Graue Wölfe und der Traum von deutschen Städten unter dem Halbmond

Brutale Subkulturen brauchen junges und ungestümes Fleisch. Leicht zu benutzende junge Männer und Frauen, die im Sturm und Drang einer Weltanschauung bereit sind zu morden und in Formation zu marschieren. Es gibt die «national befreiten» Zonen in einigen Gebieten Mittel- und Ostdeutschlands, aber auch in Dortmund und anderen Teilen NRWs, wo die Altrechten und Neonazis noch Strukturen haben und, das habe ich selbst erlebt, mit Gewalt und Schlägerbanden oder mindestens dem Drohpotenzial dieser Schläger ihren Anspruch auf die Straße geltend machen wollen. Deutsches Gesetz gilt dort nicht, sondern lediglich der Codex der Neonazis. Im Grunde eine Landnahme durch die eigene Bevölkerung und eine Aushöhlung staatlicher Souveränität. Vor allem in den 90ern explodierte die Gewalt dort ausgehend von jungen gewaltaffinnen Männern. Bei der Antifa, dem Schwarzen Block und ihren Helfershelfern läuft es nicht unähnlich ab.

Adolf Hitlers «Mein Kampf» avancierte in der Türkei vor einigen Jahren zum Bestseller, bevor es zumindest offiziell 2007 wieder verboten wurde. Das hat der Popularität Hitlers und der Ideologie des Nationalsozialismus keinen Abbruch getan. Vor einigen Jahren war man vielleicht noch überrascht darüber, dass Palästinenser und Türken auf Anti-Israel Demos laut skandierten: «Adolf Hitler, Adolf Hitler!»

Ich kann darüber erfahrungsgemäß nicht überrascht sein. Weder darüber, dass im Nahen und Mittleren Osten die Ideologie des NS auf fruchtbaren Boden fällt, noch darüber, dass Hitler einen gewissen Respekt in Teilen der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland genießt. Da erinnere ich mich zu gut an den Geschichtsunterricht in der neunten und zehnten Klasse, wo dann der eine oder andere muslimische Mitschüler mit zerknittertem Gesicht saß und im Privatgespräch anmerkte, dass «Hitler leider nicht alle erwischt hat». Dazwischen wird geleugnet, dass es die systematische Ermordung von Juden überhaupt gab, und in einem anderem Kontext behauptete man, dass der Holocaust das einzige gute Vermächtnis der Deutschen für die Welt ist. Da kommt der Ausruf Erdogans gerade richtig, wenn er das Vorgehen der Israelis in Gaza als «schlimmere Barbarei» bezeichnet als das, was die Nazis getan haben. Wasser auf die Mühlen türkischer Ultranationalisten, die sich mit dem zum Wolf geformten Handgruß zu erkennen geben. Schon vor zehn Jahren gab es die «Grauen Wölfe», die sich einen reinblütigen türkischen Superstaat wünschen, wo mit dem Erbe Attatürk Schluss gemacht wird, der Islam zur Staatsreligion erhoben wird und es solche Ethnien wie Kurden, Juden und Deutsche überhaupt nicht mehr gibt.  Das war schon zu meiner späten Schulzeit bei einigen jungen Türken ganz unverholene und kaum maskierte Weltanschauung. Uneinig war man sich nur darüber, wie man mit den Deutschen in diesen türkisch-national befreiten Zonen IN DEUTSCHLAND umgehen sollte, wenn man dann eines Tages die Macht haben würde. Denn das dieser Tag kommen würde, wusste man und darüber bestand kein Zweifel. Für Juden und Kurden sei dort kein Platz. Bei den Deutschen sei man sich nicht so sicher und würde sie vielleicht noch tolerieren. Wie freundlich!

Denn die Faktenlage zwischen Müllerstraße, Mehringdamm und Kurt-Schuhmacher Platz war doch für diese Jungs glasklar. In einigen Jahrzehnten würde man die Mehrheit stellen und dann müsse die deutsche Demokratie nach den Regeln der neuen Herren spielen. Dann würde man, ganz demokratisch, einige Gebiete Deutschlands in türkische Enklaven verwandeln. Angefangen mit dem Ruhrgebiet, Berlin und Hamburg oder Bremen, wo die Bevölkerungszusammensetzung dieser Idee eines großtürkischen Reiches in die Hände spielen würde. Das turkstämmige Imperium wäre dann in einigen Jahrzehnten ein loser Zusammenhang von Volksenklaven, die von Bremen bis nach Westchina reichen. Alle turkstämmigen Völker leben dann vereint in einem Reich, geführt von einem Führer und einer militärischen Elite, welche den Einfluss des neuen Imperiums über seine bisherigen Grenzen immer weiter ausdehen würde.

Könnte jetzt auch die Fantasie mancher Neonazis sein. Mit dem Unterschied, dass die Neonazis eine gegen 0 tendierende Chance haben diese Träume in die Wirklichkeit zu transportieren. Mit einer schwindenden Geburtenrate, gesellschaftlicher Nichtachtung und schlechter Organisation ist diesen Träumern unter heutigen Vorzeichen eine amüsierte Absage zu erteilen. Ein großgermanisches Reich wird sich nicht in absehbarer Zeit aus dem Herzen Europas erheben. Die Chancen für ein großosmanisches Imperium stehen jedoch etwas besser. Das Verständnis einer kollektiven Identität, in diesem Fall einer kollektiv türkischen bzw. muslimischen Identität ist bei der Diaspora in Deutschland immer noch stärker ausgeprägt. Beweisführung? Das Wahlverhalten der Türken und Doppelpass-Staatsbürger türkischer Abstammung, die hier in Deutschland kürzlich Erdogan zum Wahlsieg verholfen haben.

Ich bin mir sicher, dass es sehr sehr viele Menschen geben wird, die sich mit einer national-türkischen Enklave innerhalb Deutschlands nicht arrangieren können. Auch wenn sie Türken sind. Mir fällt dort einer meiner besten Jugenfreunde ein, der ein guter Kemalist, ein schlechter Moslem und guter deutscher Staatsbürger war. In einer Mehrheitsgesellschaft, die von ethnischen Türken dominiert wird, hat er heute aber schon einen schlechten Stand, wenn er sich nicht zu Erdogan bekennt. Und welche Ideologie die AKP verfolgt, dürfte eigentlich klar sein. Der Wolfsgruß wurde schon von der Regierung der Türkei bei der einen oder anderen Gelegenheit gezeigt. Man versteht die Diaspora der Türken in Europa nicht als die Bürger der jeweiligen Länder, also als Deutsche, Niederländer oder Franzosen, sondern als Exiltürken und damit als Eigentum des türkischen Staates. Damit bekommt die Ideologie von Blut und Boden neues Leben eingehaucht, diesmal vom Bosporus aus. Dazu brauch man nur eine demokratische bzw. verhältnismäßige Mehrheit, wie die Türkei zeigt.

Aussteiger wird es immer geben. Problematisch wird sich nur die demographische Veränderung erweisen, welche in Kombination mit einer nationalistischen und expansiven Politik aus Ankarra für eine explosive Mischung sorgen dürfte. Diese Prozesse sind keine spontanen Entwicklungen, sondern haben Jahrzehnte vorlauf. Die Unterwanderung der deutschen Politik durch Graue Wölfe ist da nur ein kleines Detail. In Deutschland und Europa werden sich, daran habe ich keinen Zweifel, die bereits angebrochenen ethnischen und religiösen Konflikte in den nächsten Jahrzehnten in nie gekannten Dimensionen entladen. Wenn kurdische Politikerinnen in Frankreich erschossen, Frauenrechtlerinnen in Berlin niedergestreckt und 10-25.000 Anhänger von AKP oder Grauen Wölfen die Straßen in Demonstrationszügen einnehmen können, stehen uns unruhige Zeiten bevor. Was als schleichender Prozess begann, nimmt heute immer mehr Fahrt auf und wird eines Tages auch mit Wucht zum Stehen kommen.

 

 

 

 

 


http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2016/02/turkey-syria-grey-wolves-emerge-as-jihadists.html

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/justiz-hitlers-mein-kampf-in-tuerkei-verboten/1022120.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/graue-woelfe-tuerkische-nationalisten-in-deutschland-a-953197.html

https://de.sputniknews.com/politik/20140720269060243-Erdogan-Israel-hat-Hitlers-Barbarei-bertroffen/

http://www.faz.net/aktuell/politik/papst-attentat-die-grauen-woelfe-1304396.html

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/08/seyran-ates-rettung

http://www.france24.com/en/20161217-france-kurdish-assassination-suspect-dies-paris-hospital

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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