Das Emirat in den Grenzen Russlands

Über Dagestan und Georgien strömten ab 1999 Hunderte, wenn nicht gar Tausende arabische Dschihadisten nach Tschetschenien. Der Grund? Russlands Feldzug gegen die abtrünnige Region hatte für ein Echo in den restlichen islamischen Ländern der Welt gesorgt. Die Kampagne im Kaukasus hörte auf ein innerstaatlicher Konflikt zu sein, als Tausende Freischärler den Ruf des Dschihads beantworteten. Was womöglich als regionaler Seperatismus begann, mündete in einem islamischen Kampf gegen die Ungläubigen, geführt durch die vermeintliche Gemeinschaft der Gläubigen.

So stellten die Islamisten des arabischen Raums diesen Konflikt zumindest dar. Die Aufrufe von Osama-Bin Laden und anderen Terroristen, sich den Tschetschenen anzuschließen, wurden frenetisch jubelnd von vielen Kämpfern beantwortet. Das Phänom des Dschihad ist keines, welches erst mit 9/11 bekannt wurde. Der globale Kampf gegen die vermeintlich bösen Ungläubigen, also der von den Predigern angefachte Glaubenskrieg, entfachte sich auch in Russlands Reich immer wieder neu. Auch nach 2001 lief die ganz eigene Propagandamaschine in der islamischen Welt, welche den Angriff der USA-Koalition der Willigen auf den Irak, sowie die NATO-Mission in Afghanistan, als Kreuzzug gegen die muslimische Gemeinschaft verkaufen wollte.

Die Türkei blockierte die durchziehenden Islamisten aus dem Nahen Osten und sogar Indonesien übrigens nicht. Erst Anfang 2004 zwang Druck aus Washington, also die NATO, die Türkei zum Schließen der Route. Danach stand den Dschihadisten jedoch der geheime Weg über Aserbaidschan frei, welches quasi der kleine turkstämmige Bruder der Türkei ist und auch mit der NATO eine enge Partnerschaft hat. Die sunnistischen Islamisten dort haben ihre Glaubensbrüder über das zentralasiatische Land bis in die russischen Krisengebiete geschmuggelt. Wahrscheinlich ist, dass dies mit dem Wissen der dortigen Regierung von Aserbaidschan geschah. Und wenn es ohne das Wissen der Regierung geschah, zeugt dies nur von ihrer Unfähigkeit. Aber das rohstoffreiche Land boomt derzeit, was auch bei der deutschen Bundesregierung wohl für große Augen gesorgt hat. Ähnlich wie Georgien wird der sunnitische Staat von den westlichen Mächten hofiert und umgarnt. Es gilt, was Peter Scholl Latour einst so treffend festgestellt hat. Aus der gigantischen Einöde des asiatischen Russlands drängt der Islam langsam, aber stetig nach Westen vor. Einst herrschten muslimische Reitervölker über das Land der Rus, ehe Ivan der Schreckliche sie verjagte und die Stadt Kazan für die Orthodoxie in Besitz nahm.

Heute drückt eine beständig wachsende demographische Masse von über 20 Millionen Muslimen im Osten der Großmacht auf das alte Reich der Russ. Das Emirat in den Grenzen Russlands; es wächst und gedeiht. Und doch – Kazan vereint russische Orthodoxie und Islam miteinander, bisher verhältnismäßig friedlich. Die Stadt vermittelt nicht den Eindruck, Teil eines globalen Kampfes zu sein. Aber man darf ahnen und vermuten, dass sich dies alsbald auch ändern kann. Vorbei sind die Zeiten, wo Kossaken durch die Straßen des Zarenreiches ritten.

 

 

 

 

Quelle:

Russia’s Islamic Threat

The Coming of the Russian Jihad: Part I

Foto: Mikhail Evstafiev

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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