Knightfall: Von Templern, Idealismus, Glauben, Intrigen und Antisemitismus

Zu aller erst: Dieser Artikel enthält keine Spoiler! Er kann also getrost gelesen werden, bevor man sich mit der Serie auseinandersetzt, ohne befürchten zu müssen, dass spannende Entwicklungen verraten werden würden.

Der History Channel ist vor allem für seine Serie «Vikings» bekannt, die sich Mühe gibt ein zwar fantastisches, aber doch glaubwürdiges Bild des Wikingertums zu bieten. Dort schmückt sich die Serie mit so mancher Übertreibung und fiktiven Freiheiten, um den Unterhaltungswert der Serie zu steigern, hinterlässt aber trotzdem den Eindruck ein faires Bild der Gesellschaft zu dieser Zeit zu zeichnen, ohne dabei groß wertend oder moralisierend zu wirken. Es werden Menschen dargestellt, Menschen, bei denen jeder von sich glaubt das Richtige zu tun, und wo eine klare Einordnung in «Gut» oder «Böse» schwer fällt.

Dennoch hatte ich etwas Sorge, dass eine Geschichte zu den Kreuzzügen und den Templer-Orden moralisierender ausfallen könnte, denn immerhin ist auch der Historychannel bemüht, in der Popkultur gut anzukommen – wo gemeinhin ein eher schlechtes Bild des Christentums herrscht, und besonders viel Fehlinformation und Trugschlüsse bezüglich der Kreuzzüge kursieren. Es ist immerhin ein sehr kontroverses Thema.

Aber was für eine positive Überraschung die erste Folge von Knightfall doch war!
Auf Vorurteile und Stigmas wurde gänzlich verzichtet, stattdessen eine wirklich unterhaltsame Geschichte geschaffen.

„Wir kämpfen für mehr als nur diese Stadt, für mehr als nur die Männer und Frauen, die sterben, wenn diese Stadt fällt… Heute, kämpfen wir für den Gral!“

Die Folge beginnt mit brachialer, eindrucksvoller Bildgewalt. Es tobt eine verzweifelte Schlacht, in der wir unsere Protagonisten zum ersten Mal etwas kennenlernen. Mauern stürzen ein, Belagerungsgerät zertrümmert Felsen und Körper, Schwerter schlagen, Schlachtrösser reiten Feinde nieder.

„Nicht nur Christen… Juden, Sarazenen, alle Gläubigen. Sagt dem Sultan, zumindest jenen, wenn schon nicht uns, muss freies Geleit gewährt werden…“

Wir begegnen gläubigen Kriegern, die trotz ihrer Mission, ihres göttlichen Auftrages (oder gerade deswegen!), nicht auf die Menschen vergessen. Eine klischeehafte Darstellung des fanatischen Mörders sucht man hier vergebens – Glücklicherweise!

Das nächste Kapitel führt uns 15 Jahre nach der Schlacht ins mittelalterliche Paris, wo ein junger König versucht von seinem Volk geliebt zu werden, sein Berater versucht die königlichen Kassen aufzustocken, und das Judentum unter Hass und Vorurteilen zu leiden hat. Meine Geschichtskenntnisse zu Paris in dieser Zeit sind gelinde gesagt vage, doch mutet das Dargestellte realistisch und glaubwürdig an und wird mit genialen Bildern untermalt, die eine herrlich passende Atmosphäre schaffen.

„Jeder Mönch kann die Armen speisen… wir sind doch Templer, wir sind Krieger! Unser Auftrag ist, für das heilige Land zu kämpfen!“

Der Orden der Templer hat sich in Paris zurückgezogen, wo noch immer so mancher Templer dem Ruhm des Kampfes für das heilige Land nachsehnt, und so mancher nicht verstehen kann, wieso sie sich als Glaubenskrieger nur noch dem Glauben, nicht aber dem Krieg widmen, wo das heilige Land doch verloren ist, und der Orden für den Schutz der Pilger einstehen sollte.

„Die Templer lieben den Schmerz, sie glauben, er bringe sie näher zu Gott!“

Unser Protagonist entpuppt sich als sympathischer Idealist mit persönlichen Schattenseiten, der sich in kommenden Folgen gewiss zu einer sehr interessanten Figur entwickeln wird. Die Serie schafft es, die Charaktere aus ihrer jeweils eigenen Sichtweise heraus verständlich und nachvollziehbar wirken zu lassen, was erfolgreich das Klischee von gut und böse tilgt. Jeder hat seine Motive und Gründe.

„Was? Ich habe gesehen wie du sie ansiehst. Gelübde des Zölibats, du erinnerst dich daran?“
„Sehen ist nicht anfassen.“
„Aber es ist der erste Schritt, vertrau mir.“

Wie man aus der Vorschau zur Serie vielleicht weiß, dreht sich die Serie um die Suche nach dem verlorenen heiligen Gral. In vielen Geschichten und Mythen wird der Gral mehr als Metapher verstanden, denn als tatsächliches Artefakt, in Knightfall ist der Gral allerdings in der Tat… ein Gral. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies eine bewusste Irreführung des Zuschauers ist, und sich der Gral im Laufe der Geschichte doch als eine Metapher für weit größeres entpuppen könnte.

Diese Rezension würde weit länger ausfallen, könnte ich mehr auf das Geschehen eingehen, aber das sollte lieber jeder für sich an einem gemütlichen Abend vor dem Fernseher genießen, und es nicht in Textform lesen.

Eines ist sicher: Knightfall steht in der Qualität dem allseits beliebten «Vikings» in nichts nach, und bringt einen ähnlichen Mix aus Action, Mythen, Geschichte, Spannung und tollen Charakteren mit sich.
Ich bin enorm gespannt, wo uns diese Reise im Gefolge des Templerordens noch hinführt!

 

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Ein Denker, Logiker und Philosoph mitte 20, der schon immer widrigen Umständen getrotzt hat. Wo er bei Zeiten zu ernst und verbissen wirken mag hat er auch seine lockeren Seiten, zockt gerne und sucht den Ausgleich zum Alltag trotz einer Behinderung im Kraftsport.

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