„Marktkonforme Demokratie“ oder deutsche Republik?

Wir haben auf diesen Blog so einige Punkte behandelt, die einen am aktuellen Geschehen beunruhigen, ärgern oder an der Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens zweifeln lassen. Oder neue Perspektiven eröffnen, Hoffnung stiften und Ausblicke ermöglichen. Da war das verquere Geschichtsverständis verschiedener politischer Seiten [1], die Verwirrtheit über die Definition von Integration[2], deren Auswirkungen auf unser Leben [3] und einen gottlosen Nihilismus [4], der als Kit von allem möglichen zu funktionieren scheint.

Aber warum ist das so? Warum nehmen so viele Leute in Deutschland das einfach hin? Warum reagiert denn die »Schweigende Mehrheit« [5] nicht, wo sie doch von links bis rechts aktiviert wird?

In den aktuellen Ereignissen rund um Diesel-Skandale und von Unternehmen angepasste Politiker-Reden erhalten wir erste Ansatzpunkte, die ich jetzt mit dem vielgenutzten Wort der »marktkonformen Demokratie« umfassen möchte. Diese Begriff wurde in den letzten Jahren schon häufig von verschiedensten Kreisen gebraucht und spielt auf die – nicht wortgenaue Nutzung – von Kanzlerin Merkel im Jahr 2011 an:

»Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben.«
[6]

»Völker hört die Signale…« Doch diesmal ganz andere als vor knapp 200 Jahren. Wie wirkt sich das auf uns aus?

Zum einen auf staatlicher Ebene und zum anderen in der persönlichen Lebenswelt.

Deutschland steht wirtschaftlich immer noch einzigartig gut in Europa dar. Von der Statistik her. Jedoch ist es seit Jahren bekannt, wie die Arbeitslosenzahlen durch Tricks (besondere Fördermaßnahmen usw.) geschönt werden und die Art und Weise dieser Beschäftigungen relativ unhinterfragt gelebt werden. So haben wir zwar so viele Studenten wie nie aber gleichzeitig schreit das Handwerk und die klassischen Ausbildungsberufe nach Lehrlingen, die nirgendwo auftauchen wollen. Ohnehin: Der Wert des Handwerks, der Hand-Arbeit, ist in Deutschland ohnehin ein dunkler Flecken: Osteuropäische Pflegekräfte und Metzgerei-Leiharbeiter schuften sich zu Bedingungen, die kaum ein Deutscher ertragen würde, ab, oft ohne Chance diese Stellung verbessern zu können. Der erwähnte Überschuss an Studenten steuert auf ein vollkommen neues Milieu von akademischen Armen und »Lumpenproletariat« das von einer befristeten Stelle, meist zweifelhafter Profession, zur nächsten tingeln muss. Während die Jugendarbeitslosigkeit im europäischen Süden ganze Generationen traumatisiert, leben wir dazu zwar noch im Vergleich im Paradies, doch sind oben aufgeführt Punkte ein Zeichen auf ein tiefsitzendes, strukturelles Problem.

Denn wie wissen sich unsere Oberen denn seit Jahren aus diesem Zustand zu helfen? In dem sie oft »neue Probleme« schaffen. Unsere Medien und deren Konsumenten haben daraus auch eine gewissen Routine entwickelt. Der Skandal ist der Antrieb aller Dinge. Wir haben in den 80ern die losgetretene Privatisierungs-Welle und Auflösung der »Deutschland AG« bzw. deren Folgen gesehen. Ruhmreiche Unternehmen wie die ehemaligen Staatsbetriebe Bahn, Post dazu manche Autohersteller und die Deutsche Bank haben mit Schuld gehabt an Betrügereien und allgemeinen Versagen. Während das eine Unternehmen mit verspäteten Zügen und schrumpfender Erreichbarkeit in Verbindung gebracht wird, findet sich anderen Orts eine erschreckend leichte Hemmschwelle zu Manipulation von Geschäftsdaten und Einflussnahme auf die Politik. Und der kleine Bürger? Hier etwas bei Fördermittel-Anträgen bescheissen und dort ein bisschen Steuern hinterziehen. Allen Bioläden zum trotz, kauft der Deutsche weiterhin lieber die 50 Cent Norma-Wurst, während Spitzenpolitiker mittlerweile keine Ahnung mehr vom Butterpreis haben. Den rumänischen Fleischer am Band bekommen beide kaum zu Sicht.

In diese Melange von Selbstbedienungsmentalität und »Es-läuft-doch!«-Ignoranz mischt sich ein Fatalismus vor den großen Entwicklungen. Man ist so sehr mit Reagieren beschäftigt, dass das Agieren kaum mehr möglich erscheint. Als vorhersehbar (man hatte Ende 2013 die Hilfsmittel für die Flüchtlinge im Raum um Syrien reduziert) die Einwanderungskrise Ende 2015 eintrat, rauschte eine Art »Heilsversprechen« mit den geschundenen Menschen aller Länder durch die deutschen Lebenswelten: Fachkräfte würden kommen und die Ingenieurs-Stelle bis zur Pflegekraft würde besetzt werden. Dem »August-Erlebnis« von 1914 kam ein »September-Erlebnis« von 2015 hinzu. Seit 30 Jahren hatten sich in den etablierten Bereichen unseres Volkes, die Umwandlung Deutschlands zu einem »offenen und bunten Einwanderungsland« als Endziel, als einfache Antwort auf die »Globalisierung« festgefressen. Eine ganze Generation von jungen Menschen war in dem Bewusstsein »Deutscher *hust* natürlich mehr Europäer *hust* mit Migrationshintergrund« zu sein oder diese – wenn man ein »Bio-Deutscher« war – verklärend als Bereicherung anzusehen, groß geworden. Ein Bewusstsein das nicht mehr viel mit einem historischen-fundierten Deutschland zu tun hatte, sie sollten die »Neuen Deutschen« sein, die Träger der Zukunft! Das Deutschland vor 1990 wurde als reaktionäres Stinkstiefel-Land umgewandelt. Also passte der Menschenzustrom aus so entlegenen Weltteilen doch gerade recht… „Lasst uns mit den Deutschen nicht alleine“.

Gut zwei Jahre später ist aber ein bemerkenswertes Rumoren in Deutschland eingekehrt, die Union, seit gut 30 Jahren – mit kleinen Unterbrechungen – an der Macht, verurteilt Positionen zur Einwanderung – die sie selber noch Anfang der 2000er hatte, plötzlich als »rechtsextrem«. Wehrpflicht, Ehe, Staatsbürgerschaft usw. wurden von ihr abgeschafft oder deren vorrübergehende Beseitigung toleriert. Seit über 20 Jahren stritten sich aber trotzdem noch verschiedene Teile des Volkes darüber, was denn jetzt die Integration sei, die Bevölkerungszusammensetzung ganzer Viertel größer Städte hat nicht mehr viel mehr als die Verortung in Deutschland zu tun. Knapp 20 % der Deutschen hat einen »Mihigru«. Großdemonstrationen für ausländische Belange wurden länger schon Normalität und fremder Terror kommt nun endgültig regelmäßig in Deutschland an. Kein Problem war gelöst, vieles war ein Selbstläufer und doch: Mehr von dem Selben! Mehr Migration! Und nun?

Wie schon in den 50er Jahren, den 80er und 90ern sind die tatsächlichen Anstrengungen des Staates gering, diese Probleme wirklich zu lösen! Die geänderte Weltordnung, Trump, Brexit, ein stärkeres Russland und China, schwacher europäischer Süden vs. selbstbewusster europäischer Osten hat alte Routinen ausgehebelt. Nur haben die PEGIDA-Demonstrationen und die Entstehung der AfD, sowie das Anwachsen der Nichtwähler(!), gezeigt, dass es eine nicht zu kleine Gruppe in Deutschland gibt, die von dem Sonnenschein der spät-bundesrepublikanischer Eitelkeit wenig erwartet oder sich schlicht nicht überzeugt fühlt / ist. Und was werden jetzt die hunderttausend jungen Männer aus Afrika und dem Orient hier erwarten? Pflegekraft werden? Alten Deutschen den Arsch abwischen, wo man doch eine »männlichere« Arbeit erwartet hat? Mal so eben Deutsch lernen, obwohl jeden Tag die Ausweisung erfolgen kann, die dann aber erst nach einem oder mehreren Jahren erfolgt?

Diese ganze Entwicklung wäre nicht möglich gewesen, wenn anstatt alter »Gehorsamkeit« ein neues Phänomen untertäniger Verhaltensweise aufgekommen wäre: Die marktkonforme Konformität.

Konformität verspricht Gleichheit, einzig allein erreicht durch etwas Anpassung. Was für ein gründlich demokratisches Versprechen! Vom illegalen Einwanderer, dem Flüchtling bis zum einfachen Deutschen greift ein unglaublicher Anpassungsdruck: Jeder soll diese Scharade mitspielen. Der Mensch in der Marktkonformen Demokratie ist ein Katalogmensch, denn der Anpassungsdruck kommt nicht aus dem Leben sondern aus den vorgefertigten Logiken der Marketingbüros. Er darf sich aussuchen wie er sich individuell kleidet (Eine feine Kulturindustrie versorgt ihn mit reichlich Auswahl) und wie er hineinpasst aber – Bitte! – doch nichts grundsätzlich in Frage stellen. Heute rümpft kein Studiendirektor die Nase, weil der Gymnasiast keine Krawatte trägt sondern weil er eine abweichende Meinung hat. Die Studentin bei den Jusos ist schwer verstört, als der Flüchtling so gar nicht partylaunig ist, während ihr hoffnungsvoll betrachtete Somalier sich vollends zum Klischee-Kanaken entwickelt. Wirtschaftliches Versagen oder allgemeine Missverhältnisse werden gesellschaftlich atomisiert und damit nahezu unsichtbar gemacht: Du allein bist schuld an deinem Versagen, gehe damit anderen nicht auf die Nerven. Erbarmungslose Selbstoptimierung ist das Ergebnis der Liberalisierung des Staats- und Volksleben: Denn wenn am Ende keine Gemeinschaft existiert, musst du es alleine richten. Irgendwelche verirrte Christdemokraten rechtfertigen diese fremdgesteuerte Selbstausbeutung dabei doch tatsächlich noch mit dem christlichen Konzept der Subsidarität, während der materialistische Sozialist diese Entwicklung als »Befreiung« verkauft. Ohnehin: Rassisten, Sexisten und Homophobe sind die dringenderen Probleme und deren Beseitigung löst ja auch irgendwann den kapitalistischen Missstand auf – oder umgekehrt. Letztenendes egal, Hauptsache ich habe ein einfaches Feindbild. Dies ist dann das Gegenstück zur »Keiner hat – wirtschaftliche – Schuld« denn auf der anderen Seite werden die oben genannten Kollektivschuld-Anklagen immer detaillierter und aggressiver… Genauso wie die Reklamation an einer Kasse oder während einer Rabattaktion: Das »Opfer« ist in diesem Markt König. Und wie beim Rabatt wird darum gefeilscht, wer denn jetzt das echte Opfer ist. Dieser dauergrinsende Zustand der Zwistigkeit, findet seine Erlösung im Exzess und Rausch. Festivals, Drogen und immer exzessivere Sportarten verdrängen Zweifel, stiften Gemeinschaft ohne die konforme Individualität einer Person zu verletzen. Eine Mentalität des Amazon-Einkaufes beschleicht auch das soziale und sexuelle Alltagsleben. »Kann ich meine Gelüste nicht mit jedem befriedigen? Hauptsache es macht mich glücklich!« Der emanzipierte, selbstoptimierte Mensch zieht sich in seinen Körper zurück, der Körper wird zur Werbetafel, zum Tempel. Und in diesem Verhältnis ist fraglich, ob die Pop-Kultur die Pornoindustrie anfeuert oder umgekehrt. Der Mensch muss strahlen wie das Modell aus einem Katalog. Er muss sich vermarkten und das Vermarkten der anderen schützen.

Fazit:
„In Verantwortung vor Gott und den Menschen…“ steht unserer Verfassung voraus. Von Markt steht da bisher nichts und ich hoffe es bleibt dabei auch. Denn ich bin nicht gegen den Markt, sehe aber obige Skizze (!) als etwas, das absolut abzulehnen ist, da es dem Vaterland bar jeder Logik eine große Fremdbestimmung auferlegt und – sollte es implodieren und die »Flüchtlingsströme« sind erste Anzeichen dazu – nicht nur Deutschland sondern auch anderen Ländern größtmöglichen Schaden zufügen. Mit etwas Hoffnung blicke ich daher auf die Hinwendung von immer mehr Deutschen zu regionalen, traditionellen aber auch innovative Unternehmen, die Bodenständigkeit, Unternehmertum und noch etwas gesunden Menschenverstand dabei doch nicht vergessen haben.

 

Quellen:
1: http://younggerman.com/…/hitler-hoecke-und-dein-geschichts…/
2:http://younggerman.com/…/symbolpolitik-und-machtdemonstrat…/
3: http://younggerman.com/…/andere-zeiten-nostalgie-ueber-ein…/
4: https://www.youtube.com/watch?v=Esp2SUlNJcI
5: http://younggerman.com/…/die-schweigende-mehrheit-gibt-es-…/
6: http://www.faz.net/…/marktkonforme-demokratie-oder-demokrat…

 


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Cundar wurde in Oberfranken geboren. Sein näheres Umfeld, Zivildienst, Pfadfindertum und ein sehr interdisziplinäres Studium präg(t)en seine Weltanschauung. Die bezeichnet er gerne als „katholisch, rechtsradikal und liberal“ (Kuehnelt-Leddihn lässt grüßen). „Katholisch“ in einem ziemlich traditionellen Sinn, „rechts“ meint patriotisch, „radikal“ im Sinne von „reaktionsfreudig“ sowie „unabhängig“ und „liberal“ im Sinne persönlichen Freiheitsdenken. Früher bei die „Jungdeutschen“. Jetzt hauptsächlich als Privatperson ansonsten hin- und wieder schriftstellerisch bei YoungGerman tätig.

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