Der Held des Lichtes als Mythos des Mann-Seins

Seit Urtagen erzählen sich Menschen Geschichten. Vermutlich haben sich die Menschen schon an den Lagerfeuern in der Höhle Mythen und Sagen erzählt. Der Mensch erforscht sein Selbst durch die Geschichte, das Gleichnis, den Mythos. Auf diese Weise vergewissern wir uns unserer Ideale, wir spornen uns an, nach höheren Dingen zu streben. Wir geben uns selbst Hoffnung, spiegeln in den Mythen und Legenden die hellen und dunklen Seiten unseres Charakters, um Beispiel und Leitung zu geben. In diesem Gedanken standen die Sagen und Mythen der Vergangenheit, und so wirkt prinzipiell auch die moderne Unterhaltung. Wir folgen einer Geschichte ja nicht allein aus Langeweile, sondern weil sie zu uns spricht. Wenn wir die Geschichte von Odysseus lesen, das Theaterstück um König Lear, die «Star Wars»-Filme heute, das alles sind mythische Gleichnisse, in denen wir unsere dunklen und lichten Seiten ansehen, fokussiert und erhaben. In dieser Tradition sehe ich durchaus auch die modernen Erzählungen. Sie machen uns Hoffnung. Die Heldenfiguren sind uns Beispiel und Ansporn, so wie die Schurken uns abschreckend vor Augen sind. Jahrtausendelang ragte hier eine Figur gerade für uns Männer als Beispiel heraus: die archetypische Figur des lichten Helden.

Was für Geschichten sich Menschen erzählen, das sagt etwas über ihre Kultur aus. Solche Geschichten, ob große Sagen oder kleine Geschichten, können uns ermuntern, anspornen und inspirieren. Aber, und das ist die Kehrseite: negative, nihilistische Geschichten können uns ebenso sehr herunterziehen, uns entmutigen. In den Jahren meines Meditations-Trainings hat man mir beigebracht, darauf zu achten, wie meine alltäglichen Fantasien sind, denn wenn wir im Kopf immer negative Gedanken abspielen, dann ziehen wir uns herab. Im Alltagssprachlichen hat sich das als «positiv denken» niedergeschlagen, auch wenn es als Slogan etwas vereinfacht ist, ist es doch bedeutsam. Wenn wir jeden Tag nihilistische, herabziehende Geschichten konsumieren, die uns sagen, es ist alles vergeblich, alles ist mausgrau und ein sinnloses Einerlei, dann ändert sich auch unser Denken nach und nach. Denken sind Bahnen im Geist, die man allmählich gräbt, und die Vorstellungen passen sich dann an. Daher bin ich davon überzeugt, dass es wichtig ist, darauf zu achten, was für Geschichten wir uns erzählen, und was wir konsumieren.

Negative Unterhaltungskultur

Ich lasse es jetzt mal dahingestellt, ob das Absicht ist, aber wenn wir unsere moderne Unterhaltung ansehen, dann finden wir fast durchgehend die Zerstörung des Mythos des «Lichten Helden», also des positiven männlichen Archetypus. An dessen Stelle getreten sind zerbrochene Charaktere, abgefuckte Anti-Helden, Geschichten die uns die Sinnlosigkeit des Kampfes, des Strebens nach etwas Besserem eintrichtern. Geschichten voller moralischem Relativismus, in denen der männliche Kampfgeist erstickt werden soll.

Was ist nun dieser männliche Held?

Diese Figur ist ein Streiter der Ideen von Licht, von Zivilisation, Ordnung, Recht, er beseitigt das Chaos, die Finsternis, und erschafft einen Raum, sichert einen Raum ab, innerhalb dessen sich Zivilisation entfalten kann. Der Held ist Marduk aus dem Mythos der Sumerer, welcher den Urdrachen des Chaos, Tiamat, erschlägt, und nach dessen Beseitigung eine Ordnung des Rechtes schafft, der Sicherheit, innerhalb derer sich die menschliche Zivilisation entfalten kann. So handeln Zeus, Hades und Poseidon, die Kronos besiegen, Odin, Vili und We, welche die Riesen besiegen. Er ist der pagane Urmythos, in der die Welt nicht perfekt geschaffen wird, sondern in dem Zivilisation durch eine Anstrengung, einen Kampf erworben wird, und als solche immer der Verteidigung bedarf, der dauernden Wachsamkeit.

Im Modernen sind es die Helden unserer Geschichten. Superman, die Jedi-Ritter, Gandalf der Zauberer, König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Es sind die überlebensgroßen Vater-Figuren, die als Helden jeden Jungen begeistern: die Helden der Comics, der Animes, der Videospiele und Kinofilme. Sie sind der Archetyp des Mannes als Streiter des Lichtes, des Guten, welche jedem Mann als Ideal vorschwebten, bevor die nihilistische Kultur der Gegenwart diesen Mythos zu zerstören trachtete. Dieser Held betritt die Bühne, wenn Chaos und Anarchie, Unterdrückung und Gefahr drohen. Er hat nur das Lächeln auf dem Gesicht. Seine Angst, seine inneren Konflikte verbirgt er, denn er ist derjenige, welcher anderen Mut macht, welcher andere inspiriert. Das ist der Kern des männlichen Heldentums. In alter Zeit hat man es uns beigebracht: Indianerherz kennt keinen Schmerz. Mann-sein bedeutete, die Zähne zusammenzubeißen, etwas von sich zu fordern, anderen ein Vorbild sein, und nicht ein weinerliches Bübchen, das eine Hypersensibilität kultiviert, wie es heute Mode geworden ist. Der Held lacht dem Bösen ins Gesicht. Er ist auch nicht nuanciert oder gebrochen. Als Archetyp des Lichtes ist er per se konzentriert, man könnte sagen: eindimensional. Seine Seelentiefe zeigt er nicht jedem her, sondern er wirkt als Vorbild, als Ideal. Daher verehrten die Alten ihre Helden, als Beispiel, das inspiriert. Es ging in dieser Heldenverehrung nicht um Details, nicht einmal um «Realismus», weil die Wahrheit des Helden eine zeitlose ist, eine instinktive, die den Klimmzug des Helden respektiert und ehrt, und ihn nicht mit dem Stochern in vermeintlichen privaten Marotten herabzieht.

Gesellschaft ohne Mythos

Es ist ein großer Fehler der modernen Kultur zu glauben, wir könnten nur im kalten Lichte der Vernunft leben, ohne die Inspiration des Glaubens, des Mythos, des heldischen Ideals. Man hat mit dem kritischen, kleinlichen Seziermesser alles an Idealen und Mythen zu vernichten versucht. Es rächt sich heute. Die Bundesrepublik kennt nur so einen kalten, rein intellektuellen Verfassungspatriotismus. Das dies nicht trägt und auch keinen begeistert, sieht man allenthalben am Zerfall der Gesellschaft. Den Alten waren ein Bismarck, ein Hermann der Cherusker, ein Kaiser Barbarossa mythische Helden. Natürlich, wenn man mit Vernünftelei im Leben von Menschen stochert, wird man immer Schattenseiten finden. Für intellektuelle Geschichtswissenschaft ist das eine notwendige Untersuchung. Die Menschen aber brauchen Mythen, Figuren, die überlebensgroß sind und ihnen Hoffnung und Inspiration geben, mythische Figuren ebenso wie reale. Der Held stellt sich dem Bösen, dem Chaos in den Weg, und lacht den Menschen hinter sich zu: alles wird gut, denn hinter ihm steht die Gemeinschaft, die auf Treu und Glauben aufgebaut ist, nicht die der kalten Berechnung. Das ist das Ideal, welches anspornt.

Heute aber haben wir Geschichten die uns herabziehen. Männer, die überall Loser sind. Männer als Witzfigur. Männer die weinerlich ihr Innenleben ausbreiten, dünnhäutig, hypersensibel, lebensuntauglich. Schauen wir dagegen das männliche Ideal einer vitalen Kultur an, die des Islam, dann sehen wir wieso diese Kultur so durchsetzungsfähig ist, sie ist fast spiegelverkehrt zu unserer. Wo unsere Kultur alles männlich heldenhafte verleugnet, hat die islamische Kultur dieses quasi als einziges Prinzip. Für den Muslim ist es nicht wesentlich, was die historische Figur Mohammeds tat; für ihn ist Mohammed eine mythische Heldenfigur, die reale Figur verschwindet hinter dem inspirierenden Helden der Legende. Für sie ist die kritische Betrachtung des realen Mohammed irrelevant. Er wirkt als Figur, eben weil er Mythos geworden ist, wie die anderen großen Figuren der islamischen Geschichte, wie Saladin. Die westliche moderne Kultur hat sich von diesem Quell der Inspiration durch den Mythos abgeschnitten und steht nun ohnmächtig einer Kultur gegenüber, die hier äußerst vital und viril ist. Ich entsinne mich noch, wie ich als Schüler mit Türken über ihre Kultur sprach. Sie sagten, ihre Vorfahren seien Piraten, Räuber und Warlords gewesen, aber sie berichteten von diesen mit Stolz, nicht mit Scham. Für sie waren es starke Männer, die ihr Schicksal gemacht hatten, die das Leben erobert hatten mit Kraft und List. Das war für diese Jungs kein Grund zur Scham, sondern Grund des Stolzes. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ein übersteigertes Ideal des männlichen Helden eine kritische Sache sein kann, wie jede Idee, die man zu weit treibt. Aber heute haben wir in der westlichen Kultur einen Todkrieg gegen alles Männlich-heldische, und das ist eine Form der Selbstzerstörung, weil der Mann als Held des Lichtes ein Kernmythos jeder Zivilisation darstellt. Männer sind Erschaffer, Erbauer und Verteidiger von Kultur; werden Männer kulturell kastriert, stirbt auch die Kultur.

Wenn man heute die Unterhaltungskultur ansieht, dann graust es einem. Männer als Witzfiguren und Versager. Homer Simpson als Vaterfigur des kulturmarxistischen Nihilismus. Als die starken Figuren werden durchgehend Frauen dargestellt. Die Ghostbusters wurden zu Frauen, Thor im Marvel-Comic wurde zur Frau, die neue Heldenfiguren im «Star Wars»-Mythos, beide Frauen, und auch im kommenden neuen Star-Trek-Universum (Discovery) ist es eine Heldin. Die Männer spielen nur noch im Hintergrund eine Rolle, oft die des Trottels oder Versagers. Es ist hier schwer, immer nur den Zufall am Werke zu wähnen, wenn etwas so verdichtet und penetrant auftritt. Männliche Figuren gibt es überhaupt nur als gebrochene Helden: Wolverine oder Batman, Männer als Problemfall, als Unfall, als das kaum zu Ertragende. Oder gleich nur noch als Schurke. Dagegen sind die Figuren des Mannes als Gentleman oder als Held, wie es noch ein Cary Grant und ein John Wayne verkörperten, aus dem Film völlig verschwunden. Unsere Identität ist immer zu einem gewissen Grad kulturelle Imitation. Wir erzählen Geschichten, wir bilden ein kulturelles Narrativ, und dieses wirkt auf die Identität zurück. Hier wird Jungs immer nur eingebläut, dass Junge-Sein ein Problemfall ist, dass Männlichkeit böse ist, und sie eigentlich nur verweiblicht oder eben in der zweiten Reihe erlaubt sind.

Eine Rückkehr des Helden als Streiter des Lichtes, als Verteidiger und Ritter, als Gentleman und Krieger muss keine Verengung des männlichen darstellen. Mann-Sein ist immer vielfältig. Aber ohne das Ideal des Mannes als Held, als archetypische Figur, der lernt, bei Schwierigkeiten die Zähne zusammenzubeißen, anderen als Beispiel vorangeht, anderen Mut macht und beschützt, kann eine Kultur nicht gedeihen. Man kann das männliche Prinzip in einer Kultur nicht auf Dauer unterdrücken, ohne der Zivilisation Schaden zuzufügen.

 

 


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Holger, geboren im schwäbischen Ostalbkreis, aufgewachsen in der Havelstadt Spandau. Magister für Soziologie und Geschichtswissenschaft. Er schreibt Artikel über politische, historische und philosophische Themen. In seiner Freizeit malt er Bilder und spielt Zither. Lieblingsfilm:V for Vendetta

3 thoughts on “Der Held des Lichtes als Mythos des Mann-Seins

  1. Hallo Holger,

    Das ist etwas was mir in den letzten Jahren im Unterhaltungsfernsehen auch immer wieder aufgefallen ist. Männer als Loser die von glück reden können überhaupt etwas im leben zu reissen. Als Paradebeispiel fallen mir hier die ganzen romantischen Komödien ein die immer nach den gleichen Muster ablaufen:

    Mann ist ein Loser der sich durch das Leben mogelt. Mann trifft starke Frau die nicht in seiner „Liga“ spielt und verliebt sich. Nun Unternimmt Mann alle möglichen peinlichen und unterwürfigen Aktionen um von seiner angebeteten wahrgenommen zu werden…. Am ende lässt sich die Dame dazu herab mit dem Mann zusammen zu leben.

    So unterhaltsam wie das in einem Film sein mag, es lässt vor allem Männer wie Idioten dastehen. Da beklagen sich Frauen wenn Sie von keinem vernünftigen Mann mehr angesprochen werden? Wie in deinem schönen Text beschrieben fehlt es an Vorbildern in der westlichen Gesellschaft.
    Wer etwas mehr darüber erfahren möchte dem kann ich nur die Bücher von Maximilian Pütz ans Herz legen. In diesen geht es zwar Hauptsächlich um Datingtips aber es enthält viele Beispiele wie sich das Leben zwischen Mann und Frau verändert hat. Männer werden von der westlichen Gesellschaft zu Feiglingen ohne Rückgrat und Weicheiern gemacht während Frauen auf ein Podest erhoben werden.

    1. Das ist etwas, das ich immer wieder als Geschichten höre. MICH würde ja mal brennend interessieren was die Frauenschaft in Deutschland so dazu meint? Gefallen ihnen die Weicheier? Das würde ich mal gerne hören.

  2. „Heute haben wir in der westlichen Kultur einen Todkrieg gegen alles Männlich-heldische, und das ist eine Form der Selbstzerstörung, weil der Mann als Held des Lichtes ein Kernmythos jeder Zivilisation darstellt. Männer sind Erschaffer, Erbauer und Verteidiger von Kultur; werden Männer kulturell kastriert, stirbt auch die Kultur.“
    Top formuliert, ist genau das was ich denke.

    Ist auch der Grund, wieso der „nette Mann“ fast nie Frauen abkriegt.. weil der „nette Mann“ (strikt abzugrenzen vom lieben Mann!) zwar den angesagten intellektuellen Normen entspricht, aber einfach nicht männlich wirkt (und es vllt auch einfach nicht ist?).
    In Wirklichkeit wünschen sich die meisten Frauen starke Männer, die ihnen sagen, wos lang geht!
    Muss ja immer wieder schmunzeln, wenn meine Freundin wieder bemerkt, dass ich als Soldat eigentlich nicht in ihren Freundeskreis und Wertekodex (sie hasst die Bw) passe und sie dann überlegt, wieso sie auf mich steht.. „weil ich auf starke Männer stehe“ ist dann ihre Antwort an sich selbst 😀

    Und auch in einem anderen Bereich verhält es sich ähnlich – da das momentane Deutschtum nicht mehr über Helden definieren möchte, ist es als Leitkultur auch so unattraktiv für Migranten. Denke das ist einer der Hauptgründe, wieso sich zB viele „Deutschrussen“ als Russen geben und die Nationalsozialisten mögen.. weil die einfach schneidiger wirkten!

    Und auch an der Uni.. hab mal spaßeshalber die Liste von ner Genderringvorlesung angeschaut.. der Mann erscheint da entweder als Feind oder als Witzfigur. Oder beides. Ekelhaft!

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