Spaziergang im Wedding – wo Integration gescheitert ist

Berlin im Winter 2017.

Es war schon eine Weile her gewesen, seit ich das letzte Mal in meiner alten Nachbarschaft im Berliner Wedding zu Besuch war. Als ich in die U-Bahn am Alexanderplatz einstieg und mit der U-8 Linie bis zum Bahnhof Osloer Straße fuhr, an dem das große norwegische Kreuz immer noch schmutzig an der Bahnhofsfassade prangert, erfüllte mich die leicht verbrauchte Luft mit einem Gefühl der Nostalgie. Hier war ich schließlich aufgewachsen und hatte den größten Teil meiner Jugend irgendwo zwischen Osloer Straße, Brunnenstraße und Gesundbrunnen verbracht und dabei immer wieder Abstecher in den Berliner Norden gewagt. Reinickendorf, Tegel und das Märkische Viertel gehören daher auch zum Heimatgefühl dazu.



 

Schon in der U-Bahn saß ich wenig auffällig als schwarzbärtiger junger Mann inmitten von vielen Ethnien. Eine ältere afrikanische, sehr adipöse Dame telefonierte lautstark in der Banthu-Sprache und eine asiatische Studentin, eindeutig chinesisch, saß mit einem Buch von Max Weber halb versunken in ihrem eigenen wolligen Schal: «die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus»

Kopftuchmädchen mit dunklem Teint saßen mir gegenüber auf der Querbank und dürften beide so um die fünfzehn Jahre alt gewesen sein. Als ich ausstieg, schlug mir der üble Geruch von Urin in die Nase, der hier so häufig zu riechen war und ich ging schnell die Rolltreppe hinauf, an dessen oberem Ende in meiner Kindheit oft türkische und arabische Jungs den Rolltreppenfahrern aufgelauert und selbige belästigt hatten.

Heute kam mir nur eine junge deutsche Frau entgegen, die Musik hörte und hastig die Rolltreppe herunter eilte, um noch ihre Bahn zu bekommen. Ich nahm den Weg über den Parkplatz beim Domäne und stellte schnell fest, dass der Domäne jetzt nicht mehr existierte und von einem «Poco-Einrichtungsmarkt» ersetzt wurde.

Aber den indischen Lebensmittelladen im Hinterhof gab es immer noch, wo mir sogleich mehrere Männer in weißer Kluft und schwarzen Bärten entgegenkamen und an mir vorbeizogen ohne dass wir uns einander ansahen. Ihnen folgte auf meinem Weg die Prozession mehrerer Kopftuchdamen mit Kinderwagen, die ihren Einkauf auf dem großen Parkplatz vor dem Supermarkt verstauten und sich lautstark in einer mir arabisch klingenden Landessprache unterhielten. Eine sehr alte deutsche Oma mit einem Krückstock und einem altmodischen Einkaufstrolley lief vor mir her, als ich den Parkplatz in Richtung Drontheimer Straße verließ. Graue Häuserfassaden blickten rechts und links von mir auf mich herab, als ich den drei minütigen Fußweg bis zur Kreuzung ging und vor dem Kiosk zum Stehen kam. Er existierte noch, wenngleich ich den alten anatolischen Inhaber mit der Glatze diesmal nicht sehen konnte. Als ich jünger war konnte ich häufig an den Nachmittagen beobachten, wie ein BMW vor dem Kiosk anhielt. Zwei Männer mit arabischen Aussehen stiegen dann immer aus, traten ein und kamen nach wenigen Sekunden wieder heraus, ohne etwas gekauft zu haben. Kurz darauf fuhren sie auch schon weiter und hielten dann vorne bei einem Schnellrestaurant, wo sie gleich verfuhren. Dass die Clans diese Straßen beherrschten, wusste ich damals schon. Es brauchte nicht die zusätzliche Erinnerung an das gescheiterte Projekt meiner Eltern, die hier mal einen kleinen Kiosk und Lebensmittelhandel in der Straße drüber aufmachen wollten und kläglich scheiterten. Schon nach wenigen Wochen hatten sie Besuch von der falschen Kundschaft erhalten und beendeten das von vornherein zum Scheitern verurteilte Projekt.

Auf derselben Höhe befanden sich gleich mehrere Moscheen, die nicht unweit von einem Kindergarten lagen, auf den ich in meiner Straße immer gute Einsicht hatte. An den Nachmittagen kehrten doch immer wieder arabische und türkische Frauen ein und aus, ohne dass ich jemals auch nur eine einzige Europäerin gesehen hatte. Immer waren es Kopftuchdamen und Verschleierte, die ihre Söhne und manchmal Töchter aus diesem Kindergarten abholten.

Während ich immer noch an der Kreuzung Soldiner Straße stand, hatte mich die alte deutsche Dame endlich eingeholt und kroch mühsam auf ihren dünnen Beinchen an mir vorbei. Es war ihr ein mühseliger Kampf und mir ein ebenso qualvoller Anblick. Ich konnte mir ein Krippenspiel oder einen Laternenumzug in dieser Nachbarschaft einfach nicht vorstellen und hatte derlei auch nie gesehen. In dieser tristen Betonwüste, inmitten mäßig laufender Imbissbuden und Spielunken, mochte man eigentlich nur die Beine in die Hand nehmen und flüchten. Und dennoch rollten mir bei nächster Gelegenheit in der Koloniestraße bereits ein halbes Dutzend Muslime entgegen, die ihrem Aussehen nach Türken waren und mich kritisch beäugten. Da war wieder dieser verächtliche und feindliche Blick, den wir einander schon seit unseren Kindertagen über die Straße hinweg zugeworfen hatten.

Nur der Hundekot auf den Straßen zeugte davon, dass hier noch Europäer lebten. Denn die Muslime mochten keine Hunde, wie ich in meiner Jugend schon mehrfach erfahren durfte. Zu Tode gequälte Hunde der Nachbarn auf dem Spielplatz im Hinterhof oder Steinwürfe auf alte Leute, die mit ihrem Bello ausgingen, gehörten zum Alltag.

Über die Koloniestraße verließ ich meinen alten Wedding wieder und kam im Verlauf noch an dem Oberstufenzentrum vorbei, welches auch von einem ehemaligen Schulkamerad besucht wurde. Auch er war Türke und auch heute ist es so, dass zur Mittagszeit fast ausschließlich arabische, afrikanische und anatolische Jugendliche im Pausenhof und vor dem Zaun stehen. Hinter mir hingen kleine türkische Flaggen an den Fenstern und irgendwo in dieser Straße wohnte einmal eine gute Freundin der Familie namens Nadja, die jedoch nach ihrem Studium schnell von hier wegzog, sich von einem Afrikaner schwängern ließ und dann die nächsten Jahre ihr Baby alleine großziehen musste, ehe sie einen leicht dicklichen aber lieben Deutschen fand, der sie heiraten wollte.

Der Spielplatz zwischen Koloniestraße und Drontheimer Straße, eingepfercht inmitten von Plattenbauten, war immer noch hässlich, halb demontiert und zugemüllt. Es hatte sich nichts geändert und ich erinnere mich noch gut daran, wie hier früher ein beliebter Umschlagplatz für Drogen in der Nachbarschaft war. Ob dies immer noch aktuell war, konnte ich am Tag meines Besuches nicht feststellen. Damals klebten benutzte Spritzen im Sand und die Polizei war oft zugegen.



Apropos Polizei:

Ich erinnere mich noch an meine erste echte Beziehung mit der Tochter zweier Polizisten, die ihr ganzes Leben im Wedding Dienst geleistet hatten. Das Paar hatte sich im Dienst kennengelernt und von den ausgehenden 80er Jahren die Verrottung des Weddings, des roten Arbeiterbezirkes, voll und ganz miterlebt. Mittlerweile sind sie natürlich mit ihrem Ersparten von dort weggezogen und haben sich am Stadtrand niedergelassen, wie das jeder tut, der ein wenig Verstand und Geld hat. Wer aber hier seinen Dienst als Polizist leisten muss, verliert schnell den Glauben an die Heilsversprechungen eines wie auch immer gearteten Multikulturalismus, wenn 90% der Straftaten auf das Konto von jungen muslimischen Männern gehen. Ihre Mutter habe ich sogar mal kurz in ihrer Polizeistation an der Pankstraße besucht.

Da, wenige Meter hinter dem Media Markt sitzen die Polizisten in renovierungsbedürftigen Gemäuern und warten auf den Tag X, an dem ein Pulk wütender junger Männer ihre Polizeistation endlich niederbrennt. Fiel mehr als ein Husten und Pusten hätte nicht gefehlt, um die Fassade dieser Station zu fällen.

Ich bog zum Ende rechts ab und kam an den DRK Kliniken vorbei, wo die alten Deutschen zum Sterben hingebracht werden. So zumindest scheint es einem, wenn man die traurigen Gesichter im Vorhof sieht die auf ihren Krücken und Rollstühlen nach draußen schauen, als wartet da außerhalb eine bessere und vertrautere Welt aus ihrer Kindheit.

Vor dem Bürgeramt Wedding, kurz vor dem Bahnhof Osloer Straße, lag ein Obdachloser in einem Schlafsack eingerollt und ich seufzte schwer. Niemand, wirklich Niemand kann sich ernsthaft wünschen in so einer Gegend aufzuwachsen und zu sterben. Ich hockte mich neben den Obdachlosen und warf einen Euro in seinen Bettelbecher. «Danke, schönen Tag», sagte der Mann, der bei vollem Bewusstsein war und mit rot unterlaufenen Augen zu mir aufschaute.

Sieh an – ein Deutscher.

Mit einem Nicken verabschiedete ich mich von dem Mann und verließ den Wedding auf dem gleichen Weg, auf dem ich gekommen war.

In der U-Bahn drücken sich mittlerweile die ersten Arbeitstiere der Republik, die schon frühzeitig nach Hause entlassen wurden und etliche Schüler und Studenten quetschen sich in die viel zu kleine alte Bahn. In der Anonymität und Tristesse der Großstadt fällt Niemand Niemandem auf und so lasse ich mich zurück zum Alexanderplatz fahren, wo sich der Menschenerguss aus 140 Nationen im Aufgang über mich entlädt.

Foto: Magnus Manske


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

2 thoughts on “Spaziergang im Wedding – wo Integration gescheitert ist

  1. biete euch als älterer Patriot mal einen Beitrag an, der die Situation, in der wir Deutsche leben, historisch-völkerrechtlich beschreibt, damit ihr erstmal ermessen könnt, wie es um uns steht, und warum wir eigentlich auf keine Besserung hoffen können.
    Titel: Wie ein alter Deutscher die Situation sieht, eine Beschreibung

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