Ehe für alle ist Ehe für keinen

Daß Merkel in der Frage der sogenannten »Ehe für alle« umkippen würde, war von vornherein klar. Der Machterhalt ist ihr wesentliches politisches Programm, und unverrückbare Position sind da nur hinderlich. Es scheint, als seien diese vermeintlich fortschrittlichen Ideen nicht aufzuhalten. Merkel wäre nicht Merkel, wenn sie mehr Rückgrat hätte als eine Salatschnecke und sich hier nicht an den linken Zeitgeist anbiederte.

Der Haß auf Ehe und Familie als vermeintliche Reproduktionsstätte der Unterdrückung ist so alt wie der Sozialismus, und ihre Zerstörung war immer das Ziel, das läßt sich schon im Kommunistischen Manifest nachlesen. Und im Neuen Deutschland wird es heute bekräftigt, daß die Ausweitung des Ehebgeriffs nur ein Schritt auf dem Weg in die Abschaffung ist: »Von links kann man natürlich einwenden, dass die Ehe für Alle gar nicht das richtige Ziel ist, sondern die Aufhebung der Ehe als Institut angestrebt werden müsste, weil es ja immer noch Leute gibt, die ganz andere Formen des Zusammenlebens, der gemeinsamen Verantwortung und so fort anstreben. Aber eine Ausweitung der Gleichstellung im gegenwärtigen Rechtsrahmen wäre unter dem Strich sicher ein Schritt in die richtige Richtung.« Bei dieser Ausweitung wird es nicht bleiben. Wer einmal etwas antastet, was bis dahin Bestand hatte, der wird es auch ein weiteres Mal tun, so lange, bis vom einstigen Inhalt nichts mehr übrig und alles in der großen Bliebigkeit aufgelöst ist. Die »Grüne Jugend« bekennt sich umumwunden zu diesem Ziel. Was hier als »fortschrittlich« verkauft wird, ist jedoch nichts anderes als ein Mittel zur inneren Aushöhlung der Gesellschaft und der sie tragenden Institutionen.

Wer ist eigentlich »alle«? Allein diese Frage weist die Richtung, in die es gehen wird – wenn sich die Ehe nicht auf Mann und Frau beschränkt, warum sollte sie sich dann auf zwei Personen beschränken? Warum Leute ausschließen, die eine Ehe zu fünft eingehen wollen? Mit welchen Recht noch Narzißten »diskriminieren«, die sich selbst, oder Objektophile, die ihre Kaffeemaschine heiraten wollen? Etwas, was es für jeden ohne jede Voraussetzung gibt, ist etwas, das nichts bedeutet.

»Gleiche Liebe, gleiche Rechte« wird als Parole vorgebracht. Ach, und wie die meisten linken und »fortschrittlichen« Parolen ist auch diese nicht von der Tapete bis zur Wand gedacht. Sehen wir einmal davon ab, daß jene, die ständig ihre vermeintlichen »Rechte« einfordern, über die eventuell damit verbundenen Pflichten aber gerne stillschwiegend hinweggehen. Dabei ist der Denkfehler dieser: Wenn der Staat die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau privilegiert, dann tut er das nicht, um die Liebe der Beteiligten zueinander zu honorieren – die nämlich kann und sollte ihm egal sein. Vielmehr geht es darum, daß die auf der hergebrachten Ehe beruhende Familie etwas für den Staat leistet, nämlich ein Raum für die Reproduktion des Staatsvolkes zu sein, um es mal häßlich unromantisch und nüchtern zu sagen. Das nämlich ist etwas, was eine homosexuelle Partnerschaft nicht tut und nicht kann (jedenfalls nichts aus selbst heraus), und deswegen ist sie nicht dasselbe. Und hier liegt wieder ein Grund, warum die Linke die Familie gerne schleifen würde.

Denn einerseits ist der vom Staat autonome Raum ein Dorn im Auge der linken Gesellschaftsalchimisten, da das sozialistische Menschenbild seine Legitimation daraus zieht, daß der Staat für das Individuum regelt, wie es am besten zu leben hat. Jeder Bereich, auf den der Staat keinen Zugriff hat und dennoch funktioniert, ist eine Delegitimation der linken Utopie vermeintlicher Menschheitsbeglückung. Weiters legt die Linke heute keinerlei Wert auf die Reproduktion des Staatsvolkes, denn der entwurzelte, beliebig formbare Mensch das Ziel ist und aus dieser Perspektive das Staatsvolk ebensogut oder sogar besser aus den Einwanderern beliebiger Herkunft neu zusammenstellen.

Nun ließe sich freilich einwenden: die eigentliche Ehe ist schließlich auch nicht mehr das, was sie mal war, und erfüllt auch nicht mehr ihren Zweck, eine dauerhafte, nur im Ausnahmefall wieder auflösbare Verbindung zu sein. In der Hälfte der Fälle wird sie wieder geschieden, und in in den wenigsten Fällen liegt es daran, daß sie für die Eheleute wirklich unerträglich war. »Keine Lust mehr« reicht als Scheidungsgrund heutzutage völlig aus. Vorbildlich in dieser Hinsicht war die frühere kommunistische Straßenschläger und nachmalige Außenminister Joseph Fischer, in dessen fünfmaliger Verheiratung sich ein Menschenbild verwirklicht, das im Ehepartner offenbar einen Saisonartikel sieht, der abgelegt wird, sobald etwas Interessanteres im Angebot ist. Doch steht ein solches »Ehe«-Modell auch Homosexuellen längst zur Verfügung, somit ist die Diskussion um die »Homo-Ehe« eigentlich heiße Luft um Nichts. Warum also die ideologische Verbissenheit in dieser Angelegenheit?

Aufspalten, fragmentieren, aushöhlen – das steckt in Wirklichkeit hinter der Forcierung der Belange aller nur denkbaren Minderheiten. Es geht letztlich – so auch beim Tanz um alle möglichen sexuellen Devianzen, deren Häufigkeit weit hinter dem Wind, der um sie gemacht wird, zurücksteht – nicht darum, jemandem zu seinem Recht zu verhelfen, das man ihm bisher ungerechterweise vorenthielt. Es geht vielmehr darum, eine Gesellschaftsordnung und ihre Institutionen im ganzen zu delegitimieren. Es geht darum, die Vorstellung von gesellschaftlicher und sexueller Normalität einzuebnen. Denn erst dann, wenn das geschafft ist, läßt sich eine Gesellschaft nach sozialistischen Vorstellungen neu formieren. Erst dann, wenn der Mensch all seiner natürlichen Beschaffenheit und Bedingungen seiner Existenz entledigt ist, kann er neu und nach Belieben so geformt werden, daß er zur linken Utopie paßt.

Nun wird die »Ehe für alle« wohl kommen, und die Welt wird davon nicht untergehen – es ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Entwertung aller Werte. Bedenken wir dennoch, daß es nur eine lautstarke, aber letztlich irrelevante Minderheit ist, die sich darum schert, ebenso wie um das, was »Trendforscher« in ihrer jeweiligen Kristallkugel sehen und uns für die Zukunft prophezeien. Die weit überwiegende Mehrheit wird weiterhin das tun, was die Menschen schon seit Jahrtausenden taten und, wenn die Trends wieder verpufft sind, aus dem leben, was immer gilt.

 


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„Weserlotse“ lebt als Niedersachse mit niederschlesischem Migrationshintergrund in Thüringen und ist alt genug, um noch zu wissen, wie das Leben ohne Internet funktioniert, ist trotzdem so etwas wie das, was heute „Netzaktivist“ heißt, würde sich selbst aber nie so nennen.

2 thoughts on “Ehe für alle ist Ehe für keinen

  1. Ich kann diese Kritik nicht als logisch ansehen.

    Erstens, ich sehe nicht warum eine Liberalisierung grundsätzlich unmöglich sein soll, nur weil ihr Extrem schlecht ist. Gegen Polygamie, Inzest oder Kindereher läßt sich logisch argumentieren, dass sie Schaden, bei der Homoehe sehe ich das nicht. Es würde ja andeuten, dass Heteros nicht mehr heiraten, nur weil Schwule und Lesben jetzt heiraten dürfen. Ehe ist ja kein Verbrauchsgut, das uns ausgehen kann, und ich sehe nicht, dass wegen vermutlich 100 oder 200 „Homoehen“, die Heteros plötzlich ihre Ehe als im Wert gemindert ansehen. Damit würde man die Hetero-Ehe als reichlich fragil ansehen, wenn sie so einfach zu beschädigen wäre. Überdies ist die Zivilehe ohnehin keine alte Institution, sie existiert so erst seit Bismarck.

    Ausgerechnet das „Neue Deutschland“, also das Organ das ehemaligen SED als beispielhaft zu nehmen, oder die typisch spinnerte Grüne Jugend halte ich für ebenso absurd, wie man man patriotische Forderungen der AfD mit extremen Äußerungen der NPD-Alt-Right kritisiert. Wir können nicht den gleichen Unsinn begehen, wie die SJW. Unsere Kritik kann sich doch nicht daran orientieren, was die Extremsten phantasieren, sondern was eine Änderung tatsächlich objektiv bedeutet. Linksextreme mögen ja Allmachtsfantasien von der „Zerstörung bürgerlicher Werte“ niederschreiben, aber das ist ein sehr schwaches Argument. Mit dem Vorgehen schnappe ich mir den rechtsaußen-Depp von der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ und nehme das als Beispiel. Scheint mir als Kritik einfach nicht tauglich.

    Auch diese Idee einer staatlich gelenkten „Zerstörung der Familie“ sehe ich zwar als Fantasie bei Linken, aber nur weil sie davon fantasieren, bedeutet es nicht, dass sie auch die Macht dazu haben. Inwiefern konkret die Tatsache das die Lebenspartner Herr X Herr Y ab morgen statt Verpartnerte nun Eheleute heißen, die Familie zerstören soll, das sehe ich einfach nicht. Und was hat, dass Leute sich heute leichter scheiden lassen, mit der „Homoehe“ zu tun? Gar nichts. Man mag die Leichtfertigkeit darin tadeln, es ist aber ein ganz anderes Thema. Der Name „Ehe für alle“ ist vielleicht schlecht gewählt, aber ich glaube kaum, dass bald in Deutschland jemand sein Bügeleisen heiratet. (Und wenn er es täte, wärs mir überdies Wurscht.)

    Eine Reduktion der Ehe auf Reproduktion wäre eine Umkehrung von 300 Jahren romantischem Ideal. Dann müßte man Senioren und Menschen die unfruchtbar sind das Heiraten verwehren. Die Bedeutung der Ehe ist schon im Altertum als „Zweisamkeit“ der gegenseitigen Unterstützung wenigstens als wesentliches Element definiert. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Die Reproduktion ist immer nur EIN Merkmal gewesen, aber nie das Alleinige, so scheint es mir nicht von Schaden, auch Paaren gleiche Rechte einzuräumen, die von Natur aus keine Reproduktion leisten können. In meinem libertarischen Staatsverständnis muss alles, was nicht schadet, erlaubt sein. (Oder man würde die Zivilehe eben wieder abschaffen.)

    Wenn Du am Ende schreibst, es gehe nicht um Anliegen der Minderheiten, sondern um ein vermeindlich böses Ziel der Gesellschafts-Zerstörung, so ist dies schlicht unwahr. Es ist sehr wohl das Anliegen dieser Minderheiten, in diesem Bereich gleich gestellt zu werden, und hier anzunehmen, es gäbe quasi eine schwule Verschwörung zu Zerstörung der westlichen Kultur, und die Ehe für Schwule und Lesben sei quasi ein Schritt vor Armageddon, finde ich albern und unsinnig dramatisiert. Einen objektiven Beweis für eine so krasse Sichtweise erkenne ich einfach nicht. Nochmal: es hat keinen Sinn das verbale Tammtamm der Linksextremen als „Beweis“ zu nehmen. Das machen die Linken dauernd gegen die Rechten und es ist da so unredlich wie hier. Dass SJW und Gender-Bewegte biazzre Vorstellungen haben und mitunter Schaden anrichten ist keine Frage, hier wird aber etwas in einen Topf geworfen, das einfach nicht zusammen gehört. Ich kann dem Autor versichern, dass sich die allermeisten Schwulen und Lesben nicht im geringten für die Gender-Identität unserer Heterosexuellen Mitmenschen interessieren, und wir auch keine Kabale zur Zerstörung der Familien gegründet haben. Jeder Schwule hat nämlich selbst Familien, zumindest seine Eltern, oft Geschwister und enge Freunde. An der Zerstörung deren Lebenswelt haben wir durchaus KEIN Interesse.

    Zuletzt, es ist auch kein neuer Trend. In moderner Zeit diskutieren wir (also wir Abendländer) seit gut 30-40 Jahren darüber. Das katholische Irland hat es eingeführt, und selbst in diversen Antiken Zeiten gab es schwule Ehepaare, auch wenn dies in der Geschichte immer wieder verschwiegen wurde. Konservative müssen ihre geliebten Institutionen schon für sehr fragil halten, wenn ein Eheschein für angeblich so wenig Schwule eine solche Bedrohnung darstellt. Für logisch nachvollziehbar halte ich die hier gemalte Untergangsvision nicht.

    1. Da muss ich dir als allerdings recht geben Holger! Eine Gleichgeschlechtliche Ehe werdet die traditionelle Ehe keinesfalls ab. Auch wenn das Linksextremisten von sich behaupten.

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