Die Türkei spielt mit der Büchse der Pandora

Pro-Erdogan Protestler stürmen das niederländische Konsulat in Istanbul, hissen die türkische Fahne und rufen «Allahu Ackbar!»

Es gibt keine Möglichkeit, wie man diese Symbolik und Rhetorik missverstehen könnte. Die Ironie ist unübersehbar für uns hier, wenn ein türkischer Vertreter die Niederlande als «Hauptstadt des Faschismus» bezeichnet. Noch sind die Niederlande von einer regressiven linksorientierten Regierung gelenkt, und das Land gehört wohl zu den liberalsten Nationen der Welt. In den Niederlanden können Sie einen Bong rauchen, sich von einer Sexarbeiterin halböffentlich beglücken lassen und die Polizei würde ihnen dabei zusehen, vielleicht sogar noch verschmitzt grinsen. Homoehe, Genderideologie, Multikulturalismus und Islamfreundlichkeit gehören seit vielen Jahrzehnten schon zum Programm der niederländischen Regierung. Zusammen mit Frankreich, Schweden, Großbritannien, Belgien und Deutschland gehören die Niederlande zu den Staaten, welche Migranten aus der islamischen Welt aufgesaugt haben, wie trockene Schwämme. Laut offiziellen Census leben etwa 400.000 türkischstämmige Personen in den Niederlanden. Gemessen an der Gesamtbevölkerung von 16 Millionen also eine beachtliche Zahl.

Es gehört eine beachtliche Portion Dummdreistigkeit dazu, wenn man die Niederlande als faschistischen Staat bezeichnet, während der eigene Präsident Erdogan das Staatssystem der Türkei so umbauen will, sodass er in Personalunion als Staatsoberhaupt und Regierungschef herrschen kann. Palpatine bzw. Hitler wären stolz auf diesen Umgang mit dem Putsch, welcher der AKP uneingeschränkte Macht im Land beschert hat. Unter dem Vorwand der Abwehr innerer Verräter wird mobil gemacht gegen Presse, Opposition und das Ausland, welches vor der neo-osmanischen Großmacht knien soll. Das ist, ganz unverholen, die Botschaft der in Syrien Krieg führenden Regionalmacht Türkei, welche dort die turkstämmigen Völker unterstützt, die Kurden jagt, und den syrischen Truppen versucht das Wasser abzugraben.

Niemand darf überrascht von dieser Entwicklung sein, die nicht nur wir, sondern viele bereits im Vorfeld prophezeit haben. Die Türkei auf dem Weg zu einer religiös-militärischen Autokratie, die in alter Großmannssucht versucht die Glorie des osmanischen Reiches wiederherzustellen.  Auf dem Balkan werden Millionen investiert, um die muslimischen Volksgruppen dort als Sprungbrett nach Kontinentaleuropa zu benutzen, während die Auslandstürken immer noch als Eigentum wahrgenommen werden. Bereits in den Jahrzehnten zuvor kündigte sich doch an, dass die AKP und ihr Führer kein Interesse an einer weiteren Verschmelzung ihrer Auslandstürken mit den europäischen Völkern wünschen. Integration hieß nur, dass die der AKP hörigen Türken sich invasiv in der Gesellschaft engagieren sollen. Sie müssen Einfluss gewinnen und dürfen sich auf gar keinen Fall assimilieren.

Wer nicht in das nationalistische Geschrei einstimmt, ist kein wahrer Türke. Überhaupt sollte man sich daran erinnern, dass Erdogan die Blutsreinheit eines Abgeordneten angezweifelt hatte, weil dieser sich untürkisch über die Politik der AKP geäußert hatte. Es wurde kein Geheimnis daraus gemacht, dass die neue Linie nicht Anpassung, sondern Konfrontation mit Europa sein sollte. Das neue Selbstbewusstsein der Türkei ist religiös und nationalistisch. Und viele Türken wünschen sich diese Politik auch. Dieser Wunsch schlägt sich in allen Wahlergebnissen wieder. Man kann nicht behaupten, dass Erdogan kein Volkspräsident ist. Er ist es. Aber eben nur für die neuen Osmanen. So bin ich nicht, dass ich sage, dass man den Türken keine nationale Größe und Glorie zugestehen sollte. Aber wenn eine europäische Botschaft quasi im Namen des Islams besetzt wird, während Hunderttausende Türken in Deutschland, Österreich und Niederlanden auf die Straße gehen, um ihrem Volksanführer zu huldigen, überschreiten wir hier den Rubicon.

Und dann schreibt ein AKP höriges Presseportal, dass die Niederlande nur 48.000 Soldaten haben, während dort doch 400.000 Türken leben. Die wahnwitzige Implikation ist der gewaltsame Umsturz, eine Drohung, gerichtet an einen NATO-Partner. Die ganze Absurdität dieses Szenarios wird deutlich, wenn man sich ansieht, dass die Zahlen in Ländern wie Österreich oder Deutschland nicht unähnlich sind. Da werden die Auslandstürken als Druckmittel benutzt, als fünfte Kolonne, ob sie nun wollen oder nicht. Ich bezweifel stark, dass 400.000 Türken bereit wären für Erdogan in einen ethnischen Bürgerkrieg mit den Europäern zu treten. Nicht alle eben, aber viele. Es sind eben doch große Massen, deren Loyalität nicht in ihren europäischen Gaststaaten, sondern in Anatolien liegt. Das verüble ich ihnen nicht, sondern kann dann nur aus ganzem Herzen gute Heimreise wünschen.

Die Türkei sollte vorsichtiger in ihrer Rhetorik und ihren Aktionen sein. Wer ständig von Krieg, Kampf, Blut und Rasse spricht, wird sich vielleicht in genau so einer zerstörerischen Welt wiederfinden. Ein Politiker der Türken zeigte vor Kurzem den Wolfsgruß der faschistoiden Grauen Wölfe, die auch in Deutschland sehr aktiv sind.  Ich erinnere mich gut daran, wie in NRW kürzlich Hunderte von türkischen Nationalisten dieser Vereinigung martialisch posierten und von der Eroberung des Ruhrpotts faselten. Da wird aktiv vom Bürgerkrieg geträumt, in dem Glauben, dass man diesen gewinnen wird.

Erdogan und seine Minister spielen mit der Büchse der Pandora. Einmal geöffnet, lässt sie sich nicht wieder schließen. Es ist wie der Ritt auf dem Tiger. Mit dieser heißen Kriegsrhetorik und Propaganda gegen die vermeintlichen Feinde im Ausland, heizen sie eine Stimmung an, die möglicherweise in einiger Zeit eine ganz eigene Dynamik entfalten könnte.

«Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.»

Europa muss endlich verstehen, dass das nicht mehr ein Partner für unsere Länder ist. Die Türkei unter Erdogan, und ich meine damit unter der derzeitigen Regierung, ist kein potenzieller Kandidat für die EU-Mitgliedschaft. Wenn wir ihre Aktionen und ihre Sprache der letzten Jahre ansehen, dann sehe ich hier keinen Verbündeten, sondern einen Feindstaat. Die Türkei Erdogans verhält sich feindlich.

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

4 thoughts on “Die Türkei spielt mit der Büchse der Pandora

  1. Ja aber das wollen unsere dummen Politiker nicht wahr haben. Auch der SPD-Kanzlerkandidat Schulz möchte eine weitere Partnerschaft mit der Türkei UNTER Erdogan. Lächerlich!

  2. Merke(l) in der Falle – öffnet die Türkei ihre Grenzen … …
    Bekommen WIR … „Geschenke“ – wertvoller als Gold…- in Massen geschenkt …

    Auch die Visa-Freiheit für die Türkei birgt die Gefahr noch mehr Streitpotenzial aus der Türkei zuzulassen.

    Türken gelten als stolzes Volk – Deutsche als Verlierer …

    Holland hat richtig gehandelt – hat klar gemacht das unerwünschtes Gebahren nicht zugelassen wird !

    Ich weiß nicht warum A.Merkel tickt wie sie tickt – einerseits will sie die “ starke“ EU …
    – andererseits schwächt sie diese in erheblichem Maß.

    ALLES in ALLEM schlicht IRRE !!!

  3. Der Erdogan benimmt sich wie ein durchgeknallter Diktator !
    Er verdreht Tatsachen, fördert den Terror in Syrien und erklärt indirekt den Krieg gegen Europa.

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