Auf dass nie wieder eine Mutter ihren Sohn beweint

 

«War without End»

So heißt es treffend formuliert in einem Artikel von Tim Black. Wie viele Soldaten sind nun schon in Afghanistan gefallen? Wie viele sind verkrüppelt, verwundet, seelisch zerstört und obdachlos in der eigenen Heimat? Wir auf Young-German haben ihre Schicksale immer wieder zum Thema gemacht. Krieg ohne Ende ist die Devise des längsten amerikanischen Krieges im Mittleren Osten. Afghanistan brennt wieder und es scheint keine Linderung in Sicht. Die Kriege in Afghanistan und im Irak, in Syrien, Lybien und Mali sind kleine molekulare Volkskriege geworden, die ganze Generationen von US-Amerikanern und die Söhne anderer NATO-Mitglieder bzw. Westbündnispartner verschlingen. Deutsche, Briten, Schweden Norweger. Auch Dänen, Franzosen, Italiener und die landeseigenen Soldaten, die Zivilisten in utopisch anmutenden Hunderttausenden. Wie sich die Krankenstationen in Rammstein mit verstümmelten US-Soldaten füllen, so füllen sich auch die Gräber in den USA und Afghanistan, wo die hinterbliebenen Familienmitglieder ihre Söhne und mittlerweile auch Töchter beweinen müssen.

«Interventionismus» bedeutet für die NATO, dass sie zur weltweilten schnellen Eingreiftruppe geworden ist. Mit und ohne UN-Mandat setzt sie Politik durch oder versucht es zumindest. Zwischen Brüssel und Washington glühen die Leitungen seit Jahrzehnten wieder, obwohl man eigentlich mal darüber nachgedacht hatte die NATO nach dem Ende des Kalten Krieges aufzulösen. Man kann sich dem Gedankengang hingeben und sich fragen, wer dann das Machtvakuum gefüllt hätte, welches eine so mächtige Militärallianz wie die NATO hinterlassen hätte. Möglich ist, dass die EU sich zur Bildung einer europäisch-kontinentalen Allianz entschlossen hätte. Möglich ist auch, dass man sich wie Trump es zumindest im Wahlkampf noch angedacht hatte, sich wieder dem Isolationismus widmet. Jeder für sich und das einzige Forum bleiben die Vereinten Nationen. Aber vielleicht bewiesen die Balkan-Kriege und die Völkermorde in Afrika ja, dass auch die Vereinten Nationen der Herausforderungen einer sich streitenden Welt nicht gewachsen sind.

Aber darum soll es hier nicht gehen. Der Dauerzustand des Krieges, in Europa eine durch die Medien gut von der Öffentlichkeit abgeschirmte Realität, hat auf die Familien und ihre Soldaten viele Nachwirkungen. Heimkehrer, die sich mit Drogen zustopfen müssen, um ihren durch posttraumatische Belastungsstörungen verursachten Alpträumen zu entfliehen. Tausende von Soldaten, die sich nach ihrem Dienst umbringen. Nach dem Einsatz ist die Nachbetreuung vor allem in USA und Großbritannien eine sehr vernachlässigte Angelegenheit gewesen, welche sich erst in den letzten vier oder fünf Jahren durch couragierte Zivilisten und Angehörige besserte, welche Initativen, Vereine und Kampagnen starteten.

Der Einsatz verändert den Menschen. Kaum jemand kehrt so zurück, wie er in den Krieg hineingegangen ist. Selbst viele die körperlich und geistig gesund heimkehren und eigentlich eine freudige Reunion mit ihrer Familie erwarten, müssen manchmal erleben, wie sich zwischen der zivilen Welt und dem Veteranen ein emotionaler, schier unüberwindbarer Graben aufgetan hat. Man versteht einander nicht mehr.

 

 

 

Weiterführend:

 

Alles besser und doch wird nichts gut in Afghanistan

Gestorben – Wofür? – Afghanistan watet im Blut

Leserbrief: „Ich weine um dich, du mein Afghanistan“

Afghanistan zerfällt vor unseren Augen

40 Jahre Krieg in Afghanistan – ein Friedhof der Imperien

Afghanistan-Einsatz Ad Infinitum – gegen den Willen des Volkes, mal wieder

Der Krieg der niemals endete

Wie die Nationalgarde verheizt wurde

 

The Longest War

http://younggerman.com/index.php/2017/02/06/diagnose-nicht-dienstfaehig/

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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