Home Geschichte 1980 – Iran-Irak Krieg – “The Great Game im Orient”

1980 – Iran-Irak Krieg – “The Great Game im Orient”

1980 – Iran-Irak Krieg – “The Great Game im Orient”

 

 



Es ist der 22. September 1980 –  der Irak von Saddam Hussein  beginnt mit der Invasion des Iran, wo vor einem Jahr die iranische Revolution den schiitischen Ayatollah Khomeini an die Macht gebracht hat. Das politische Erdbeben, dass das Regime des Shah Rezla Pahlavi abgelöst hatte, war bis nach Amerika hin zu spüren. Quasi über Nacht hatten die USA ihren wichtigsten und stärksten Verbündeten im Mittleren Osten verloren. Die jahrelange Aufrüstung der persischen Armee, richtete sich plötzlich gegen den Einfluss des Weißen Hauses. Jahrzehntelange Investionen und die Rechte am Erdölreichtum des Iran, hatten sich in Luft aufgelöst.

Als Hussein noch Freund war

In der arabischen und sunnitischen Welt löste die Revolution im Iran ganz ähnliche Gefühle von Wut und Furcht aus. Zum einen ängstigten sich die saudischen Sunniten vor einem Erstarken der Schiiten, die als Ketzer verachtet sind und schon aus religiösen Gründen bekämpft werden müssen. Zum Anderen bedrohte eine fundamentalistische und islamische Revolution auch die Grundpfeiler der eigenen Herrschaften. Die Monarchien des Nahen Ostens sind den wahren Islamisten ein Dorn im Auge. Selbst spätere sunnitische Islamisten haben die islamische Revolution im Iran als Stein des Anstoßes genommen. Sie sind sowohl für sunnitische als auch für schiitische Islamisten die reinste Gotteslästerung. Vor allem, da die meisten der Ölmonarchen nur durch die Gnade der USA regieren.

Es ist das Jahr 1980, als sich der Irak des Saddam Hussein anschickt die chaotischen Zustände im Iran auszunutzen und endlich die Förderstellen östlich des Shatt Al-Arab zu erobern. Das säkulare und nationalarabische Regime von Hussein war in den Jahren zuvor sowohl von USA als auch von der Sowjetunion militärisch aufgerüstet worden.

Mit dem Segen aus Washington ergang dann der Befehl an die irakischen Streitkräfte, die iranische Revolution im Keim zu ersticken. Khomeini hatte schließlich lautstark zu weltweilten Revolutionen gegen die ungläubigen Satellitenregime von USA und UDSSR aufgerufen. Ein Aufruf an die Gläubigen Muslime sowohl Schiiten als auch Sunniten im Irak und Anderswo, sich von ihren Diktatoren zu lösen. Donald Rumsfeld hatte sich dafür stark gemacht dem Irak von nun an internationale Achtung und Bedeutung einzuräumen. Man strich das Regime von der „State Sponsors of Terrorism“ Liste und pumpte zusammen mit den Russen und Europäern Milliardensummen an Material in die irakische Armee. Auch die Saudis und andere sunnitische Staaten schlossen sich dem Spendenaufruf an. Hier trafen zwei Interessengruppen zusammen. Die USA und die Sowjets, die um den Kontrollverlust über den Mittleren Osten fürchteten. Und die sunnitischen Regime, die einen islamistischen Flächenbrand fürchteten, der ihre eigene Herrschaft bedrohen könnte. Und eine wiederbelebte Shia im Orient, wollte keine der beiden Seiten.

Mit einem Mal war Saddam vom Buhmann zum Wächter des Westens auserkoren worden.

7 Jahre und 10 Monate Krieg

Der Erste Golfkrieg ist ziemlich in die Vergessenheit geraten. Möglicherweise ist das Absicht. Aber in fast 8 Jahren Krieg, der einem totalen Krieg nach dem Vorbild der Weltkriege recht nahe kam, starben etwa vermutlich mehr als 1 Millionen Menschen. Verkrüppelte und geistig verwundete nicht mitgezählt. Die auf beiden Seiten am Ende etwa eine Million Mann starken Heere bekämpften sich mit auschließlich westlichen(russisch hier dazu gezählt) Waffen. Inklusive chemischen Kampfstoffen. Mit Giftgas beladenen Raketen attackierte der Irak nicht nur die Iraner in den Stellungen und Städten, sondern auch kurdische Zivilisten. Jeder Versuch der UN gegen diese Verbrechen vorzugehen, wurde von USA und Großbritannien im Sicherheitsrat abgeschmettert. Die schützende Hand Washingtons Lag auf Hussein.

Chemische Waffen hin oder her. Die allermeisten Menschen starben durch konventionelle Waffen. Panzerschlachten, Stellungskrieg und Bombenangriffe. Am Ende des Krieges schickte das islamistische Regime des Iran sogar die Kindersoldaten der eigenen Revolutionswächter in den Kampf. Märtyrer für den wahren Glauben und den Iran. 14 jährige „Shaheed“, die für den Dschihad gegen die Sunniten und gegen den großen Satan Amerika in den Kampf ziehen sollten. Die mit aufgeplatzten Lungen und Blutbläschen im Staub liegenden Soldaten des Iran, sollten daran erinnern, dass auch Frankreich und Deutschland an der Lieferung von chemischen Kampfstoffen(in Einzelteilen) beteiligt waren. Nach deutschem Recht eigentlich ein klarer Rechtsbruch. Aber professionelle Rechtsverdreher glätteten die Wogen schnell. 

Am Ende des Krieges, der nur durch den Stillstand der Frontlinie und das Eingreifen der UN kam, hatte keine der Parteien seine Ziele durchsetzen können. Nur der Iran hatte zumindest überlebt. Das lässt sich vermutlich als Sieg verbuchen. Aber der mittlere Osten war den USA nun völlig entglitten und mit der Unterstützung Saddam Husseins, hatte man im Pentagon quasi den Höllenhund von der Leine gelassen. Mit amerikanischen Waffen sollte sich Hussein nur ein paar Jahre später auf den Kuwait stürzen. Der autokratisch regierte Kuwait, der Frauen unterdrückte, Menschenrechte missachtete und Terrorismus im Sudan gefördert hatte, war ein Verbündeter der USA. Und so plötzlich wurde aus dem Wächter des Westens wieder ein verbrecherischer Diktator und auf einmal bekam auch die UN-Resolution gegen den Irak die volle Unterstützung der USA.

So flexibel ist man bei der Auslegung von Völkerrecht und Menschenrecht.

Bild: Iranischer Kindersoldat
Quelle: http://www.sajed.ir/pe/  components/com_joomgallery/img_originals/_9/Razmandegan-012.jpg