Dein Vaterland

Vor einer Weile schon unterhielt ich mich mit einem jungen Mann aus Sachsen. Lukas und ich sprachen über unser Nationalverständnis, unser aller Vaterland, Rassismus, Denunziantentum und die großen Probleme unserer Generation.

 

YG: Hallo Lukas, und schön, dass wir die Zeit gefunden haben, uns mal zu unterhalten.  Wir sprachen ja schon im Vorfeld ein wenig über dich. Deine Mutter ist Deutsche, dein Vater ist es nicht? Erzähl mal ein wenig über die beiden.

Lukas: Guten Tag, ja, das stimmt so weit. Und über meine leiblichen Eltern gibt es gar nicht so viel zu berichten, da ich nicht bei ihnen groß geworden bin. Dennoch kann ich kurz etwas dazu sagen. Mein Vater kam in den 80er Jahren in die DDR, und, um es noch genauer zu machen, nach Sachsen. Im Rahmen des Sozialistischen Austausches zwischen Mosambik und der DDR wollte mein Vater wie viele andere seines Landes in Deutschland studieren oder spezielle berufliche Erfahrungen sammeln, um später seine Heimat wieder nach dem Krieg aufzubauen. Man muss dazu wissen, dass 1977 ein Bürgerkrieg zwischen der sozialistischen Fremlio Partei, die die Regierung in Mosambik bildeten, und der demokratischen Opposition Renamo entbrannte, welcher der ohnehin schon schwachen Infrastruktur des Landes den Todesstoß gab. Der Bürgerkrieg forderte ungefähr 1 Millionen Opfer, eines davon war der Vater meines Vaters, also mein Opa. Das offizielle Ziel des Sozialistischen Austausches war es, die Menschen soweit zu schulen, dass sie in der Lage waren, nicht nur ihr Land, sondern auch einen starken Sozialismus aufzubauen. Mein Vater wollte immer zurück zu seiner Mutter und seiner Heimat, aber es sollte anders kommen. Er lernte meine Mutter kennen und sie verliebten sich. Und draus folgten mehrere Kinder, und eines davon war ich. Meine Mutter selbst hat Ihre Jugend und Kindheit in der DDR verbracht.

YG: Wie war das für dich in Deutschland und speziell in Sachsen aufzuwachsen? Ich kann mir vorstellen, dass es damals durchaus Diskriminierung gab.

 

Lukas: Entschuldigung, ich muss bei solchen Fragen immer etwas schmunzeln.

Für mich war und ist Deutschland mein Vaterland und meine Heimat bleibt Sachsen. Das ist für mich selbstverständlich, auch wenn es mehrere Menschen gibt, die mir dies aus unterschiedlichen Gründen absprechen wollen. Der Grund dafür ist meine offensichtliche Hautfarbe und die Unwissenheit vieler Menschen, wobei es heute bei vielen eher die Dummheit ist, die überwiegt. Ich hatte bereits erwähnt, dass ich nicht bei meinen leiblichen Eltern großgeworden bin, denn ich wuchs aus privaten Gründen bei Pflegeeltern auf. Diese hatten beide die DDR von Anfang bis Ende miterlebt. Sie waren überzeugt vom Sozialismus und haben diesen auch zu DDR-Zeiten unterstützt. Ich würde sagen, dass ich in einem kommunistischen, aber dennoch konservativen Elternhaus großgeworden bin. Ich sage deswegen Kommunismus, da das Thema DDR für mich und meine Pflegeeltern immer wieder zur Sprache kam und für Diskussionen oder Erkenntnisse gesorgt hat.

Sie waren sehr liebevolle, aber auch beherrschende Menschen und haben mir Werte vermittelt, die mich heute zu dem Menschen machen, der ich bin. Bis zu meiner Grundschulzeit war soweit alles gut gewesen, auch wenn es im Kindergarten schon die ersten schiefen Blicke gab und den einen oder anderen, der mich fragte, warum ich denn so aussah wie ich aussah!

Die Grundschulzeit war für mich der Horror. Ich war das erste dunkelhäutige Kind auf meiner Schule und wurde von allen Klassen gemobbt, geschlagen, getreten, bespuckt und verhöhnt. Viele Beleidigungen bezüglich meiner Hautfarbe musste ich hören. Und was heute noch nachhallt und mich als Kind besonders traf, war die Aussage: «Ich solle zurück in meine Heimat gehen.»

Eine Aussage, die mich sehr befremdete, da ich nicht sie verstand und am Anfang gern zur Schule ging und mich sah und fühlte wie all die anderen Kinder. Man muss dazu sagen, dass ich in einer Zeit zur Schule ging, in der es gerade einen sehr starken Rechtsruck vor allem in Mitteldeutschland gab. Es war Mode geworden ein «Nazi» zu sein, und ich erinnere mich zu gut daran, wie Springerstiefel in der Schule getragen wurden. Ich weiß, dass diese Zeit mich sehr stark geprägt hat, und alles zu erzählen würde auch zu lange dauern.

Aber nun zum Positiven. In dem Ort, wo ich groß wurde, gab es zwei Schulen, die an sich nichts miteinander zu tun hatten. Man einigte sich darauf, dass auf die eine Schule alle Kinder von der 1.-4. Klasse gingen und alle anderen von der 5.-10. auf die andere. Somit wechselte ich zu Beginn der dritten Klasse die Schule. Ab da war es besser, denn dort gab es wachsame Lehrer und keine höheren Klassen, die andere Klassen zu Untaten anstacheln konnten, zumal ich dort selbst zur hohen Klasse gehörte. Nach der vierten Klasse wechselte ich wieder zurück auf meine alte Schule und besuchte diese bis zu meinem Abschluss. In dieser Zeit war die Naziwelle wieder abgeschwellt, und auch war ich nicht mehr das einzige Kind mit «Migrationshintergrund» auf der Schule. Wobei ich unterstreichen möchte, dass ich dieses Wort nicht selbst benutzte und auch ablehne, da es für mich auf sehr vielen Ebenen einfach falsch ist. Ich lernte Freunde kennen und konnte mich überall ohne Angst frei bewegen. Man schafft sich ein dickes Fell an, und klar gab es immer wieder Sticheleien und auch Anfeindungen. Aber dies ist kein rein sächsisches Phänomen. Besonders die Menschen in meinem Ort waren sehr freundlich, und auch heute noch besteht zu einigen ein guter Kontakt. Sei es der Bäcker, der einen seit der Kindheit kennt, oder der Eismann im Ort.

YG: Ich kenne die Berichte, die allermeisten davon sehr seriös, die aus dieser Zeit erzählen und von dem angesprochenen rechtsextremen Ruck nach der Wende ein Bild abgeben. Dabei handelt es sich ja eben nicht um Märchen, sondern um teilweise echt schreckliche Verbrechen. Da entstand nicht umsonst das Bild des hässlichen und bösen Stiefelnazis, der Menschen, die er als fremd empfindet, einen Bordsteinkick gibt. Die Stiftung von Anetta Kahane beruft sich ja auch auf den Terror dieser Zeit. Das hallt ja bis heute noch nach, wenngleich die Zeiten sich geändert haben und diese gewaltbereiten Neo-Nazis zwar noch existieren, jedoch wesentlich weniger öffentlich sind und auch weit weniger Schlagzeilen machen. Daher auch der krampfhafte Versuch von Links und vom Mainstream, in jedem Konservativen oder vaterländischem Patrioten einen Nazi zu sehen. Sie finden die altrechten Neo-Nazis von damals einfach nicht mehr so häufig vor und suchen ein Ersatzfeindbild.

Was das Wort «Migrationshintergrund» angeht, bin ich auch der Meinung, dass es zu ungenau ist und teilweise zu Fehldeutungen einlädt.

Ich habe auch teilweise sehr demütigende Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Da frage ich dich jetzt aber, warum du es trotzdem vollbracht hast, dich als Patriot zu verstehen, der sein Land und das deutsche Volk liebt und schützen will. Warum keine Abwehrhaltung, keine verständliche Anti-Reaktion? Viele Linke bzw. Mainstream-Menschen, die ich kenne, handeln aus einem emotionalen Reflex heraus. Ihre Ablehnung des Deutschen speist sich aus der negativen Erfahrung mit Neo-Nazis. Eine Freundin von mir kommt zum Beispiel aus Sachsen, aus einem kleinen Dorf, wo es wirklich eine starke Szene gab. Für Sie als Deutsche bot sich dann tagtäglich ein ziemlich negatives Bild von Reichsflaggen schwingenden, Sonnenrad tragenden und emotional brutalisierten Männern, die Vaterlandsliebe mit Rassenwahn, Hitlerkult und »Deutschtümelei« verwechseln. Ganz natürlich entwickelte sie einen Abwehrreflex gegen alles, was nur irgendwie mit Patriotismus zu tun hat.

Ein anderer, den ich kenne, ist Deutscher und war es immer gewesen, hat aber leicht ovale Augen. In seinem Heimatdorf in Westdeutschland war das schon Grund genug, dass man ihn deswegen rassistisch mobbte und als «Polen» bezeichnete und mobbte. Ein sehr kluger Kopf und nicht links, aber eben keiner, der für Deutschland in die Bresche springen würde. Einfach weil seine Erfahrung ihn geprägt haben und er eine emotionale Ablehnung aufgebaut hat. Man hat ihm die Heimat mies gemacht.

Warum also keine Anti-Haltung? Sie wäre doch verständlich.

Lukas: Zunächst möchte ich ein paar Worte zu Anetta Kahane und Ihrer Amadeu Antonio Stiftung verlieren. Für mich ist diese Frau eines von so vielen Beispielen von Heuchelei und Nihilismus unserer Zeit, aber auch des Systems in dem wir leben.

Die Stiftung dient nur einem Zwecke, und zwar der Selbstdarstellung und der Verunglimpfung Andersdenkender in der BRD. Es ist schon wirklich erstaunlich, dass eine Frau, die bei der Stasi aktiv war, solch eine Stiftung überhaupt leiten und verwalten darf. Aber es ist kein deutsches Phänomen, dass Menschen aus einem alten System in ein neues übernommen, ja sogar geradezu umworben werden. Denn Menschen, die Erfahrungen darin haben, Andersdenkend egal welcher Art zu unterdrücken und zu brechen, werden immer gebraucht, um Macht und Stärke des neuen Systems zu sichern und zu demonstrieren. Das bedeutet nicht, dass Anetta Kahane sich nicht geändert haben kann oder hat. Ich finde, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient. Aber bei ihr ist mein Gefühl da nicht so ausgeprägt. Dem liegt folgendes zugrunde: An dem Tag, an dem Amadeu Antonio ermordet wurde, waren mehrere Polizisten in unmittelbar Nähe anwesend, die nicht eingeschritten sind, und es somit nicht (nur) ein grauenhafter Mord von rechten Skinheads und Jugendlichen, sondern auch ein Versagen des Staates und frisch wiedervereinten BRD war.

Dies weiß ich durch Erzählung eines Freundes, dessen Vater bei der Tat mit dabei war und verurteilt wurde. Der Schock saß natürlich tief und ist berechtigt. Dennoch erfolgte keine wirkliche Aufarbeitung über die Frage, welche Rolle der Staat in Form der Polizei gespielt hatte. Es wurden Haftstrafen verteilt, und es erfolgte die Gründung der eben schon erwähnten Stiftung. Wenn man sich die Todesopfer vor 1990 im damaligen Westdeutschland anschaut, fällt auf, dass es eben rechte Gewalt und Mordtaten nicht erst seit der Wiedervereinigung gab, und diese auch nicht ein reines «ostdeutsches» Problem unserer Zeit darstellen. Keine rassistisch motivierte Mordtat, ob in der DDR oder BRD, ist mehr oder weniger schwer zu wiegen und schon gar nicht zu relativieren oder gar in politische Kampfbegriffe umzudeuten.

Denn anscheinend hielt man es 1990 nicht für so notwendig, schon da eine Stiftung zu gründen, welches ja erst acht Jahre später erfolgen sollte. Und schon gar nicht für den ersten «rechten» Mord in Westdeutschland. Und zwar war es am 22. August 1980, als die beiden Vietnamesen Ngoc Nguyen und Anh Lan Do nach einem Brandanschlag starben.

Dies soweit zu diesem Thema. Nun zurück zu deiner eigentlichen Frage. Es gibt wohl mehrere Wege, wie man eine Situation lösen oder bereinigen kann. Ich bin mir ziemlich sicher, dass, wenn ich nicht bei meinen Pflegeeltern großgeworden wäre, ich auch ziemlich schnell einen Hass gegen Deutschland und seine Kultur entwickelt hätte. Aber da meine Eltern sehr liebevoll waren und teils bewusst und unbewusst deutsche Werte lebten und in meiner Erziehung förderten, wusste ich einfach schon als Kind, dass nicht alle Deutschen «schlecht» sein konnten, und dass es immer reale Gegenbeispiele dafür in meiner Kindheit gab. Es ging für mich und meine Eltern hierbei nicht um Politik oder Ideologie, sondern darum, als Familie zusammenzustehen. Das gab mir Kraft, aber auch warf auch Fragen auf.

Fragen zu meiner Identität und dem Ursprung dessen, was ich war und was mich ausmachte. Ich war wie jedes Kind sehr neugierig, aber in einem Punkt war ich doch etwas anders, denn ich ließ nicht locker, bis meine Eltern mir eine Antwort gaben, die mich erst einmal befriedigte. Und wenn nicht, so machte ich mir selbst Gedanken dazu und forschte alleine. Ich erlitt eine Identitätskrise, die ich aber durch eigenes Forschen und Fragen überwand, auch wenn ich dafür über viele Umwege ging und es lange gedauert hat, bis ich zu mir sagen konnte: ich bin zufrieden, wie ich bin. Aber das ist für mich der wichtigste Aspekt meiner Persönlichkeit. Ich bin nicht den leichten Weg des Denkens gegangen, sondern habe mir einen eigenen Weg geschlagen. Mit Misserfolgen und Fehlern, aber auch tollen Erfahrungen und Erkenntnissen. An diesem Punkt scheitern leider die meisten Menschen und das ist auch der Grund, warum vieles auf der Welt so ist wie es ist

YG: Deutsche Werte . Klingt für manchen sicher ziemlich abstrakt. Aber kulturell kannst du von dir sagen, dass du deutsch geprägt und hier sozialisiert wurdest. Hinzu kommt, dass die eigene Mutter deutscher Abstammung ist. Es ist das deutsche Volk, dem du dich zugehörig fühlst und das auch durch Abstammung geltend machen kannst. Auch natürlich durch die Staatsbürgerschaft, Sprache und dein Verhalten. Die Angriffe auf deine Person, vor allem die Aufforderung, du sollst dorthin gehen, wo du herkommst, sind hier also ziemlich absurd. Das ist schließlich auch dein Vaterland. Für die genetische Prägung, eine dunkle Haut zu haben, kannst du nichts. Dennoch denke ich, dass hier ein ursprüngliches Empfinden von Fremdheit nicht abgestritten werden kann. Die Deutschen sind, samt ihrer Vorfahren, die sich natürlich, je nachdem wie weit wir zurückgehen, noch nicht als deutsch definierten, ein europäisches und damit weißes Volk. Über die Jahrtausende kamen immer wieder Einflüsse von außerhalb, die das Gesicht der Deutschen sowohl ethnisch als auch kulturell etwas verändert haben. Dennoch zieht sich die Kontinuität des Europäisch-seins wie ein roter Faden durch unsere Geschichte. Die Globalisierungsmechanismen und die Masseneinwanderung nach Deutschland bedrohen diese Kontinuität. Ich rede nicht von ein paar Tausend, Zehntausend oder Hunderttausenden, die in einem 65-70-Millionen-Volk von ethnischen Deutschen aufgehen würden. Wir haben es ja heute mit einer völlig anderen Dimension zu tun, wo ganze Bevölkerungsgruppen, vor allem in den Ballungsgebieten, langsam von einer ethnischen Verdrängung und einem Austausch betroffen sind. Hier wird der ethnische und kulturelle Charakter der Deutschen als Mitteleuropäer nachhaltig verändert, ich will sogar sagen «zerstört», weil viele kleine Teilidentitäten und gespaltene Persönlichkeiten daraus entspringen. Die Ghettoisierung und Balkanisierung unseres Landes schreitet somit voran. Die Deutschen in ein Kuriositätenkabinett der Farben und Völker zu verwandeln, wie es der Traum der linksliberalen Multikulturalisten zu sein scheint, darf meiner Meinung nach nicht zugelassen werden. Deutscher mit teilweise afrikanischer Abstammung zu sein, muss möglich, aber nicht häufig sein. Verstehst du was ich meine?

 

Lukas: Nun du hast Vieles vorweggenommen und ich verstehe, was du meinst. Die Probleme unserer Zeit gehen Hand in Hand mit dem kulturellen und geistigen Verfall der Menschen. Es gibt entscheidende Unterschiede deutsch zu sein oder sich deutsch zu fühlen. Der Idealfall wäre beides in sich zu vereinen. Aber Ausnahmen bestimmen die Regel, und auch Menschen, die aus anderen Ländern zu uns ziehen, können mit der Voraussetzung, sich hier anzupassen, eine Bereicherung sein. Das was sich allerdings jetzt in Europa abspielt ist , bereichert uns nicht.

YG: Siehst du in der heutigen Zeit Ansätze, die zu einer Normalisierung des Patriotismus führen könnten, oder bewegt sich alles auseinander? Ziehen die Fliehkräfte an den Extremen unserer Gesellschaft alles entzwei, von links und von rechts?

Lukas: Ansätze sehe ich schon. Doch der Patriotismus wird von Privatpersonen, aber auch Bewegungen wieder verstärkt unter die Menschen gebracht. Ich lasse dies bewusst ohne Wertung stehen, denn es ist immer die Frage, was am Ende dabei heraus kommt oder aus ihm gemacht wird. Ich denke, dass Patriotismus keine Ideologie oder Demagogen benötigt, die wir auf beiden Seiten der Lager finden.

Sprich, dass beide Extreme der Lager schädlich für einen «normalen» Patriotismus sind, da beide Ihre Dogmen für diesen Begriff unter das Volk streuen und somit eher für Verwirrung und Spaltung sorgen. Es muss endlich begriffen werden, dass ein Mensch, der sich Sozialist nennt, genauso ein Patriot sein kann, wie ein Rechter, der nicht automatisch ein Neonazi sein muss, weil er das Wort Rechts in den Mund nimmt. Patriotismus ist ein tiefes Gefühl der Verbundenheit, was man nicht erzwingen oder kaufen kann. Man spürt es oder man spürt es nicht. Es ist wie die Liebe zu seinen Eltern, die da natürlich einen direkten Bezug aufweist, da man weiß, dass man von ihnen abstammt, und so ist es mit der Heimat des Menschen auch. Wer die Wälder, Felder, Berge und Wiesen, Flüsse und Seen, dass Meer und das Tal tief in sich spürt, weiß, wo seine Wurzeln sind.  Denn ein Mensch ohne Heimat ist entwurzelt, sowohl körperlich als auch seelisch.

YG: Das ist diese emotionale Dimension, die man wohl nicht wegdenken kann. Ich vermute, dass es vielen Patrioten ähnlich geht. Wir spüren diese Verbundenheit zu unserer Heimat. Für die ganz Linken ist man ja automatisch ein Nazi, wenn man auch nur rechts der Mitte steht. Für die tatsächlichen Neo-Nazis im Land ist auch nur der Gedanke, dass sich ein dunkelhäutiger Deutscher als solcher bezeichnet, ein Unding. Was kann man als Einzelner gegen die Extremisten beider Lager tun?

 

 

Lukas: Ich danke dir, dass du mir diese Frage stellst. Als erstes würde ich jedem davon abraten, in ein jeweiliges Lager zu gehen, sofern er überhaupt bereit ist, eine eigene Meinung und ein Bewusstsein für sein Umfeld zu entwickeln. Ich meine damit, dass diese Lager eher als Zwischenschritt zum eigenen Verständnis der Welt fungieren sollten. Aber die Frage war anders gestellt. In dieser Situation hilft es einzig und allein, an den Verstand und die Vernunft des Menschen zu appellieren. Sich mit Zeitzeugen oder deren Berichten, und besonders der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Offen zu sein für die Argumente und Sichtweise des Gegenübers, um sich dann daran erneut einen Kopf über diese Informationen zu machen. Dazu fällt mir nur das Zitat von Friedrich Dürrenmatt ein, der da sagte: «Der schnellste Weg, um über eine Sache klar zu werden, ist das Gespräch», und dem stimme ich zu. Wir leben in einer Zeit, in der man sich nur noch anschreit und jeder der Meinung ist, dass er recht hat. Doch ein Spruch meiner Eltern sagt: «Wer schreit, hat unrecht».

Sie schreien so laut, dass sie am Ende taub sind für die kleine Stimme der Vernunft, und manchmal ist es nun mal so, dass einfach beide Seiten keine Ahnung haben von dem, was sie da eigentlich reden. Sie sind entweder ein Opfer ihrer Ignoranz oder des herrschenden Systems geworden. Es gibt nicht eine «richtige»Meinung ohne eine richtige Debatte. Ich möchte damit sagen, dass es auch durchaus sein kann, dass es mehrere Wahrheiten gibt und diese sich nicht ausschließen müssen. Wenn ich eine Münze auf den Tisch lege, dann ist es wahr und Fakt, dass es sich um eine Münze handelt, denn sie ist für jedermann sicht- und greifbar. Anders sieht es bei den Seiten der Münze aus. Wenn ich nun sage: «der Kopf dieser Münze ist die schönste Seite», so kann diese Aussage durchaus wahr sein und einige werden dem zustimmen, weil sie sie wirklich schön finden und manch andere werden von Beginn an anderer Auffassung sein. Und man wird mir die Frage stellen: «Wie kannst du so etwas behaupten, wenn wir die andere Seite der Münze noch gar nicht gesehen haben?»

Dieser Einwand ist sehr berechtigt, und man kann sie als Gretchenfrage oder einfach pragmatische Herangehensweise werten. Nun habe ich die Wahl, entweder diesem Einwand stattzugeben oder ihn zu leugnen. Aber ich kann und werde nie die Tatsache leugnen können, dass eine Münze zwei Seiten besitzt. Denn jeder weiß dies, auch wenn die Münze nur eine Seite zeigt, wenn sie auf dem Tisch liegt. Anhand der beiden Seiten wird nun jeder sein eignes Fazit ziehen können oder sogar einer Meinung sein. Damit sollte versinnbildlicht werden, wie einfach es wäre, gemeinsam einen vermeintlichen Konflikt zu lösen oder zu mindestens einen solchen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Extremismus ist für mich eine Form von Verzweiflung und Verblendung. Er führt selten zu dem gewünschten Ergebnis und schreckt andere Menschen eher ab. Man sollte nicht alles als gegeben erachten, solange man selbst forschen kann und Fragen nicht gestillt sind

 



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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

3 thoughts on “Dein Vaterland

  1. Es ist das, was schon lange meine Überzeugung ist:
    Deutsch zu sein ist weniger eine Frage der Abstammung als vielmehr des Denkens, der Lebensart, der kulturellen Werte die man verinnerlicht hat.
    Lukas hat eine Einstellung zu Deutschland, die ihn hoch über das Niveau eines jeden biodeutschen Antifa-Aktivisten erhebt.
    Es ist gut zu wissen, dass es Menschen wie ihn in unserem Lande gibt!

    Reinhard „Hardy“ Rupsch

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