Und die Deutschen können einfach die Finger nicht vom Totalitarismus lassen

Der schlechteste Tausch wäre es, wenn wir nach ca. 20 Jahren sanften Totalitarismus und Gedankenkerker von Links, einen Autoritarismus von Rechts bekommen würden, der sich nur in seiner politischen Stoßrichtung unterscheidet, aber im Kern den gleichen Zwangmechanismen Folge leistet. Heute kann man für das «Liken von Beiträgen der Identitären Bewegung» seinen Job im öffentlichen Dienst verlieren und zum Pariah erklärt werden, weil man sich kritisch gegenüber Multikulturalismus auslässt. Sollte es einene Machtwechsel in Europa und Deutschland geben, welcher das politische Gewicht nach Rechts verschiebt, muss diese Entwicklung genauso kritisch beäugt werden, wie die kulturelle Hegemonie der Linken dieser Tage. Wenn ich dazu aufrufe die freie Diskussion über Themen und Meinungen wieder zu garantieren, dann meine ich das auch so.

Insofern ist es wichtig, dass die politischen Bewegungen von Rechts nicht in den selben Trott des Autoritarismus fallen, wie das die Linken immer wieder getan haben. Ansonsten enden wir dann in einem Staate, wo das «Liken eines Facebook-Postings der Kreuzberger Refugees-Welcome Initiative» zur selben gesellschaftlichen Ächtung und zum Verlust des Jobs führt, wie das heute im umgekehrten Beispiel der Fall ist. Die Deutschen sind verliebt in ihre Obrigkeit und nicht im libertären Sinne von einer Grundhaltung zur Freiheit der Gedanken erzogen worden, wie das in anderen Nationen der Fall ist. Öffentliche Debatten im Park, wie in London (auch dort fängt die Meinungsfreiheit an zu bröckeln), oder wie das früher auch in den USA noch möglich war, sind in Deutschland fast undenkbar. Wenn ich mich mit einem Stuhl vor meine Universität setze und anfange mit den Leuten über Politik zu debattieren, ja einen Debattierclub zu eröffnen, wird das eher als Ruhestörung wahrgenommen. Überhaupt scheint Rhetorik und energetische Rede einfach nicht zu den Qualitäten der bundesrepublikanischen Politiker zu gehören. Debatten im britischen Parlament verfolge ich immer gerne. Im Bundestag müsste ich mir alle fünf Minuten das Gesicht mit einem Bügeleisen glätten, damit ich nicht einschlafe, wenn mal wieder die Abgeordneten im drögen Tonfall von ihrem Papier ablesen und den Wähler auf Phönix-Tv zu Tode langweilen. Niemand guckt sich diesen Dreck an, außer ich vielleicht und ein paar andere Masochisten.  Politische Streitkultur kehrt nur ein, wenn Linke und AfD sich mit den Altparteien anlegen. Die Reaktionen der Medien auf den Erfolg der AfD und die Veränderungen des deutschen Parlaments sind für mich auch wieder typisch für die deutsche Politikseele. Der Deutsche ist lieber bereit, Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit zu ertragen, als an der gewohnten Ordnung zu rütteln. Die Biedermeiermentalität des Bundesbürgers ist zäh und überlebt einfach alles.  Der Deutsche zieht lieber den Teufel vor, den er kennt, als den, welchen er nicht kennt.

Seit der deutschen Revolution von 1848 gab es keine echte freiheitliche Revolution mehr, die diesen Namen verdient(Ausnahme: Möglicherweise Mauerfall und Dresden/Leipzig). Die Deutschen sind leider nach zwei Diktaturen, NS und DDR, mehrheitlich unfreiheitlich geprägt und haben auch geistesgeschichtlich kaum mit den klassischen Liberalen der Anglo-amerikanischen Welt Kontakt gehabt. In Punkten der Meinungsfreiheit und der Eigenständigkeit des Denkens und Handelns, hat dies in diesem Fall sicherlich einen Nachteil für uns gehabt. Man liest auch heute an meiner Universität lieber mehr Marx, Trotzki und Adorno, statt sich mit Alexis de Tocqueville, John Locke und John Stuart Mill.  Linke wie Rechte in den Online-Foren und Online-Plattformen, ja selbst Opa Helmut beim Einkaufen, fordern gleich das VERBIETEN der anderen Meinung, wenn sie ihnen nicht passt. Der nächste rhetorische Schritt ist dann das posten eines Gulag-Fotos oder einer geladenen Pistole, wenn man wahlweise auf linke oder rechte Positionen gestoßen ist, die man nicht mag. In dieser Hinsicht sind die Deutschen den Russen ziemlich ähnlich, da sie auch den Hang zum politischen Ausraster haben und gerne mal verschiedene Totalitarismen und Autokratien durchprobieren, ehe sie mal zur Ruhe kommen.

Der Ungeist dieser totalen Obrigkeitshörigkeit, das ist vielen, die so handeln kaum bewusst, hat den Nationalsozialismus überlebt. Der Unterwerfungs-Mensch, der an der innerdeutschen Grenze auf Schwangere Frauen schoss und in Weißrussland zwei Jahrzehnte vorher Juden und Slawen massakrierte, hat in unserer Republik immer noch seinen Platz. Man findet ihn sowohl links, als auch rechts in den politischen Lagern. Der echte Liberale, oder eher libertäre Mensch, existiert kaum und kann in dem gigantischen Geisteskerker, den unser Mitteleuropa darstellt, auch nicht überleben. Hier kann man sich keine Aussage eines Politikers anhören, ohne dass der TV-Moderator dann an den Politik-Experten weiterleitet, der die Aussagen für «den Zuschauer einordnen soll».  Mit anderen Worten: «Du blöder Wähler du. Wir denken das mal für dich zurecht, bevor du selber deinen Kopf anstrengst.»

Im 21. Jahrhundert sind Gedankenverbote, brüllende Studenten an Universitäten, die sowohl Ministern als auch vermeintlichen und echten rechten Rednern den Auftritt blockieren, ganz normal geworden. Sogar die Sprache wird angepasst, damit sie genau wie Toiletten keinem Menschen übel aufstößt und ihm Grund fürs Unwohlsein gibt. Alles muss verwässert und verdünnt werden, inklusive der Wahrheit bzw. der eigenen Aussage. Die Generation XY hält es nicht mehr aus, wenn man sie mit einer anderen Meinung konfrontiert, die im krassen Gegensatz zu dem steht, was gesellschaftlich noch erwünscht ist. Dabei wird, das ist mir das Leichteste zu sagen, der Meinungskanal in den letzten Jahren doch immer schmaler geworden. Die Illusion der Freiheit ist aberwitzig anzuschauen, wenn der Bademeister einem sagt, dass man sich innerhalb der 50 Meter Bahn doch frei entfalten kann, aber beim Übertreten der Markierungen in die nächste Bahn gibts mächtig Ärger und Badeverbot.

In diesem Sinne denke ich an Susanne Kablitz und ihr Essay: «Dieses Land ist unrettbar verloren»
Sehe ich zwar nicht so, merke aber an, dass man bei der Abschaffung des kulturmarxistischen und linken Totalitarismus, der sich in Europa gerade entfaltet, ihn nicht gegen einen ähnlichen ideologischen Kerker von rechts austauschen sollte. Heute ist es: «wer rechts ist, bestimme ich.»  Morgen sollte es nicht heißen: «wer links ist, bestimme ich.»  Ich habe keine Lust mehr auf diese Politkomissare in Behörden, Regierung und Medien, die nur zwei geistige Schritte davon entfernt sind, ihre auserwählten Aufwiegler im Hinterhof mit einer Kugel in den Hinterkopf zu liquidieren. Wer Ernst Jünger zitiert, wurde schon um 2000 mit Heydrich von der SS gleichgesetzt, oder so scheint es. Wer heute Merkels Bundestagsreden von 2002 wiedergibt, wo sie sich gegen weitere Zuwanderung, für mehr Assimilation und Leitkultur ausspricht, ist eindeutig ein Rechtsextremist in den Augen mancher.  Der sowjetische Ivan Iwanowitsch von der Geheimpolizei und seine deutschen Kameraden Oberleutnant Schmidt & Schmidt verdienen sich ihre Sternchen mit der Jagd auf den geistigen Dissidenten. Getreu wider dem Motto: «Ich mag verdammen was du sagst, aber ich würde mich dafür totschießen lassen, dass du es sagen darfst. »
In Deutschland gilt, wie auch mittlerweile überall im Westen zunehmend zu beobachten,  die chemisch gereinigte Version: «Ich verdamme was du sagst und ich würde dich totschießen lassen, damit du aufhörst es zu sagen.»

„Mir scheint, dass wenn ein neuer Depostismus in den Demokratien unserer Nationen dieser Zeit etabliert wird, dann würden sie einen gänzlich anderen Charakter haben als früher: sie würden viel umfangreicher und milder sein und den Menschen erniedrigen, ohne ihn zu foltern.“

― Alexis de Tocqueville, Democracy in America


Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook oder Minds.com dein „Like“ hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman https://www.facebook.com/TheYoungGerman https://www.minds.com/Younggerman

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

5 thoughts on “Und die Deutschen können einfach die Finger nicht vom Totalitarismus lassen

  1. Es gab in Deutschland noch nie einen „Rechten“ Totalitarismus.

    Jener 12 jährige war auch ein Linker Extremismus.
    Es ist wichtig die Begrifflichkeiten zu kennen, denn damit fing das Übel in Deutschland erst an.
    Nach dem Krieg hätten alle Linken / Sozialisten im tiefsten Erdloch versinken sollen, denn sie waren Geistig mit denen verwandt die für 50 Millionen Tote verantwortlich waren und nochmals 50 Millionen weitere die noch kommen sollten. ( Mao = 40 Millionen usw. ) Dadurch aber, dass sie die Begrifflichkeiten verkehren konnten, wurde ihre weitere Existez überhaupt ermöglicht.

    Also machte man Hitler zu einem „Rechten“ was er aber niemals war.
    Er selber und sein Propagandist Göbels erklärten sich immer zu Linken.
    Ja deren Programm und Haltung zum Kapital waren Sozialistisch.
    NS Organisationen wie der BDM, die Hitlerjugend und das NSKK, alles hatte seine Vorbilder im Sozialismus der Sowjetunion, ebenso das „völkische Element“ in seiner Politik.

    Es gab nie einen „Rechten“ Extremismus in Deutschland und wer eine Gefahr dort zu erkennen glaubt, spielt das traurige Spiel der Sozialisten-Linken-Grünen in Deutschland mit.

    Hier eine kurzer Artikel zum Thema.
    Eine Sache die Ludwig von Mises einst aufgearbeitet hatte, ja welche ich als einen seiner grossen Verdienste betrachte.

    Warum Nationalsozialismus Sozialismus war und warum Sozialismus totalitär ist.
    Von LvMID – 28. Oktober 2013
    Eingestellt unter: Aktuelles, Zeitloses
    http://www.misesde.org/?p=6343

  2. Die Argumentation kenn ich, weiß aber nicht ob sie mir zusagt. Generell wäre vielleicht besser, wenn man zwischen Kollektivisten und Nicht-Kollektivistischen unterscheidet, statt zwischen rechts u. links. Das „Sozialismus“ im NS wird ja gerne vergessen, das weiß ich.

  3. Nun ja, wenn man sich die Mühe macht und erliest, wird man darauf kommen das es eben so ist.
    Der „Nationale“ war ein echter Sozialismus.
    Und im Sozialismus war die Diktatur die übliche Regierungsform, auch in der DDR.

    Es gab ja schon vor 1919 unter den Revolutionären in Russland eine Richtungs-Diskussion darüber, folglich entstanden dann auch mehrere Ausrichtungen.

    Die 2 Dominanten waren die „Menschewiki“ und die „Bolschewiki“.

    Die Menschewiki glaubten daran, dass das Volk den Sozialismus einführen werde, sobald es …… das Volk …….erkennen würde, dass der Sozialismus gut ist, ihn dann also von alleine annehmen werde.
    Das heisst, die Revolution von unten aus dem Volk kommen müsse.

    Demgegenüber glaubten die Bolschewiki, dass man dem Volk von Oben den Sozialismus bringen muss. Es von der Intelligenzija der Kommunistischen Eliten erzogen werden sollte, und es dazu eben einer starken Führer-Persönlichkeit bedürfe.

    Die furchtbaren Folgen dieser Einstellung kennen wir alle, es war der Aufstieg Lenins und Stalins und deren brutale Diktatur.

    Trotzki war übrigens ein Menschewiki und lehnte den Leninismus / Stalinismus ab, weshalb er schnell in Ungnade fiel.

    In jedem Sozialismus ist die Diktatur ein massgebender Teil der Regierungsform.
    Darum ist es eben ein Trugschluss …..das man Hitler als rechten Diktator ansieht und Stalin als Linken, nein …..beide waren sie vom selben Stamm.

    Man mss also die Geschichte des Sozialismus kennen um zu erkennen das der Nationale-Sozialismus nur eine Spielart der „Internationale“ war.
    Und eben gerade auch der Kampf gegen den Kommunismus in Russland, als Zwist zweier Machtsysteme war dabei geradezu ein Sinnbild.
    Denn gerade die Kommunisten Russland hatten ja einen Bürgerkrieg entfacht in dem ja gerade auch „ihresgleichen“ niedergekämpft wurden.
    Alles was nicht der einen Linie entsprach, musste vernichtet werden.

    Das brachte den Kommunster in Spanien 1939 ….den sogenannten Frontisten, ja auch die Niederlage.
    Sie gingen ganz nach Manier der Stalinisten auch intern gegen alles vor was nicht die „eine“ Linie akzeptierte, es waren verbohrte Ideologen.
    Das kostete die derart viele Sympathien in allerlei Bevölkerungsteilen, dass sie schliesslich unterlagen.
    Nun ja, heute finde ich es gut das sie unterlagen, denn die hatten durchaus vor nach dem Sieg, alles was nicht Linientreu war, zu vernichten.
    Franco war das kleinere Übel.

    Bezieht man sich die Geschehnisse im Sozialismus, war der Russland-Feldzug eine logische Folge des Sozialismus und seiner Ideologischen Anlagen.

    1. Warum sahen dann Nationalbolschewisten wie Ernst Niekisch und Karl Otto Paetel im National“sozialismus“ lediglich nationale Demagogie anstatt „echten Sozialismus“?
      https://detlefnolde.wordpress.com/2010/09/22/ernst-niekisch-wortmeldungen/
      dazu auch noch einen guten und umfangreichen Kommentar von „Pirx“: … Bei der Machtübernahme haben die Nazis nicht nur die Organisationen der Arbeiterbewegung (SPD, KPD, Gewerkschaften) zerschlagen, sondern unbekümmert auch gleich deren Vermögen eingezogen – eine beispiellose Enteignung der Arbeiterschaft. …

      Gruß Memo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.