Der Deutsche Ritterorden und die Schlacht auf dem Peipussee

Im grellen Licht des anbrechenden Tages, noch am frühen Morgen, beginnt die Schlacht auf dem Peipussee. Für den russischen Fürsten Alexander Newski steht viel auf dem Spiel. Er hat sich mit einer Großmacht im Baltikum und Osteuropa angelegt: dem Deutschen Orden. Die Bruderschaft dieser deutschen Kreuzfahrer ( lang: Orden der Brüder vom Deutschen Hospital Sankt Mariens in Jerusalem) und ihre Verbündeten vom Schwertbrüderorden waren nur eine von vielen Mächten, die um das Territorium kämpften, welches heute größtenteils in Russland, der Ukraine und in den baltischen Kleinstaaten liegt. Die Kiewer Rus mussten mehrfach schwere Niederlagen gegen die Mongolen unter Dschingis Kahn erleiden, während im Nordwesten skandinavische Angreifer sich an der baltischen Küste bedienten.  Der Deutsche Orden war jedoch ein besonders hartnäckiger Widersacher Fürsten Alexander Newski, der von Nowgorod aus regierte, welche damals eine wahre Metropole war.



Über das heutige Estland drangen die christlichen Ritter im Jahr 1237 in den Herrschaftsbereich von Newski ein, was dazu führte, dass sich viele Esten, die teils noch heidnisch und nicht vollständig christianisiert waren und sich der Zwangschristianisierung durch den Orden widersetzten, dem russischen Fürsten anschlossen, um die Kreuzritter abzuwehren. Mit ihren Burgen und Handelsstädten hatten die Deutschritter eine Straße des Wohlstands und der christlichen Missionierung nach Osteuropa geschlagen und den Weg für weitere Siedlungen der Deutschen dort geebnet. Der Deutsche Orden gilt als historischer Vorläufer der preußischen Identität in Mittel- und Osteuropa und seine Niederlage am Peipussee wird auch ein Gründungsmythos der russischen Identität.

Noch im Aufmarschgebiet im heutigen Estland kommt es in den folgenden Jahren zu kleineren Gefechten mit den Ordensrittern, die von Newski im Jahr 1242 am 5. April zur Entscheidungsschlacht am Ufer des Peipussees gezwungen werden. Im Morgengrauen blasen die Kreuzritter zum Angriff der schweren Kavallerie, gepanzerte Reiter, die heute sinnbildlich für die Kampfkraft der Ordensbrüder stehen. In Keilformation erfolgte der Einbruch in die russische Formation, bestehend aus Speerkämpfern, größtenteils Fußvolk, welche unter dem Angriff beinahe zerbrach und sich zum Ufer zurückziehen musste. Durch den fehlenden Zusammenbruch der Flanken der russischen Kämpfer wurden die Ordensritter jedoch in der Mitte zum Stehen gebracht und konnten nicht weiter durchstoßen. In der Mitte des Sees kam es dann zum Gegenangriff durch die Kavallerie Newskis, welche den im Zentrum gebundenen Ordensrittern in den Rücken fiel. Eingepfercht zwischen Lanzenreitern und Speerträgern, wurden die schweren Reitertruppen übermannt und vernichtet. Viele Kämpfer auf beiden Seiten sollen im Eis eingebrochen und ertrunken sein, als dieses sich unter der Gewalt der Schlacht beugte und zersplitterte.

Die Schlacht auf dem Eissee wird zum Desaster für den bisher sehr dominanten und erfolgreichen Orden. In Folge der Schlacht wird Newski das Lehen von Moskau zugesprochen, was den Aufstieg  einer national-russischen Identität innerhalb des Einflussbereiches der Goldenen Horde, ihrer muslimischen Herren, begünstigt und schlussendlich mit Iwan dem Schrecklichen zur Befreiung Russlands von der mongolischen Herrschaft führt. Für den Orden bedeutete die Schlacht jedoch, dass die Ausbreitung der katholische Kirche an den Ufern des Peipussees ein Ende fand. Der Deutschritterorden entschied sich nach der Schlacht für einen exklusiven Friedensvertrag mit Alexander Newski und der Stadt Nowgorod, in welchem man die Narwa als offizielle Grenze zwischen den beiden Staaten festlegte.

 

 

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
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