Am Golf von Arabien knistert die Luft – Implosion des Nahen Ostens zieht Europa mit ins Chaos hinein

 

Im Südwesten von Saudi-Arabien, dem Land der Saud-Familie, stehen gigantische Wolkenkratzer an künstlich gestalteten Stränden, unter importierten Palmen, und von deutschen und britischen Ingeneuren konstruierten Stadtlandschaften. Das Land ist mächtig, weil es Öl besitzt und sich mit dem Schwarzen Gold Einfluss, Geld und Verbündete kaufen kann. In Deutschland und Großbritannien schreiben sich einsame mittelreife Frauen die Finger wund und lesen in feuchtfröhlichen Romanen über die Ölprinzen, die auf dem arabischen Rassepferd dahergeritten kommen und sie aus ihrem langweiligen Alltag befreien, um sie dann in ein sexuelles Abenteuer zu entführen. Erst kürzlich produzierte das deutsche Fernsehen wieder so einen schnulzigen Schinken, in dem im Grunde alle rassistischen Klischees im positiven Sinne bedient wurden. Leider fällt mir der Name der drittklassigen Produktion nicht mehr ein.



Saudi-Arabien ist, obwohl es vielleicht das einflussreichste sunnitisch-islamische Land der Welt ist, nur sehr selten ein Thema in den öffentlich-rechtlichen Medien. Es ist der Bundesregierung vielleicht unangenehm, dass man zum wahabitschen Gottesstaat, der jährliche viele Hundert Menschen wegen Banalitäten mit Schwertern enthauptet oder hängt, sehr gute Beziehungen unterhält. Auch der Krieg im Jemen ist, und das verwundert mich ebenfalls nicht, kein großes Thema in unseren Hauptstrom-Medien. Dass saudische Luftangriffe wöchentlich Hunderte Menschen töten und man uns dabei erzählt, dass dort ein Stellvertreterkrieg gegen den Iran geführt wird, sollte amüsieren, wenn es nicht so traurig wäre. US-Amerikanische Drohnen schmettern ihre Raketen ununterbrochen in die vom Geheimdienst ausgewählten Ziele. Auch ein Trump hat an der Drohnenpolitik von Obama nicht viel geändert. Die unheilige Allianz mit dem ideologischen Vater des IS, nämlich dem islamischen Staat Saudi-Arabien, bleibt auch unter Trump bestehen.  Saudi-Arabien wurde vom Westen ein unglaubliches Waffenarsenal zur Verfügung gestellt, welches es selbst nur mit ausländischer Hilfe verwalten und warten kann. Die Saudis sind ein unterentwickelter Wüstenstaat mit schlecht gebildeter Bevölkerung, die durch unglaubliche Sozialgeschenke ruhig gehalten wird. Die Sauds haben verstanden, dass sie ihre Macht im Lande nur durch permanente Beglückung der übergewichtigen eigenen Bevölkerung gewährleisten können. Mcdonalds, Kamelreiten und Goldschmuck kaufen: in den am Meer liegenden Metropolen türmen sich von ausländischen Stararchitekten erdachte Bauten, welche auch in 100 Jahren nicht von der saudischen Urbevölkerung errichtet werden könnten. Ich kenne einen Mann, der bei einer deutschen Firma für Sanitäre Anlagen arbeitet. Also Bäder und Toiletten. Die Firma lässt sich fürstlich dafür bezahlen, dass sie ihre Facharbeiter für einige Wochen in die Vereinigten Arabischen Emirate schickt, um dort Wartungsarbeiten bei arabischen Kunden zu machen. Nun sind die Vereinigten Arabischen Emirate nicht Saudi-Arabien. Aber ich denke, was ich sagen will, ist klar. Das technische Wissen ist geliehen, die zivilisatorischen Güter sind nur eingekauft, nicht erarbeitet. Die Exporte der arabischen Nationen am Golf sind Öl, Gas und ideologischer Brennstoff für den weltweilten Dschihad gegen die Ungläubigen. Saudi-Arabien ist neben Nordkorea wahrscheinlich einer der totalitärsten Staaten auf der ganzen Welt. Aber von Sigmar Gabriel bis Margeret Thatcher freut sich alle Welt, wenn man dort unten am Golf von Arabien zu Besuch sein darf, um den Scheichs die Hand zu schütteln. Westliche Finanzspritzen finanzieren den globalen heiligen Krieg, der sich vor allem gegen den Westen selbst richtet. Das ist zwar Paradox, aber bedauerlicherweise der Zustand, mit dem wir leben müssen. Dass die arabischen Staaten in dieser Region zu den größten Geldgebern für islamistische Milizen gehören, ist absolut kein Geheimnis und sollte eigentlich von London bis New York für eine knallharte Ablehnung dieser Regierungen sorgen. Tut es aber nicht. Zudem gibt es noch China, welches ebenfalls keine Berührungsängste mit den Machthabern dieser Region hat und seinen ewigen Energiehunger dort stillen möchte.

Yemen, was ist das?

Die Schweizer Presse berichtet viel über den Krieg im Jemen. Auch in Deutschland gibt es den einen oder anderen Report über die aktuelle Lage. Aber so wirklich präsent ist die Situation dort unten kaum jemanden. Jamaika-Koalitionsgespräche sind den Deutschen näher, als die Hungersnot im Jemen und die dilletantischen Offensiven der völlig inkompetenten saudischen Armee, die nur durch ihre überlegene Technologie und amerikanische Hilfe noch nicht völlig blamiert wurde.  Die jemenitischen Flüchtlinge sind tatsächlich auch so arm dran, dass sie sich eine Überfahrt und Flucht nach Europa meist gar nicht leisten können, oder von der Außenwelt abgeschnitten sind, während die syrischen Söhne mittelständischer Familien keine Probleme haben, ihre Testosteronbomben nach Europa zu schicken.  Die Hauptstadt Sanaa gleicht einem Trümmerfeld, während Predator-Drohnen Angriffe auf schiitische Rebellen fliegen. Warum überhaupt? Ohne es zu testen, würde ich behaupten, dass diese Frage im Bundestag, egal bei welcher Partei und bei welchem Abgeordneten, kaum sinnvoll beantwortet werden könnte. Der Nahe Osten ist, das sage ich nicht zum ersten Mal, ein absoluter Clusterfuck. Warum unterstützten USA (mit allem was man so hat), Frankreich(Material)Großbritannien(Berater, Geheimdienstinformationen und Waffen) die Saudis im Jemen?

Die Türkei und Somalia mischen übrigens auch mit. Bekannte Leitfiguren für Menschenrechte und Demokratie auf der ganzen Welt.  Britische Rüstungsfirmen haben übrigens einen bombastischen Profit gemacht, seit der Krieg im Jemen begonnen hat. Wussten Sie das, oder ahnten Sie das vielleicht nur?

Schon seit bibilischen Zeiten wird hier nur gekämpft. Nordafrika, Naher Osten, Mittlerer Osten – nur die Strategen in Washington glaubten, dass man die punischen Schwerter in dieser Region durch US-amerikanische Dominanz befrieden kann. Jeder ausländische Versuch, in diesem Teil der Welt den Vermittler oder Lenker der Politik zu spielen, ist zum Scheitern verurteilt. Derweil düsen die deutschen Soldaten durch Mali und Afghanistan und wähnen sich auf erneuter Stabilisierungsmission. Wie Butter auf zu viel Brot verstrichen werden die Kräfte Europas an fernen Plätzen verschwendet, an denen sie wenig ausrichten können und noch weniger zu suchen haben. Übrigens nutzt die saudische Armee auch deutsche Fahrzeuge. Beispielsweise den Fuchs, der auch dort unten zum Einsatz kommt. Heckler und Koch lässt auch im Yemen die Rohre glühen, da die saudischen Truppen mit bis an die Zähne bewaffnet sind. Unter anderem auch mit deutschen Handfeuerwaffen, welche unter Lizenz vor Ort produziert bzw. stumpf kopiert werden. Der Rest des gigantischen Arsenals kommt aus US-amerikanischer, britischer oder französischer Hand. Man könnte man, dass eine solch hochtechnologische Armee imstande sein sollte, mit Wüstenrebellen fertigzuwerden, welche teilweise, wenn man sich die Fotos des Krieges anschaut, noch mit chinesischen AKs bewaffnet sind.  Aber dem ist nicht so. Selbst die neu gekauften chinesischen ballistischen Raketen, welche von den Saudis im Südwüsten stationiert worden sind, helfen nicht. Bereits jetzt haben die Saudis und ihre Koalition erhebliche Verluste zu beklagen, wenngleich sie natürlich dank Luftüberlegenheit die Zivilbevölkerung in die Vorsteinzeit bomben und so die Kill-Statistik etwas aufhübschen konnten.

Bereits jetzt haben die saudischen Streitkräfte trotz ihrer gigantischen materiellen Überlegenheit empfindliche Verluste erlitten. Über 20 Panzer, 450 Soldaten und mehrere Aircraft, also Helikopter und Flugzeuge. Und die Houthi-Rebellen sind bisher nicht wesentlich geschwächt worden, wenn man den internationalen Beobachtern glauben schenken will. Dafür entsteht der Eindruck, als würden die Drohnen-Piloten und Bomberpiloten wie im neuen Battlefield-Computerspiel die Physik-Grafikengine ausprobieren und schauen, wie viel Zerstörung man so in einer Stadt anrichten kann. Derweil verrecken hunderte Koalitionstruppen in den zermürbenden Gefechten mit den Houthi-Rebellen, denen vorgeworfen wird, sie seien der verlängerte Arm der Iraner in dieser Region. Dieser Vorwurf kommt natürlich von den Saudis, die selber vielleicht der verlängerte Arm eines anderen Spielers sind. Oder ist es andersherum?

Der Nahe Osten implodiert und es ist ein offenes Geheimnis, dass die nächsten Jahrzehnte wohl kaum Linderung bringen werden. Die Vereinten Nationen haben schon vor vielen Jahren gewarnt, dass die Wasservorräte im Jemen, Syrien, dem Irak , Saudi-Arabien und überhaupt der gesamten arabischen und nordafrikanischen Region zur Neige gehen. Der Kampf um die schwindenden Ressourcen wird die Zukunft bestimmen und das Geschwafel westlicher Intelektueller, die von Stabilisierungseinsätzen und humanitären Missionen in diesen Regionen sprechen, halte ich für äußerst realitätsfern. Wie sollen die europäischen Nationen, deren Bevölkerungen zunehmend vergreisen, schrumpfen und durch Massenmigration vor Probleme gestellt werden, deren Dimensionen wir heute noch gar nicht richtig verstanden haben, denn die Konflikte auf anderen Kontinenten lösen? Europa und der Westen sollten ihre Kräfte lieber zurückziehen, heimatnah bündeln und zum Schutz der eigenen Staaten einsetzen. Und damit meine ich den unmittelbaren Schutz von Landesgrenzen und Seerouten im Mittelmeer und Atlantik. Alles andere ist verschwendete Energie  und hoffentlich keine böse Absicht, wenn man zusammen mit den Saudis gegen jemenitische Kamelreiter in den Krieg zieht.  Die Implosion dieser Region hat auch Europa destabilisiert und sollte eigentlich ein Weckruf dafür sein, sich jetzt um Eigensicherung zu kümmern. Auch den Einsatz im Mittleren Osten und in Mali wird man nicht ewig durchhalten und alsbald möglichst heimlich abbrechen, um ein wenig Gesicht zu wahren. Selbst wenn die Regierung in Kabul sich halten könnte und für die nächsten zehn Jahre Stabilität bringt. Wie lange wird das halten? Die Opiumproduktion in Afghanistan ist wieder massiv angestiegen und erst vor einigen Monaten explodierten gigantische Sprengsätze, welche hunderte Menschen töteten. Die täglichen Angriffe auf Polizisten und Militär, die Dutzenden das Leben kosten, schaffen es überhaupt gar nicht erst in unsere Nachrichten. Insofern kann man den Leuten ja Recht geben, die meinen, dass Afghanistan nicht sicher ist. Aber wenn wir mal die Kriminalitätsmeldungen aus allen lokalen Zeitungen in Deutschland zusammenfassen und in die Tagesschau streuen würden, dann wäre das Meinungsbild in Deutschland hier auch anders. Europa überfordert sich selbst, Deutschland ganz besonders. Mit unkontrollierter Migration aus der Dritten Welt, demographischen Problemen, schrumpfender Wirtschaftsleistung und der aberwitzigen Idee, dass man mit den militärischen Kräften, die man NOCH hat, Weltpolizei spielen kann.  Wer glaubt, dass die Kriege in der Levante und am Golf von Arabien uns nichts angehen, irrt, wenn er meint, dass sie keine Auswirkungen auf uns hätten.

Die destruktiven Tendenzen des Nahen Ostens werden Generationen heranbilden, die weder Mitleid noch Erbarmen kennen. Die Migrationswellen, die wir in den letzten zehn Jahren erlebt haben und die nicht erst 2015 begannen, werden sich noch häufen. An ihrer Spitze und in ihrem Fahrtwasser werden auch die Islamisten, die Terroristen und die Verzweifelten kommen, um Europa in den Konflikt des Jahrhunderts mit hinein zu ziehen.

 

Foto: https://www.flickr.com/photos/omarsc/4304015874


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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