Auf dem Invalidenfriedhof in Berlin – wo die Preußen liegen

Lange versprochen, vor einigen Wochen endlich ausgeführt. Ich besuchte für euch den Invalidenfriedhof in Berlin, wo viele berühmte Persönlichkeiten der preußisch-deutschen Geschichte begraben liegen. Dazu zeigen wir euch hier einige Fotos und berichten von der Geschichte der Stätte. Vorab entschuldige ich mich dafür, dass ich dieses Projekt im Frühling angekündigt und  erst jetzt umgesetzt habe. Aber Recherche, Foto-Sichtung und Erstellung dieses Artikels war eine Heidenarbeit.

 

Zusammenfassung der Geschichte des Friedhofes

Die Entstehungsgeschichte des Friedhofes geht auf Friedrich den Großen zurück, der während seiner Regierungszeit 1746 ein sog. Invalidenhaus errichten ließ, wo Soldaten, die in den Kriegen des Königs verwundet wurden, versorgt werden konnten. Durch eigenen Gemüseanbau in der mehrheitlich ländlich geprägten Gegend sollten sich die dort lebenden Versehrten selbst versorgen und ein relativ autarkes Leben in Frieden verbringen.  Im Laufe der Jahre verstarben die ersten Bewohner des Invalidenhauses, sodass es auch zu Beisetzungen dem eigenem Friedhof kam.  Daher stammt der Name Invalidenfriedhof.

Über die Jahrhunderte wuchs die Invalidenhaus-Gemeinde stetig an, sodass auch immer mehr Militärs und ihre Angehörigen auf dem Friedhof beerdigt wurden. Krankenschwestern, Personal, Ärzte und Handwerker kamen auch hinzu, die sich um das Invalidenhaus herum angesiedelt hat und mit ihm oder neben ihm arbeiteten. Aus der ursprünglich in der Landschaft isolierten Gemeinde, wurde ein Friedhof in der Stadt, als Berlin größer wurde und die Invalidengemeinde umschloss.  Die evangelischen Gläubigen in Berlin hatten alsbald auch ihre eigene Kapelle im Invalidenhaus, die neben den üblichen militärischen Gottesdienstes auch die zivile Gemeinde betreute. Prominenz gelangte vor allem nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon auf den Friedhof, als deutsche Patrioten und preußische Offiziere hier begraben wurden. Unter ihnen beispielsweise Generalfeldmarschall Hermann von Boyen, welcher die allgemeine Wehrpflicht in Preußen durchsetzte. Viele Gräber zeugen von tapferen Soldaten, die im Kampf für die Freiheit Deutschlands von Napoleon gefallen sind und auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt wurden.

 

 

Denkmal für die gefallenen der Befreiungskriege – heute nicht mehr vorhanden

Als 1868 das Augusta-Hospital gegenüber vom Friedhof eröffnet wurde, ließ auch man einige der Krankenschwestern und Ärzte auf dem Friedhof begraben. Nicht unweit wurde später die Kaiserin-Augusta Kirche (Gnadenkirche) errichtet, die ganz im Glanz des neuen Deutschen Reiches eröffnet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts verlor der Friedhof den Charakter als Sammelfriedhof für die Mitglieder des Invalidenhauses und wurde mehr und mehr zum Friedhof für verdiente Militärs des Deutschen Reiches.  Darunter beispielsweise die Familie von Scharnhorst, deren Mitglied Gerhard von Scharnhorst als einer der preußischen Heeresreformer in die Geschichte einging und 1813 im Dienst für seinen König und Preußen schwer verletzt wurde, ehe er seinen Verletzungen erlag. Im 20. Jahrhundert wurde der Invalidenfriedhof häufiger umgestaltet und es wurden Gräber entfernt und neue hinzugefügt (mehr dazu in der Fotostrecke). Während der deutschen Teilung war der Friedhof dem Verfall anheim gefallen und erst auf Einwirken von Bürgerbewegungen in der DDR hin, konnte der vollständige Abriss gestoppt werden. Heute sind nur noch wenige Hundert Gräber erhalten, werden aber gut gepflegt und auch scheinbar gut besucht.  Auf ihm liegen Persönlichkeiten, Söhne und Töchter, Mütter und Väter, der deutschen Geschichte. Und zwar der gesamten deutschen Geschichte der letzten 300 Jahre. Man findet hier Menschen, die noch mit Friedrich dem Großen Seite an Seite gestanden haben und solche, die mit oder gegen den Nationalsozialismus gekämpft, für den Kaiser oder für die Weimarer Republik gefochten und gelebt haben.

 

Grabmal des Generals von Winterfeld, der im Siebenjährigen Krieg für Friedrich den Großen kämpfte und für ihn in den Tod ging.

Scheinbar war er für Friedrich mehr als nur ein Untergebener. Er war ein Freund. Das Grab wurde 100 Jahre später von Schlesien hierher verlegt, nachdem die Verwandten eingewilligt hatten.

 

 

Vorderseite des Grabmals von Winterfeld

 

Als sehr bewegend empfand ich diese Widmung am Grabstein des Soldaten Werner John.  Unser geliebter Sohn – was für einen Schmerz die Eltern beim Verlust des eigenen Kindes im Ersten Weltkrieg erlebt haben müssen, ist kaum vorzustellen. Eine Warnung und Mahnung daran, dass es uns um die Erhaltung des Friedens und die Verhinderung solch apokalyptischer Kriege in Europa gehen muss. Werner John wurde nur 20 Jahre alt, als er in den letzten Kriegswochen 1918 in Flandern fiel.  Viele Hundert einfache  Soldaten, die an den Fronten des Reiches gekämpft hatten, wurden auf dem Invalidenfriedhof beerdigt. Einige ihrer Gräber sind noch erhalten.  Viele Träger des Eisernen Kreuzes, oftmals die letzte Ehrung nach dem Tod, liegen hier begraben. Darunter Flieger, Reiter und Infanteristen.

 Später versuchten die Nationalsozialisten einige Persönlichkeiten, die auf dem Friedhof beigesetzt sind, für sich zu beanspruchen und zu sog. Blutzeugen ihrer Bewegung zu erheben. Geblieben sind Gräber von ehemaligen NS-Mitgliedern, die dort ebenfalls noch zu finden sind und Zeugnis davon ablegen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Interessant fand ich die Geschichte von Wolfgang Fürstner, auf dessen Grabstein ich gestoßen bin.  Wolfgang Fürstner war prominentes Mitglied der Wehrmacht gewesen, ein preußischer Offizier quasi, der sich auch an der Verteidigung Oberschlesiens 1921 als Freikorps beteiligt hatte und im Ersten Weltkrieg tapfer für Kaiser, Reich und Vaterland Blutzoll gegeben hatte. Das zählte dann bei den Nationalsozialisten alles nichts mehr, da man ihn als Vierteljuden «enttarnt» hatte . Er beging Suizid und wurde danach von den Nazis als Opfer eines Unfalls in Ehren bestattet, sodass es ihnen möglich war, die Herkunft eines so prominenten und guten Offizieres nicht weiter zu thematisieren und die Sache mit ihm unter den Tisch zu kehren.
Grabmal von Wolfgang Fürstner

 

Grabmal von Wilhelm Staehle

Wilhelm Staehle, erschossen von den Schergen der Gestapo, war Mitglied des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und bekennender Monarchist, der an der Westfront gekämpft hatte und letzter Kommandant des Invalidenhauses gewesen war. Das Ehepaar Staehle war tiefreligiös und half aktiv vom Nationalsozialismus Verfolgten und beteiligte sich mindestens seit 1942 am politischen Widerstand gegen den NS.   Noch gegen Kriegsende wurde er von den Bürosoldaten in schwarzer Uniform, ansässig damals in der Niederkirchnerstraße, hingerichtet, nachdem bekannt wurde, dass er Flüchtlingen half und sich gegen das Regime engagiert hatte. Für sein Engagement wird Staehle heute zu Recht geehrt. Obwohl man ihn als Monarchist und konservativ-calvinistischen Christen heute in der Bundesrepublik wohl auch nicht wirklich lieben, geschweige denn eine Uniform anziehen lassen würde.

Zwei Gedenktafeln: Eine für die Opfer der Luftangriffe auf Berlin, die andere für die Widerstandskämpfer der Wehrmacht, die Frau von der Leyen wahrscheinlich lieber aus Kasernen der Bundeswehr entfernt sehen will, weil sie die falsche Uniform trugen oder aus ihrer Sicht krude Ansichten über Volk, Vaterland und Nation vertraten, die heute einfach nicht mehr en vogue sind. Auch ein Helmut Schmidt in Uniform der Wehrmacht wurde ja eiligst abgehangen und dann wieder schnell aufgehangen, als der Shitstorm zu groß wurde.

 

Zusatzinformation: Auch auf dem Invalidenfriedhof wurde im April 1945 noch heftig gekämpft. Die Rote Armee und die Reste der Wehrmacht und SS kämpften auf dem Gebiet des Friedhofes, sodass dieser unter massiver Zerstörung zu leiden hatte, die heute noch stellenweise sichtbar ist.

 

Familienwappen, ein Überbleibsel aus dem Mittelalter und der langen Geschichte einer Familie.
 

 

«Treu bis in den Tod» Ein Satz,  der sicherlich seine Kehrseiten der Historie hat, aber auch zum Charakter des Deutschtums  gehört. Nibelungentreue, wie Hagen von Tronje oder spätere Soldaten und Parteisoldaten es gezeigt haben. Treue ist ein hohes Gut für die Deutschen, soviel steht wohl fest. Ich denke unsere Kanzlerin erfährt es seit 12 Jahren am eigenen Leib, wie treu die Deutschen sein können und wie hoch sie diese Eigenschaft bewerten.

Der Invalidenfriedhof Berlin ist einen Abstecher wert, wenn man die Stadt einmal besucht. Ich war sehr angenehm von seiner Ruhe und Stimmung angetan und war tiefbewegt von der Darbietung christlichen Glaubens, die sicherlich dabei half, den Verlustschmerz zu lindern. Friedhöfe, vor allem Kriegsgräber, sind schmerzhafte Mahnung an uns. Auf das nie wieder eine Mutter ihren Sohn beweint. Wir beendeten unseren Besuch mit einem stillen Innehalten am Gedenkstein für Manfred von Richthofen, den Flieger und Helden des Ersten Weltkrieges, der wie viele andere sein Leben für Gott, Volk und Vaterland gegeben hat. (Wenn ich noch einmal Vaterland sage, gibt es hier in Deutschland gleich Ärger! :D)

Wer noch mehr Bilder sehen möchte, kann durch sich hier für einen kleinen Obolus an unserer Bilder-Dropbox auf Patreon bedienen. Dort hat man dann Zugriff auf diese und weitere Hunderte Bilder rund um Historie, Politik und Heimat.

«Mächtiger als der Tod, ist die Liebe»

 

  

 

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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