sicht Europas. Man steht kurz vor der völligen Vernichtung bzw. Unterwerfung.

Und jetzt ruft der Papst in Rom endlich, nach ihren Bittgesuchen, den Kreuzzug zur RÜCKeroberung der verlorenen Gebiete aus. Vor allem in Italien finden sich viele Freiwillige aus den etlichen Flüchtlingen und Enteigneten Nordafrikas und des Nahen Ostens, die endlich die Chance ergreifen wollen ihre Heimat zurück zu holen. Es geht um mehr als nur Jerusalem. Den Geschichtsfachleuten von heute scheint die geostrategische Dimension und Situation der Kreuzzüge nicht klar geworden zu sein. Es handelte sich nicht nur um einen brutalen Kriegszug gegen Andersgläubige, sondern auch um die Rückholung eines Landes, von dem man ausging, dass es einem gehörte und wo man bereits lange vor dem Feind gelebt hatte.

Wenn jemand Bayern erobern, besetzen und das Oktoberfest niederbrennen würde, hätte der Rest des Landes und der Nation denn kein Recht Bayern zurückzuerobern? Vielleicht bekommen die Kreuzzüge mit dieser Perspektive eine ganz andere Färbung.