Den Widerspruch des Feminismus überwinden

Sollte man als Mann einer Frau die Tür aufhalten? Der Kavalier tut es und die Feministin verurteilt ihn dafür, dass er es tut, weil sie eine Frau ist. Schon sind wir mitten in einem emotional stark aufgeladenen Thema, mit dem wir uns sowohl als Männer als auch als Frauen bewusst befassen sollten, um Verwirrungen zu durchdringen und unsere Leben in kraftvollerer, authentischerer und befriedigenderer Weise zu führen. Warum schreibe ich das hier in diesem Blog? Weil unser Land starke, entschlossene Männer und liebevolle Frauen braucht.
Nachdem althergebrachte Geschlechterrollen in den westlichen Gesellschaften v.a. in Folge der 68er-Bewegung und des damit zusammenhängenden Feminismus massiv an Rückhalt verloren haben, ist ein Vakuum entstanden, das zu großer Verwirrung und Frustration bei Männern und Frauen geführt hat. Sowohl Männer als auch Frauen haben ein sehr negatives Bild von Männlichkeit, das von gewaltsamer Unterdrückung der Frau, sinnloser Kriegslust und rücksichtsloser Zerstörungswut geprägt ist. Das macht vielen Männern ein schlechtes Gewissen, da sie sich schuldig dafür fühlen, dass Frauen unter Männern zu leiden hatten. Dies führt bei diesen Männern zu einer Flucht ins Feminine, d.h. sie werden feinfühliger und nachgiebiger und lassen sich ggf. in einer Beziehung von ihrer Partnerin bevormunden. Die Weiblichkeit ist nicht viel besser angesehen, da eine Frau, die vier Kinder erzieht statt ihre berufliche Karriere zu verfolgen, dem Risiko ausgesetzt ist, ihrerseits ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil sie die Errungenschaften der Emanzipation verraten und den Männern das Feld überlassen könnte.

Wenn man Männer und Frauen beobachtet und auch in selbst hinein horcht, kann man erkennen, dass es tatsächlich so etwas wie maskuline und feminine Essenzen gibt. Die maskuline Essenz kommt darin zum Ausdruck, dass ein Mensch klare Ziele hat, entschlossen und zielgerichtet handelt, für sich und andere Verantwortung übernimmt und sich gerne einer Art von Wettbewerb mit anderen Menschen hingibt, sei dies Karriere, Sport oder Kampf. Die feminine Essenz dagegen zeigt sich im Erschaffen, in der intensiven Verbindung zu Leben und Erde, in ungerichteter Bewegung, buntem Fließen und Strahlen, in Mitgefühl, Kooperation und Kommunikation als sozialem Akt. Das Maskuline möchte erforschen und durchdringen, das Feminine möchte gesehen, geöffnet und gehalten werden. Eine solche Essenz bringt ein Mensch mit, wenn er auf die Welt kommt. Allerdings haben alle Menschen etwas von beiden Essenzen in sich, in der Regel überwiegt eine aber deutlich. Nicht alle Männer habe eine maskuline und nicht alle Frauen eine feminine Essenz; es gibt auch Männer mit femininer und Frauen mit maskuliner Essenz, aber sie sind in der Minderheit.

Das Faszinierendste an den Essenzen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie hervorbringen. Denn zwischen den Essenzen baut sich eine Spannung auf, eine nicht zuletzt sexuelle Anziehung. Das Feminine sucht die Beziehung, da es vom Maskulinen wahrgenommen und durchdrungen werden will; es möchte einen geschützten Raum bekommen, in dem es fließen kann. Das Maskuline wiederum möchte den strahlenden Tanz des Femininen genießen. Diese Pole sind in jeder Beziehung in verschiedener Ausprägung vorhanden. Das gilt sowohl für hetero- als auch für homosexuelle Beziehungen; Männer mit femininer Essenz und Frauen mit maskuliner Essenz fallen oftmals durch ihre charakteristische Ausstrahlung auf. In einer idealen Beziehung drücken beide Partner ihre jeweiligen Essenzen aus und dadurch ergibt sich eine starke Anziehung. Doch leider ist bei vielen Menschen die Essenz verschüttet durch zahllose Einflüsse, denen sie v.a. in der Kindheit ausgesetzt waren und denen sie sich anpassen mussten, und zwar durch die Erziehung, Vorbilder in ihrer Familie und sonstige Sozialisation. Menschen, die keinen Zugang zu Ihrer Essenz haben und emotionale Verwirrungen in sich tragen, wissen oft selbst nicht mehr, was sie eigentlich wollen. Sie kommen mit Partnern zusammen, die in ihrer Verwirrung zu ihnen passen, aber damit wird keiner der beiden dem gerecht, was sie natürlicherweise ausleben würden. Bald kommt es zu einem raschen Nachlassen der Anziehung, wenn die rosa Brille verblasst ist, d.h. wenn man erkennt, dass die Projektionen, die man in den anderen gerichtet hat, nicht mit der Wirklichkeit zusammen passen. Die Beziehung hat sich auf einer oberflächlichen Ebene abgespielt und die Essenzen der Partner sind sich nicht begegnet.

Der Feminismus verkennt das eigentlich Feminine als etwas Schwaches und Hinderliches und das eigentlich Maskuline als eine Gefahr, die es zu bekämpfen und zu überwinden gilt. Dabei ist es aber das Ziel des Feminismus, dass Frauen wie Männer werden. Darin liegt der Widerspruch des Feminismus. Beide Geschlechter sind durch diese Verwirrung von ihrer eigentlichen Essenz entfremdet und stehen auch der anderen Essenz kritisch gegenüber. Deshalb ist es heute die Aufgabe aller, die die Verwirrung erkannt haben und ihre eigene Essenz bewusst freilegen und ihr Kraft schenken, anderen zu helfen, ihre Verwirrung zu überwinden. Maskuline Männer sollten sich also auf die maskuline Essenz und feminine Frauen auf die feminine Essenz besinnen und erspüren, zu welchen Aspekten der althergebrachten Rollenbilder sie ja sagen wollen. Wenn sie diesen dann in ihrem Leben nachkommen, werden sie stärker und glücklicher sein.
Was hat eine Frau mit femininer Essenz davon, wenn sie sich aus Gründen eines aufgesetzten Feminismus dagegen verwehrt, dass ihr ein maskuliner Mann die Tür aufhält oder ihren Koffer trägt? Wenn beide ihre Essenzen bewusst ausleben, kann sich die Frau darüber freuen, dass ihr ein präsenter Mann behilflich ist und sie ein Stück weit in seinem Schutz ausruhen kann, während der Mann glücklich ist, seine Aufmerksamkeit einer Frau widmen zu können und dies von ihr mit einem offenen, strahlenden Lächeln gedankt zu bekommen. Dieses feine Spiel der Anziehung können wir jeden Tag mit vielen Menschen spielen und dabei werden wir unserer Natur gerecht.

Es geht nicht darum, Frauen das Wahlrecht zu entziehen, sie an den Herd zu ketten und Männern wie früher den Zutritt in den Kreißsaal zu verwehren. Es geht um Wahrhaftigkeit auf beiden Seiten und bei jedem mit sich selbst.

Die Frauenrechtsbewegung hat Gutes gebracht, aber eben auch eine Verwirrung, die Männer und Frauen daran hindert, einander in authentischer Weise zu begegnen. Dies schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und untergräbt die Werte. Insofern ist der Feminismus auch eine Geißel des Kulturmarxismus. Sagen wir dieser Verwirrung den Kampf an, weil es besser für uns alle ist und weil unser Land starke, entschlossene Männer und liebevolle Frauen braucht.


Quellen:

Bjørn Thorsten Leimbach: Abenteuer männlicher Verführung. Ellert & Richter Verlag GmbH, Hamburg, 2012.
David Deida: Der Weg des wahren Mannes. J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld, 2006.
Teal Swan: https://www.youtube.com/watch?v=Vnbi2tiTHAk und https://www.youtube.com/watch?v=p1Ahy6m4wHM


 

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Reisig erblickte in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte er eine Naturwissenschaft. Währenddessen engagierte er sich vorübergehend in der politischen Linken. Dabei galten ihm stets das Wohl des deutschen Volkes und die Begegnung der Völker auf Augenhöhe als höchstes Ziel. Später nahm er vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand. Er hat nach seiner Promotion ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland. Er schreibt auf Reisigs Blog, die Jungdeutschen und Young German.

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