Kein Wille das Land zu verteidigen? „Stell dir vor es ist Krieg und er kommt zu dir“

 

WIN/Gallup hat über 62.000 Menschen weltweit in 65 Ländern befragt: Würden Sie für Ihr Land kämpfen? Die Ergebnisse überraschen mich ganz und gar nicht, sind aber doch sehenswert.

Mehr als 70% der Chinesen würden im Kriegsfall ihr Land und ihr Volk verteidigen. Bei Vietnam, Indien und Pakistan sieht es ganz ähnlich aus. Bis auf Südkorea und Japan, hochindustrialisierte Gesellschaften nach Modell des westlichen Globalismus. Ein Blick nach Westeuropa zeigt eine gänzlich andere Verteilung in der Statistik auf. Deutschland bildet das Schlusslicht in Europa, dicht gefolgt von Ländern wie Schweden, Spanien, Italien, Großbritannien und Frankreich. In Osteuropa, vor allem in Russland, geht die Prozentzahl teilweise wieder hoch. Interessanterweise ist die Willigkeit in Ländern außerhalb Westeuropas generell immer höher. Vor allem muslimische, afrikanische und asiatische Nationen tun sich hier hervor, wo der Wille zur Landesverteidigung anscheinend Normalität ist.

Nun habe ich zu viele Bemerkungen von Deutschen und anderen Europäern zum Thema Krieg, Kämpfen und der Verteidigung des Eigenen gehört, als dass ich nicht um deren Argumentation wüsste. Vor allem ein Kommentar taucht immer wieder auf. Das Argument, dass es in Europa ja mehrere Weltkriege gegeben hätte, die so viele Opfer gefordert haben, hängt mir zum Halse heraus. Daher sei hier im Lande die Willigkeit zum Kämpfen geringer als anderswo. Quasi seien die anderen Nationen einfach zu blöd um zu verstehen, dass kämpfen immer doof ist. Nur die Europäer hätten aus den katastrophalen Kriegen der Vergangenheit gelernt und dies sei der Grund, warum wir dem Kämpfen generell abgeschworen haben. Also sei die Geisteshaltung der Europäer und vor allem der Deutschen eine natürliche Konsequenz aus dem Weltkrieg, die nicht anders zu erklären sei, als durch eben diesen.

Diese Argumentation klingt zunächst nicht ganz unschlüssig. Europa erlebte wirklich zwei grauenhafte Weltkriege, und es gibt wohl keine Familie, die nicht darunter irgendwie gelitten hat. Auf den Leichenbergen von Verdun, Stalingrad, Berlin und so weiter schwebt ein Damoklesschwert. Nie wieder Krieg in Europa ist etwas, was ich gerne unterschreibe.

Aber wenn ich ganz genau bin, muss ich diese Argumentation doch demontieren. Denn sowohl China als auch Vietnam, Pakistan, Indien und die muslimischen Nationen der Levante oder des Mittleren Ostens haben die Weltkriege miterlebt. Sie waren oft in ähnlich verherrende Konflikte verwickelt, die sich unmittelbar vor, während, oder nach den Weltkriegen ereigneten. Beispielsweise kämpfte China fast 50 Jahre lang fast ununterbrochen mehrere Bürgerkriege mit Beteiligung von etlichen Fraktionen, gestört immer wieder von japanischen Invasoren. Viele Millionen Menschen starben. Ähnlich in Vietnam, dessen Indochinakrieg, bekannt als Vietnamkrieg, nicht erst mit den Amerikanern begann, sondern schon in den 40-50er Jahren losgetreten wurde. Erst gegen die Japaner und Franzosen. Dann nur gegen die Franzosen und später gegen die Amerikaner, und danach nochmal gegen die Chinesen. Ganze Generationen, Millionen Menschen, wurden getötet. Auch Indien und Pakistan führten mehrere brutale Kriege gegeneinander. Tatsächlich geht ihr Schattenkrieg gegeneinander ungestört weiter. Kaschmir bleibt eine umkämpfte Region, wo sich islamische Milizen, gestützt von Pakistan, mit indischen Soldaten schlagen.  Da sterben jährlich auch Hunderte und fast niemand berichtet darüber. Der Wille, für das Land zu kämpfen, ist dort ungebrochen.

Und Russland? Hat Russland nicht auch Schreckliches in beiden Weltkriegen erlebt? Gerade die Russen, welche besonders hart getroffen wurden, müssten doch eigentlich dazugelernt haben. Wenn ein innerer Pazifismus, eine Waffenlosigkeit, sowohl geistig als auch körperlich, die logische Konsequenz des Krieges wäre, müsste doch gerade Russland eine niedrige Willigkeit zum Kämpfen aufweisen.

Das Gegenteil ist aber der Fall. Man möge mir verzeihen, wenn ich also zu dem Schluss komme, dass es nicht allein die Weltkriege und Kriege im Allgemeinen sind, welche den Kampfeswillen in den Völkern reduzieren. Oder blicken wir nach Israel, wo die einzige ernsthafte Konsequenz aus dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg diese war: »Wir müssen uns verteidigen. Wir müssen immer verteidigungsbereit sein.«

Somit wären die Westeuropäer die einzige Gruppe, die eine andere Schlussfolgerung aus den Kriegen der Vergangenheit gezogen hat als die anderen Völker dieser Erde. Allein die Niederlage im Krieg macht noch keinen gesellschaftlichen Pazifismus. Die Briten, Schweden und Franzosen bzw. andere Nationen Westeuropas, leiden am selben Mangel an Verteidigungswillen. Obwohl diese sicherlich zu den Siegern bzw. Neutralen des letzten großen Krieges gezählt werden könnten.

»Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin« ist der Satz, den wir wie ein Mantra zu hören bekommen. Theoretisch würde es wohl stimmen, dass dann kein Kampf zustande kommt, wenn keiner hingeht. Aber wie wäre es mit diesem Satz hier: »Stell dir vor es ist Krieg und er kommt zu dir.«

Was wäre denn, wenn auch nur EINER dem Krieg nicht abschwören würde, während es alle anderen tun? Einer, der sich dem Gebot der Friedfertigkeit nicht unterwirft, sondern beschließt, dass er die Wehrlosigkeit der anderen Teilnehmer ausnutzen wird? Die Implikation ist, dass wir dann vor dem Problem stehen, dass der EINE der einzige Realist sein könnte, während die anderen alsbald zu den närrischen Träumern der Vergangenheit gehören.

Prägung durch Erziehung, Kultur und Medien

Womöglich gibt es andere Gründe für die mangelnde Bereitschaft zur Landesverteidigung. Ich stelle hier die These auf, dass wir genauer auf die Erziehung der jungen Generationen, das kulturelle Klima und den gesellschaftlichen Umgang in einem Land mit der Gewalt an sich näher unter die Lupe nehmen sollten. Denn in diesen Feldern finden wir meiner Ansicht nach am ehesten Erklärungen für das verkümmerte westeuropäische Verteidigungsbedürfnis. Wenn wir bei der Erziehung der Jüngsten in Deutschland und generell Westeuropa beginnen, so sehen wir doch den Hang der Erzieher, jegliches Aufkeimen von Gewalt, egal ob verbal oder körperlich, im Keim zu ersticken. Timmy, Jonny und Friedrich dürfen sich nicht auf dem Schulhof prügeln! Da echauffierten sich vor einiger Zeit die Lehrkörper einer amerikanischen oder britischen Schule darüber, dass ein Junge sich gegen seinen Mobber gewehrt hatte, indem er ihn ZURÜCKschubste. Also sich körperlich gegen das Mobbing zur Wehr setzte. Ich erinnere mich gut an die Mediationsstunden in meiner eigenen Schulzeit, die man einberufen hatte, wenn es zu körperlichen Disputen auf dem Schulhof kam. Elterngespräche, Sanktionen und der mahnende Zeigefinger. Du, du, du! Da gibt es übrigens auch die Kluft zwischen neudeutscher Gutmenschen-Pädagogik und der alten Lehre der hauptsächlichen muslimischen Elternhäuser unserer ausländischen Kinder. Ich kann mich nicht erinnern, dass Ali ein Problem damit hatte, seine Faust als Argumentverstärker einzusetzen, wenn er sich Respekt verschaffen wollte. Ich sage jetzt nicht, dass man das immer tun sollte. Aber womöglich, das ist jetzt für manche wohl schon zu viel, ist es auch nicht gut, wenn man IMMER auf Gewalt verzichtet. Da gibt es ein schönes Video von einem deutschen Schulkind, dass von ein paar anderen Kindern (Migrationshintergrund) so richtig schön drangsaliert und geschlagen wird. Die anderen Kinder lachen sich über die Apathie und Wehrlosigkeit des deutschen Kindes eins ins Fäustchen. Aber warum handelte unser Kevin so, wie er handelte? Vermutlich hat er es nicht anders gelehrt bekommen. Mama, Papa, Fernsehen, Schule, Lehrer, Kindergarten und so weiter: »Gewalt ist immer schlecht!«

Oder so: Wehr dich bloß nicht, Kevin! Wirf dein Gesicht einfach solange gegen die Faust des anderen, bis er keine Lust mehr hat!

Überspitzt gesagt wäre sie vor allem für jene schlecht, die Empfänger dieser Gewalt sind. Zum Beispiel die jesidischen Mädchen, die man mit Äxten enthauptet und in eine Grube geworfen hat. Gerettet wurden nur jene Jesiden, die sich mit Gewalt zur Wehr gesetzt haben. Ein drastisches Beispiel, welches ich nur ungern anwende, jedoch meinen Punkt recht deutlich machen sollte.

Und dann lassen Sie uns einen Blick in die Medien- und Kulturlandschaft werfen. Figuren wie Joko & Klaas, Conichita Wurst und metrosexuelle Hipster werden uns als Vorbilder für junge Menschen vor die Nase gesetzt. Wer heute Westernhelden und kernige Männercharaktere für respektabel hält, macht sich sofort verdächtig. Gewaltszenen im deutschen Fernsehen, und sei es nur der Axthieb eines Orcs aus Mittelerde, wenn man wieder Herr der Ringe im Nachmittagsprogramm läuft, wird rausgeschnitten. Kein Spielfilm lässt sich mehr ansehen, ohne das die deutsche Zensurmaschine tätig wird und jeden Anflug von Schmerz und Blut herausnimmt.

Nicht grundlos lehnen ostasiatische Länder den kulturellen Einfluss des Westens zunehmend ab und empfinden ihn als gefährlich. In einem Sankt Petersburger Nachtclub wurden einige russische Frauen letztes Jahr von einer Gruppe orientalischer Männer belästigt. Es endete in Russland damit, dass der halbe Club sich zusammenrottete und die Grapscher mit Tritten und Faustschlägen ins Krankenhaus beförderte.

In Deutschland rufen Gestalten wie Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl(CDU) das Volk dazu auf, sich bitte bloß nicht gegen Vergewaltiger zu verteidigen und  Selbstverteidigung üben!

Und da hat der Neo-Feminismus mit der Abwertung männlicher Beschützerideale wohl ein Eigentor eingefahren, als in der Kölner Silvesternacht jene Beschützer nicht großartig in Erscheinung getreten sind. Da fleht die Autorin eines Huffington-Post Artikels im Nachhinein : »Männer! Zeigt Stärke! Ihr könnt das!«

Tatsächlich hieß es vor ein paar Jahren doch noch, dass die Frau von heute alles alleine kann und sowieso die Rolle des Beschützers sich überlebt hat. EMMA ist daran nicht unschuldig, auch wenn sie heute mit dem invasiven Chauvinismus aus Nahost kritischer umgeht. Es macht eben doch einen Unterschied, wie groß der Bizeps ist.

In dieser Gesellschaft wird Zivilcourage allerdings viel zu oft bestraft. Da kommt mir der Fall einer verhinderten Vergewaltigung in den Sinn, wo das beherzte Eingreifen eines Mannes zwei Frauen vor sexueller Gewalt bewahren konnte. Dabei verletzte er den Angreifer leicht am Fuß und ein deutsches Gericht sprach ihn dafür schuldig. Körperverletzung. Ich glaube, dafür lege ich meine Hand aber nicht ins Feuer, dass er sogar härter bestraft wurde als der fast-Vergewaltiger. Der konnte seine Tat ja nicht vollziehen.

Irre. Eine mögliche Mehrheit der Westeuropäer ist nicht in der Lage, das eigene Leben bzw. das des Partners zu verteidigen. Wie kann man von solchen Menschen verlangen, dass sie ihr Land verteidigen?

 

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

4 thoughts on “Kein Wille das Land zu verteidigen? „Stell dir vor es ist Krieg und er kommt zu dir“

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