Philosophie der Spielwelten: Dragon Age – Templer und Magier

„I removed the chance of compromise. Because there is no compromise!“ – Anders

Hier auf Young German befassen wir uns gerne auch mit Computerspielen und Filmen, da sie oft die Realität und ihre Vielschichtigkeit auf sehr interessante und ungewöhnliche Weisen reflektieren können. Eines dieser Spiele  ist Dragon Age. Genauer gesagt Dragon Age II.



Dragon II ist meiner Meinung nach ein Spiel, dessen interne Geschichte, also die «Story», sehr viel mit Extremismus zu tun hat. Sowohl politischem Extremismus, als auch persönlichen Extreme des eigenen Charakters. Mit Wahnsinn, Machthunger und Rechtschaffenheit. Aber vor allem mit Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Die Herangehensweise der Spielerzähler an den Extremismus ist sehr subtil und bemüht sich, den Prozess als solchen erkennbar zu machen. Politik und bestimmte Ereignisse passieren nicht einfach so. Sie entspringen nicht dem Zufall alleine, sondern sind Produkte sehr vieler Umstände und Entscheidungen. Viele Kleinigkeiten und scheinbar belangslose Zufälligkeiten kommen zusammen und münden in weltbewegenden Katastrophen oder Rettungen. Genauso verhält es sich mit dem Charakter bzw. der Natur eines Menschen. Dieser ist zumindest die Summe seiner Entscheidungen.

Wer die Hintergrundgeschichte von Dragon II nicht kennt, dem sei hier kurz von mir ein kleiner Einstieg gewährt, damit die Diskussion anhand dieses Computerspiels begreifbarer wird.

In Dragon Age gibt es Magie. Die ist  zwar mächtig, aber auch gefährlich und korrumpierend. Sie sorgt bei den Magiern, welche sie anwenden, häufig für Wahnsinn und dämonische Umtriebe, die für die Allgemeinheit gefährlich werden. Nur sehr wenige Menschen sind magisch begabt und jene die es sind werden von der «Kirche» und ihren Templern bewacht. Sie werden in magischen Türmen eingesperrt und leben quasi in einem Überwachungsstaat, einem goldenen Käfig, aus dem es selbst mit ihren Kräften eigentlich kaum eine Chance auf Entrinnen gibt. Innerhalb dieser bewachten Türme ist ihnen jedoch das Zaubern gestattet und man toleriert sie als besänftige Raubtiere. Die wachsamen Templer fungieren hierbei als Wächter, welche stets ein misstrauisches Auge auf die Magier richten, von denen sie erwarten, dass sie jeden Moment in eine dämonische Bessenheit verfallen könnten. Sie fürchten, dass einige Magier sich der sehr mächtigen und dämonischen Blutmagie zuwenden könnten, wenn man sie nicht ständig bewacht. Die Geschichte ist voll mit besessenen Magiern und gibt ihnen eigentlich Recht. Im Verlauf von Dragon Age begegnet man immer wieder wahnsinnigen Blutmagiern, die völlig enthemmt mit Blutmagie um sich werfen und unschuldige Leute aus Machthunger oder Sadismus heraus töten oder foltern. Andererseits gibt es wieder solche Magier, die an die Regeln des Zirkels halten und versuchen ihr Leben so gut wie möglich zu leben. Macht korrumpiert: sowohl die Templer als auch die Magier.

Der sich hier offenbahrende Konflikt in Dragon Age II ist der Wunsch der Magier nach mehr Freiheit. Die Templer hingegen fürchten, dass zu viel Freiheit die dämonische Gefahr hochbeschwören könnte. Magische Macht ohne Kontrolle und frei herum laufende Magier sind für die Templer ein Sicherheitsrisiko. Sie versuchen die Magier unter Verschluss zu halten und die Rechte und die Sicherheit der Allgemeinheit überwiegen für sie die Bedürfnisse des Einzelnen (also der wenigen Magier). Gefangen zwischen diesen zwei Parteien, die keinen lebenswerten Kompromiss miteinander finden können, muss man sich entscheiden.  Mit ihrem Streben nach Sicherheit könnte man die Templer als Vertreter von Thomas Hobbes sehen, die lieber eine schlechte Ordnung erdulden, solange sie denn eine Ordnung ist.

Derweil wünschen die Magier mehr nach John Locke die Möglichkeit zur freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Dies sei hier in diesem Zusammenhang aber nur einen Gedankenansatz, der keinesfalls final ist. Wichtiger scheint mir, dass Dragon II die eine oder andere mögliche Wahl, die man als Spieler treffen kann, nicht mustergültig als richtig oder falsch bezeichnet. Ohne zu spoilern ist es am Ende der Geschichte so, dass beide Endsequenzen, egal ob man Templer oder Magier unterstützt hat, neue Ungerechtigkeiten fabrizieren und gleichzeitig andere Ungerechtigkeiten tilgen. Manche Probleme werden auch gar nicht behoben und bleiben auf beiden Wegen unausweichlich. Konflikt ist unausweichlich. Manchmal gibt es womöglich keine Zwischenlösung, manchmal kann man einen faulen Kompromiss nicht ertragen, weil er nur die Verzögerung eines unvermeidlichen Kampfes wäre.

Der Magier und Rebell Anders bringt zu diesem Thema seine eigene, aus Sicht mancher extreme Position hervor, die jedoch aus Verzweiflung geboren wurde.  Anders glaubt, dass das Leben im Goldenen Käfig kein Leben sei und nicht von dem Gutdünken der Templer jeden Tag abhängen sollte.  Lieber will er die ultimative Freiheit und ist bereit dafür alles zu geben und zu tun. Er meint, dass der beständige Aufschub, den man sich durch dienern und betteln erkauft, nur das unvermeidliche Ende der Magier verzögert, aber nicht aufhalten kann. Lieber schnell sterben und zumindest versuchen die eigene Position zu 100% durchzusetzen, als langsam dahinsiechen in der Hoffnung durch Diplomatie einen unlebenswerten Zustand am Leben zu erhalten.

Wer das Spiel kennt und sich nicht erinnert, kann sich hier die Szene nochmals ansehen. Alle anderen sei geraten das Spiel nach dem Durchsuchten von Dragon Age Origins auf jeden Fall auch auszuprobieren!

 

SPOILER:



 

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

2 thoughts on “Philosophie der Spielwelten: Dragon Age – Templer und Magier

  1. Gutes Spiel, sehr underrated.

    Gab schon einige knifflige Entscheidungen, auch im Finale. Kein Ende ist ideal, aber ich war doch eher auf der Seite der Templer. Es gibt einfach zuviele willensschwache und böse Magier, um sie frei herumlaufen zu lassen. Definitiv das kleinere Übel.

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