Afghanistan zerfällt vor unseren Augen

Eine Deutsche wurde kürzlich in Afghanistan getötet und deutsche Norden Afghanistans, im Raum Kunduz, ist derzeitg erneut heftig umkämpft. Dort wo die deutsche Bundeswehr einst massiv stationiert war, rücken die Neo-Taliban und andere Milizen, darunter auch IS, gegen die ANA(Afghan National Army) und die Afghan National Police vor, die vor dem Ansturm des Feindes weichen musste. Selbst die Luftunterstützung der NATO konnte das Blatt bisher nicht wesentlich wenden, sodass es bei einem absurden Erobern und Rückerobern umkämpfter Gebiete bleibt. Es ist nicht so, dass die ANA zerstört werden muss. Für die Islamisten reicht es bereits, wenn die Sicherheitslage so desaströs degeneriert, dass der von der NATO angestrebte Aufbauprozess nicht vorwärts geht. Dass die fremde Präsenz des Westens immer unerwünschter wird, äußert sich in den aufkeimenden Protesten in Kabul und allen anderen Regionen Afghanistans. Längst, so vermuten manche, haben wir den Zustand erreicht, welchen man eigentlich stets vermeiden wollte. Die Kontrolle über Afghanistan, sofern diese überhaupt noch als solche bezeichnet werden kann, ist verloren gegangen. Bis auf Kabul, die Hauptstadt, versinkt das ganze Land im Chaos eines wieder eskalierenden Bürgerkrieges. Und selbst Kabul wird ständig durch Bombenattentate und koordinierte Angriffe erschüttert. US-Sicherheitskräfte liefern sich regelmäßig Scharmützel mit eindringenden Attentätern, die sogar vor Botschaften und Regierungsgebäuden nicht halt machen. Die täglichen Todesopfer durch Angriffe auf die weichen Ziele, also Zivilisten in Bussen und Schulen, sind nicht mehr zählbar. Die gab es auch schon massiv in den Jahren zuvor immer wieder, ohne dass diese für große Schlagzeilen gesorgt haben.

In Washington wird bereits verkündet, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan dramatisch verschlechtert hat und diese auch in naher Zukunft noch weiter degenerieren wird. New York Times und BBC berichten darüber, dass die Aufstockung des militärischen Engagements der NATO wieder auf dem Tisch ist. Mission acomplished? Von wegen. Diese Meldung schwimmt inmitten der Blutlachen von Hunderten toten ANA-Soldaten, die im Zuge der Kampagne der Insurgenten bereits getötet wurden. Hunderte werden getötete, Dutzende desertieren am nächsten Tag oder melden sich dauerhaft krank. Wie viel Tote und wie viel Zerstörung kann ein Land im Aufbau denn verkraften? An jedem toten Soldaten hängt eine Familie, die dadurch den Glauben an die Zukunft eines internationalen Afghanistans verloren hat. An jedem toten Staatsdiener klebten Tausende Dollar, Ausrüstung, Bekleidung, Steuergeld und Jahre der Ausbildung bzw. Investion. Ein niedergeschossener Polizist hier, eine ermordete afghanische Studentin dort. Diese Fälle summieren sich am Ende.

Es geht hin und her zwischen Regierungstruppen und Milizen; ein scheinbar ewiges Ringen um die Zukunft des Staates Afghanistan. Ein Ende dieser Kämpfe ist nicht in Sicht und ist, bei nüchterner Betrachtung, auch unmöglich. Die degenerierte Sicherheitsarchitektur Afghanistans, immer noch im Aufbau befindlich, kann die aufkeimenden Konflikte nicht beherrschen. Die internationale Gemeinschaft muss ihr Engagement also wieder verstärken, also mehr Truppen und Geld am Hindukusch versenken, wenn sie nicht Gesicht verlieren will. Nach fünf, sechs oder sieben Jahren weiterer Kämpfe und Todesopfer muss sie dann vermutlich einsehen, dass ihre erneute Kampagne ebenfalls nicht erfolgreich war. Die Konsequenz im Jahr 2025 ist dann wohl, dass man langsam die Truppen abzieht und verkündet, dass NUN endlich Afghanistan auf eigenen Füßen stehen könne. Im Jahr 2028 stockt man dann heimlich die Präsenz wieder auf und  schickt erneut die Special Forces zu den Insurgenten, um das erneute Aufflammen des Krieges noch zu stoppen. Und 2030 heißt es dann, dass man erneut die NATO-Truppen im Lande aufstocken muss, nachdem man die meisten der Soldaten erst kürzlich abgezogen hat. Ein kluger Offizier sagte mir mal, dass man in Afghanistan etwa 100-200 Jahre verweilen müsste, das Land also quasi kolonisieren müsste, wenn man dort dauerhaft Erfolge haben will. Entweder man ist dazu bereit, oder man soll es ganz lassen.

Afghanistan zerfällt vor unseren Augen. Mal wieder.

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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