Die USA und das Öl: Petrodollar und Weltleitwährung

Im Januar 2017 wollte US-Präsident Donald Trump per Erlass die Einreise von Bürgern des Irak, Iran, Syrien, Sudan, Somalia, Libyen und Jemen verhindern. Das sieht auf den ersten Blick nach einem Schlag gegen den islamistischen Terrorismus aus, auf den zweiten Blick ist aber nicht zu übersehen, dass die Terroristen, die u.a. am 11. September 2001 Anschläge verübt haben, aus anderen Ländern kamen, allen voran Saudi-Arabien. Warum fassen die USA das Hauptland des sunnitischen Extremismus mit Samthandschuhen an und exportieren auch noch kräftig Waffen dorthin? Was ist das für eine unheilige Allianz der USA mit Saudi-Arabien?

Der Petrodollar

Diese Frage führt uns zum Thema Petrodollar und Weltleitwährung. Bis 1971 galt das Bretton-Woods-Abkommen, nach dem der US-Dollar durch Goldreserven der Federal Reserve wertgedeckt war. Durch den Vietnamkrieg stieg die Geldmenge aber so stark an, dass die Goldunterlegung nicht mehr gewährleistet war. Als Frankreich für seine Dollars Gold sehen wollte, wurde der Goldstandard kurzerhand von US-Präsident Richard Nixon aufgekündigt. Dass das keinen Weltkrieg aller betrogenen Länder gegen die USA vom Zaun brach, zeigt die Macht des international vernetzten Geldsystems bzw. die Ohnmacht jener, die nicht dazu gehören. Nach dem Ende des Goldstandards musste in den frühen 70er Jahren eine neue Grundlage für den US-Dollar her: der Petrodollar. Dies bedeutet, dass Erdöl weltweit in erster Linie in US-Dollar gehandelt wird. Die USA bezahlen Öl-Importe aus Ölstaaten, allen voran Saudi-Arabien, mit Dollar, und Saudi-Arabien und andere Länder kaufen von einem guten Teil des Geldes US-Staatsanleihen und machen sonstige Investitionen in den USA. Dadurch wird die US-Regierung finanziert, die Wirtschaft angekurbelt und das Zinsniveau niedrig gehalten. In reichen Golfstaaten kann man sich einen hohen Lebensstandard und alle möglichen Luxusgüter aus den USA leisten. Ohne gute Ölgeschäfte gäbe es dort nichts außer Sand und Sonne. So haben die USA und Saudi-Arabien, bei aller oberflächlichen Verschiedenheit, ein Interesse daran, einander zu stützen. Hauptsache billiges Öl, da nimmt man es mit Förderung des islamistischem Terrors, Wahhabismus und Menschenrechtsverletzungen nicht so genau.



Es spielen aber nicht alle Erdöl exportierenden Länder dieses Spiel mit. Russland und China handeln untereinander Erdöl in Renminbi. Außerdem macht sich China von seinen Dollarreserven unabhängiger und unterlegt seine Währung zunehmend mit Gold. Schwächeren Machthabern wie Saddam Hussein und Gaddhafi, die statt des Dollar den Euro bzw. afrikanischen Golddinar für Öl nehmen wollten, ist die Abkehr vom Petrodollar jedoch nicht bekommen. Es geht den US-Strategen darum, die US-saudisch-israelische Vorherrschaft im Mittleren Osten zu erhalten. Dabei ist ihnen auch der Iran ein Dorn im Auge. An der iranischen Ölbörse wird Erdöl in der Landeswährung Rial und in Euro gehandelt.

Weltleitwährung = Weltleidwährung

Warum stört es die USA, wenn andere Länder für ihre internationalen Geschäfte andere Währungen verwenden? Die USA profitieren davon, dass der Dollar in anderen Ländern verwendet wird, durch den Gewinn der Zentralbank durch Schöpfung neuen Geldes (Seigniorage) und durch die Unabhängigkeit von Schwankungen anderer Währungen. Außerdem gilt normalerweise das Prinzip: Wer mehr importiert als er exportiert, braucht Devisen, also fremde Währungen. Das gilt jedoch nicht für die USA, da der Dollar die Weltleitwährung ist. So werden immer mehr Dollar erzeugt und die Dollarreserven der anderen Länder wie v.a. China wachsen in den Himmel. Schwierig dürfte es werden, wenn diese Länder mit diesem Geld in den Vereinigten Staaten einkaufen wollen, um ihre Dollar in etwas Nutzbares umzutauschen. Aufgrund der schwachen Produktivität, der Deindustrialisierung weiter Landstriche und der maroden Infrastruktur der USA ist der tatsächliche Gegenwert viel geringer als er gehandelt wird. Obwohl der US-Dollar völlig überbewertet ist, gehen die Preise in US-Dollar nicht durch die Decke, weil der Rest der Welt darauf angewiesen ist, dass der Dollar seine Kaufkraft behält. Dadurch lässt sich auch erklären, wie sich die USA einen weit größeren Militärapparat leisten können als andere Länder, einschließlich Russland. Vor diesem Hintergrund mutet Trumps Forderung, die NATO-Staaten sollten ihre Militärausgaben erhöhen, grotesk an.

Die USA sitzen wie die Spinne im Netz des weltweiten Geldsystems und sorgen mit ihrer militärischen Stärke dafür, dass das so bleibt. Wie das Alte Rom betreiben sie eine imperiale Wirtschaft, indem sie Produkte importieren, während die eigene Bevölkerung unter hoher Arbeitslosigkeit leidet. So ist kein Wunder, dass die Industriestandorte in den USA unter Verlagerung in Billiglohnländer leiden. Dem Alten Rom ist dieses Prinzip auf Dauer nicht bekommen.

Dadurch, dass der US-Dollar Weltleitwährung ist, sind sind andere Länder darauf angewiesen, für ihre Importe größere Dollarmengen zu halten. Sie bekommen diese, indem sie Güter in die USA verkaufen. Von diesen Devisen bezahlen sie auch die Zinsen auf ihre Schulden bei der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds. Dafür geben viele Drittwelt-Länder ihre Ressourcen her, während die Bevölkerung leer ausgeht und die korrupten Eliten feiern. Da kann man schon verstehen, wenn von modernem Kolonialismus die Rede ist.
Der US-Dollar ist nicht die erste Weltleitwährung und er wird nicht die letzte gewesen sein. Wie er selbst das britische Pfund abgelöst hat, könnte er bald vom Euro oder dem chinesischen Renminbi ersetzt werden. Das hängt u.a. von der Stabilität in der Eurozone ab. Es liegt nahe, dass es ein Interesse der USA gibt, eine solche Ablösung zu verhindern, und – bei aller Unterminierung der nationalstaatlichen Integrität anderer Ländern durch wirtschaftliche, politische und militärische Einmischung – auf eine zwar vereinte, aber nicht allzu starke EU hinzuwirken.

Feindbild Islamismus als Ablenkungsmanöver

Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Feindbild Islamismus und dem US-Dollar als Weltleitwährung. Viele Konservative und Rechte gehen den USA auf den Leim, die den Islamismus als die große Weltbedrohung darstellen wollen, um nicht enden wollende Kriege führen zu können und immer weitere Länder ins Chaos zu stürzen, was wiederum ein perfekter Nährboden für den Islamismus ist. Diese Kriege lassen erstens die westliche Welt an die USA als den unverzichtbaren Heilsbringer glauben. Zweitens spülen sie Geld in die Kassen der Rüstungsindustrie und alle Kapitalsammelbecken, die damit zusammenhängen. Drittens zwingen die USA damit den Rest der Welt, den Status des Dollar als Weltleitwährung nicht in Frage zu stellen. Ansonsten würde das Dollar-System zusammenstürzen und die USA in einem gewaltigen Schuldenloch versinken. Ihre Wirtschaft ist nämlich darauf angewiesen, im Grunde wertloses Geld der Federal Reserve in alle Welt zu pumpen und dafür Waren zu importieren. Damit dieses faule Spiel weitergehen kann, sollen wir an den Islamismus als das große Problem der Gegenwart glauben. Natürlich müssen wir entschieden gegen den Islamismus vorgehen, jedenfalls in unseren eigenen Ländern. So wenig aber, wie damals «die Juden» die Weltherrschaft mit einer Art kollektiver Intelligenz erobern wollten, wollen es heute «die Muslime». Tatsächlich wollen es die Mächtigen hinter dem Großkapital der Welt, das nun mal in den USA konzentriert ist. Es kommt dabei nicht darauf an, ob sie Amerikaner sind oder welche Nationalität auch immer sie haben. Über das Denken in Nationalitäten fühlen sie sich erhaben. Sie glauben nur an Geld und Macht. Diese Menschen sind die Feinde einer freien Welt. Der Filmklassiker Network drückt es so aus. (Eine vereinfachte, aber durchaus interessante Präsentation)

Was kann der Einzelne gegen dieses übermächtig erscheinende System von Geld, Öl und Blut tun? Wir können nicht Erdöl in anderen Währungen kaufen. Aber wir können uns und andere informieren, selbst denken und mit Veränderungen rechnen, die jene nicht vorhersehen, die nur fernsehen und etablierte Zeitungen lesen. Noch eine wichtige Leseempfehlung, die zu erteilen ich nie müde werde:

John Perkins: Bekenntnisse eines Economic Hit Man.


 

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Reisig erblickte in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte er eine Naturwissenschaft. Währenddessen engagierte er sich vorübergehend in der politischen Linken. Dabei galten ihm stets das Wohl des deutschen Volkes und die Begegnung der Völker auf Augenhöhe als höchstes Ziel. Später nahm er vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand. Er hat nach seiner Promotion ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland. Er schreibt auf Reisigs Blog, die Jungdeutschen und Young German.

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