Darf man noch ‚Sir‘ sagen? – Britische Armee überlegt, das „Sir“ als Anrede abzuschaffen

Die Britische Armee soll die Tradition, dass sich Soldaten mit »Sir« am Telefon grüßen, abschaffen.  Ein solches Verhalten könnte Soldaten kränken, da man am Telefon ja nicht wisse, ob das Gegenüber männlich oder weiblich sei.

Statt »Was kann ich für Sie tun, Sir?« sollten Soldaten sich nun mit Rang und Namen, gefolgt von der Frage wie sie helfen könnten vorstellen, schlägt Colonel Steve Davies, stellvertretender Leiter der Einstellungsbehörde des Heeres, vor. Des Weiteren sollten Soldaten darauf achten, geschlechtsneutrale Begriffe statt solcher wie »mankind« oder »manpower« zu verwenden.

Der Vorstoß kommt vielen ungelegen, da die Armee seit einiger Zeit beschuldigt wird, sich vorrauseilend der »political correctness« zu unterwerfen. So konnte im letzten Monat nur durch Eingriff des Verteidigungsministers verhindert werden, dass der Werbeslogan »Be the Best« abgeschafft wird – einige warfen der Armee vor, dieser sei zu elitär und könne daher potentielle Rekruten abschrecken.



Der Vorgang wurde von einem anonymen Soldaten angestoßen, der einen Brief an das »soldier magazine« (Anm.d.R: Wie die Y in DE) schrieb in dem er fragte, ob er noch »Sir« sagen solle, wenn er ans Telefon ginge. Im Brief steht unter anderem:

»Nachdem der Verteidigungsminister sich bereits seit einiger Zeit mit Themen wie Inklusion, Diversity und Gender beschäftigt, möchte ich den Fokus darauf legen, wie wir uns gegenseitig grüßen. Zum Beißpiel muss ich, wenn das Telefon klingelt, mich mit meinem Namen, dem Namen meiner Abteilung gefolgt von den Worten »wie kann ich Ihnen helfen, Sir?«, melden. Wahrscheinlich Grüßen wir mit »Sir«, weil Oberstabsfeldwebel und Offiziere einst alle männlich waren, weil nur Männer in der Amee dienen durften. Des Weiteren muss ich, wenn ich in der Kaserne einem Offizier begegne, ihm mit »Sir« oder »Ma’am« grüßen. Doch riskiere ich hier nicht denjenigen zu verletzen, da ich sein Geschlecht vorraussetze oder gar impliziere dass er sich einem Geschlecht zugeordnet fühlt? Ist es nicht an der Zeit,  dass die Armee diese viktorianischen Grüße hinter sich lässt? Ich glaube, dass wir ein System brauchen welches aktueller ist und uns weniger in Verlegenheit bringt oder gar andere verletzt.«

Colonel Davies reagierte auf den Brief, indem er zugab, dass der Gruß am Telefon in der Tat als »überholt und wohl unnötig« anzusehen sei. Ebenso sagte er: »Die Benutzung geschlechtsspezifischer Begriffe beim Gruß in der Kaserne geht auf die Konventionen, welche wir auch in der Monarchie, dem Parlament, der Gerichtsbarkeit und vielen weiteren Bereichen der britischen Gesellschaft nutzen, zurück.«

»Ich würde daher nicht sagen, dass der Kasernengruß in irgendeiner Form überholt oder abweichend der gesellschaftlichen Meinung ist. Mit »Sir« oder »ma’am« zu Grüßen ist sowohl angemessen als auch höflich. Nichtsdestoweniger stimme ich zu, die Konvention am Telefon, unabhängig des Geschlechts des Anderen, mit »Sir« zu grüßen, als überholt und wohl auch unnötig anzusehen.«

Der Gesprächsöffner, zunächst den eigenen Namen und die Abteilung zu nennen, gefolgt von »wie kann ich Ihnen helfen« ist sowohl respektvoll als auch für alle Anrufer anwendbar und sollte daher übernommen werden«

Na toll: In einem gesellschaftlichen Bereich, der darauf ausgelegt ist, andere zu verletzen oder gar zu töten laufen Pappkameraden herum, deren einzige Sorge offenbar ist, keinen Anderen durch die eigenen Sprachregelungen zu verletzen oder in Verlegenheit zu bringen. Mir ist egal wer sich wie oder als was fühlt oder sexuell und sonstwie orientiert. Aber die Idee, niemanden durch Sprache (!) verletzen zu wollen, pisst mich an. Sie zeigt eine infantile Geisteshaltung welche nicht erwachsen genug ist, zwischenmenschliche Probleme der Anrede oder anderer Art persönlich (!) zwischen den Betroffenen zu klären. Daher greifen diese Kinder auf Sprachregelungen zurück, um vorrauseilend ja niemandem Weh zu tun. Schließlich wurde bisher kein Fall bekannt, in dem jemand mit »Sir« angesprochen wurde und daraufhin wegen der erlittenen »Verletzung« dienstunfähig geschrieben wurde. Nicht nur ist das Verhalten infantil, sondern vor allem in der Armee auch gefährlich.

Wie sollen Soldaten in der Lage sein Kampf, Krieg, Tod und Verwundung zu begegnen, wenn der Gruß des eventuell Vorgesetzen mit »Sir« bereits zu schweren Traumata führt?

Großbritanniens Gesellschaft hat fertig – Brexit hin oder her.

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Libertär-konservativ – schreibt hier vor allem über internationale Politik.
Schuftet nebenbei in den Goldminen als Aushilfsarbeiter.

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