Der Sechste Abendländische Kulturkrieg

 

Die westlich-abendländische Zivilisation ist in eine neue Phase eingetreten, einen neuen Kulturkampf, oder eher einen Krieg, wenn man die historischen Beispiele heranzieht. Ich will das mit all seiner Dramatik betonen, weil viele immer noch nicht begriffen haben, dass wir es hier mit einer grundlegenden Zäsur unserer Zivilisation zu tun haben, von einer Bedeutung wie es nur ein paar Mal in der Geschichte vorkam.

Zunächst zum Begriff Abendland. Ich bin rein instinktiv kein Freund des Begriffes, weil er mir eigentlich zu schwülstig ist. Es ist aber der einzige, der greift. Europäisch ist der Konflikt nicht, weil er auch die aus Kolonien gewachsenen Staaten europäischer Prägung ergreift, er ist auch zunächst teils westlich, weil die Länder Osteuropas hier eher Zuschauer sind, jedenfalls noch.

Historische Beispiele

Die Geschichte der abendländischen Kultur kannte viele Konflikte und Kämpfe. Ein Kulturkampf oder Kulturkrieg ist aber eine besonders tiefgreifende Sache, ein grundlegender Konflikt zweier Ideen-Systeme, welche einander unvereinbar gegenüberstehen, und welche alle Bereiche der Kultur erfassen. Sie sind mehr als nur Konflikte um Details die verhandelbar wären, etwa bei Einzelthemen wie Rente oder Euro. Bei einem Kulturkrieg geht es um alles: Was ist die menschliche Natur, wie soll unsere Zivilisation beschaffen sein? Man kann hier fünf vorangegangene Konflikte benennen, mit denen unser heutiger Konflikt Ähnlichkeiten aufweist. Durch diese Vergleiche erlangen wir Klarheit über uns selbst.

Der Erste Kulturkrieg war der in der Römischen Republik, zwischen den beiden Parteien der Optimaten und Popularen. Es ist ein Konflikt, der erhebliche Ähnlichkeiten mit uns aufweist. Damals war es der Kampf um die antike Demokratie, als diese Staatsform mit dem Kaisertum Augustus’ scheiterte, und es dauerte gut 1800 Jahre, bis Demokratie wieder ausprobiert wurde. Allein an diesem Beispiel sieht man, welche dramatische Wucht ein Kulturkrieg entwickelt. Hier werden historische Entscheidungen ausgefochten, die für Jahrhunderte wirken. Die Römische Republik hatte in dieser Spätphase das Dilemma, dass es schlicht gesagt immer mehr Arme gab, die immer ärmer wurden und Reiche, die immer reicher wurden. Eine breite Schicht vormals mittelständischer Bauern waren verarmt und zu einem Unterschicht-Dasein herabgesunken. Damit war auch ihre politische Partizipation gering. Auf die Seite dieser Unterschicht stellten sich die Popularen, die große, staatliche Umverteilungen gegen die Armut planten. Dem gegenüber standen die Optimaten, welche solche staatlichen Eingriffe ablehnten und eher eine Führung durch eine gewachsene Oberschicht bevorzugten. Diese Konflikt war voller blutiger Aufstände, politischer Morde, gewaltsamer Proteste und populistischer Figuren, kurzum, es hat gewisse  Ähnlichkeiten mit unserer Lage.

Der Zweite Kulturkrieg war zwischen Heidentum und Christentum, wobei hier anzumerken ist, dass die heidnische Seite den Kampf nie richtig aufnahm. Für moderne Menschen mag es trivial erscheinen, wie eben zwei Glaubensrichtungen, aber das ist nicht angemessen. Hier ging es nicht um einen Gott versus viele Götter, hier ging es um etwas Grundlegendes. Heidentum bedeutete römisch-griechische Antike, mit ihrer Philosophie und Wissenschaft, eine Offenheit des Denkens, eine Modernität, wenn man so will, und ihr entgegen stand eine Offenbarungsreligion, die alle Antworten ihrem heiligen Buch entnahm. Hier fand eine ganz grundlegende Weichenstellung statt, welche die Geschichte nachhaltig veränderte. Ohne den Aufstieg des Christentums, hätte sich Europa, ja die ganze Welt, wahrscheinlich völlig anders entwickelt.

Danach herrschte relativ eine lange Ruhephase, das Mittelalter, welches im Dritten Kulturkampf, zwischen der mittelalterlichen Welt und der Renaissance stattfand. Dies ist am ehesten ein Kampf auf politischer Ebene gewesen. Es gab Intrigen und politische Morde, an der Zahl der Toten gemessen war es aber der friedlichste Übergang. Hier ging es um zweierlei: die politische Kaste wollte sich vom Primat der Religion emanzipieren, wir haben mächtige Familien wie die Borgias, Städte wie Florenz und Venedig, und eine Rückbesinnung auf die Kultur der Antike. Mit Machiavelli bricht sich das moderne Verständnis von Politik als Machtkampf bahn, welche gegen das mittelalterliche Verständnis des immer gleichen und des religiös bestimmten ankämpfte.

Der vierte Kulturkrieg war wohl der am längsten andauernde, der zwischen Katholizismus und Protestantismus. Auch in diesem Konflikt sind Parallelen zu unserem zu finden. Wiederum gilt, man unterschätzt den Konflikt vollkommen, wenn man ihn nur als Frage des Glaubens ansieht. Hier ging es um etwas ganz Entscheidendes. Fokussiert wird dies mit dem Ereignis 1521, als Luther vor dem Reichstag in Worms seinen berühmtem Ausspruch tätigte:«Hier stehe ich, ich kann nicht anders.»

Worum ging es? Nach Katholischer Sicht war der Papst die moralische Autorität, die Bibel zu deuten, und damit war der Papst das Weltgewissen. Seine Autorität entschied über gut und böse, richtig und falsch, aufgrund seiner Autorität, nicht aufgrund der Fähigkeiten. Luther aber wollte als Individuum überzeugt werden. Im Protestantismus stand die Vorstellung im Zentrum, dass der jeweils Einzelne die Bibel selbst deuten und verstehen müsse. Es geht also im Kern um die Frage: entscheidet das Individuum für sich, oder entscheidet eine Autorität? Der lange Konflikt fand erst im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges mehr als 150 Jahre später sein Ende, als die beiden Fraktionen des endlosen Kampfes müde geworden waren, und obendrein der Krieg so viele Tote gefordert hatte, dass manche an das Ende der Welt glaubten. Der Dreißigjährige Krieg brachte eine unvorstellbare Brutalisierung und Entmenschlichung mit sich, und er gilt als Lehrstück, wie ein Gegensatz von Ideen eskalieren kann. Lehrreich daran ist auch, wie innerhalb von Fraktionen Brüche entstehen, Verräter, seltsame Allianzen über Gegensätze hinweg, sich wandelnde Feindeslinien usw.

Der fünfte und letzte große Kulturkrieg war ein Dreifrontenkrieg zwischen Demokratie, Faschismus und Kommunismus. Nebenbei, ich finde es etwas müßig, wie es manche versuchen, Faschismus direkt dem Lager des Kommunismus zuzurechnen, wie es manche Konservative tun. Die Unterschiede zwischen Faschismus und Kommunismus liegen klar genug zu Tage, und diese Lager waren allezeit einander auch Todfeinde. Dieser Konflikt ist uns bekannt genug, als dass ich hier viel zu ihm sagen müsste. Er begann seine heiße Phase mit der Oktoberrevolution in Russland 1917 und endete bekanntermaßen 1989 mit dem Zusammenbruch des Ostblocks.

Was macht den Kampf aus?

Es wäre nun also analytisch zu fragen, was macht einen solchen Kulturkampf oder Krieg aus? Welche Elemente zeichnen solch einen Konflikt aus? Ich habe hier sechs Elemente der Definition zusammengestellt.

Erstens, ein Kulturkrieg muss mehr als eine Nation oder Region betreffen. Es kann also kein nur auf Deutschland oder Frankreich begrenztes Problem sein, sondern es muss den Großteil des Kulturraumes erfassen. Man mag im Falle des römischen Reiche einwenden, der Kampf um die Römische Demokratie hätte nur eine Nation betroffen, aber das geht fehl, weil hier ein ganzer Kulturraum betroffen war, indem die Idee der Demokratie eben scheiterte, und zwar nicht nur für einen Nation, sondern für die ganze kulturelle Region. Das ist im heutigen Kulturkampf durchaus der Fall, er betrifft den ganzen Westen, und nicht nur einzelne Länder.

Zweitens, der Kulturkrieg muss mehr als ein Einzelthema sein. Es geht hier um mehr als die Frage, wie hoch ist die Mehrwertsteuer, wann ist das Rentenalter, wie hoch ist der Mindestlohn. In einem Kulturkampf geht es um etwas Grundlegendes, das letztlich alles umfasst. Es geht um einen sehr großen Themenkomplex. Auch das lässt sich so klar festhalten. Wir haben hier einen Dissens über einen ganzen Themenkatalog, nicht eine einzelne Frage, wie Euro oder Grenzen, so wichtig uns auch diese Themen erscheinen, es ist das ganze Zusammenhang der Thematik, welche die Brisanz des Kampfes ausmacht.

Drittens, wir haben eine grundlegenden ethischen Konflikt, der die Grundwerte und die ganz grundlegende Weltanschauung betrifft, was den Konflikt praktisch unverhandelbar macht; ein Kompromiss ist praktisch unmöglich. Ist das Kollektive wichtiger oder das Individuelle? Ist Gerechtigkeit oder Freiheit der höhere Wert? Eine ganz entscheidende Frage ist, wie sehen wir die menschliche Natur an? Wird der Mensch gut oder böse geboren? Sind wir von Natur aus mitfühlend, und nur die böse Zivilisation verdirbt uns, wie es Rousseau sah, oder sind wir wie bei Hobbes und Freud von Natur aus destruktiv und müssen durch die Zivilisation dressiert werden? Diese Frage nach der Natur des Menschen entscheidet ganz grundlegend über eine Kultur. Wie machen wir Gesetze? Wie regeln wir Politik und Erziehung? Alles hängt daran, wie wir so eine grundlegende Frage ansehen. Damit einher geht eine extrem starke emotionale Haltung, es ist nichts, was einen kalt lässt. Es geht den Menschen, die am Konflikt teilnehmen, bis ins Mark, ins Innerste. Daher ist auch ein Kompromiss und ein Einlenken einer Seite kaum zu erwarten, da Menschen hier tiefliegende Grundüberzeugungen aufgeben müssten.

Viertens, weil wir es mit einem Konflikt der Grundwerte zu tun haben, berührt der Konflikt am Ende alle Bereiche des Lebens. Die, welche diesen Konflikt miterleben, erleben es oft als Kampf, der alle anderen Dinge des Lebens total überschattet. Es gibt keine Rückzugsorte mehr, keine Bereiche, in denen man vom Konflikt verschont wird, und welche Seite gewinnt, wird sich fundamental auf alle Lebensbereiche auswirken. Auch daher werden diese Konflikte so erbittert geführt, dass man von einem Krieg der Ideen reden muss.

Fünftens, es gibt interne Fraktionsbildung. Das ist ein weiteres wichtiges Merkmal, da man solche Konflikte nicht zu simpel ansehen darf. Hier geht es nicht um klare Linien, auch wenn im Kern eine Grundidee steckt. Es gibt verschiedene Ausprägungen und Fraktionen. Etwa auf beim rechten Lager Libertarier und Konservative, die zwar in einer Allianz sind, aber teils auch sehr verschiedene Vorstellungen haben; das gleiche gilt im linken Lager, welches Marxisten, Liberale und Politisch Korrekte umfasst, die nicht alle die gleichen Vorstellungen haben. Hier tun sich also viele einzelne Fraktionen zu einer großen Bewegung zusammen, und erst in diesem titanischen Kampf ist es eben einer der großen Kulturkriege, und nicht nur ein Ereignis von begrenzter Bedeutung.

Sechstens schließlich haben wir es immer mit Gewalt zu tun. Das ist jedenfalls in allen historischen Beispielen so, und fast immer ist die Zeit der Gewalt lange, und die Zahl der Opfer hoch. Das hat damit zu tun, dass die Ideen eben unversöhnliche Gegensätze darstellen, so dass kein Kompromiss entstehen kann. Am Ende muss eine Seite der anderen weichen, eine Idee setzt sich durch. Diese Gewissheit macht Debatte und Diskurs ziemlich sinnlos, keiner weicht von seiner Vorstellung ab, da es eben um Grundlegendes geht. Danach setzt immer die Entmenschlichung des Gegners ein, was eine Vorbedingung der Gewalt darstellt; auch das ist bereits zu erkennen. Der Rechte ist der böse Nazi, den man schlagen darf. Die Gegenbewegung von Rechts wird da nicht lange auf sich warten lassen. Wenn eine Seite eskaliert, kann die andere sich nicht auf Dauer zurückhalten, ohne die Niederlage zu riskieren. Es ist die grausame Logik jeden Krieges, dass keine Seite der anderen Schonung gewähren kann, aus Furcht sonst zu verlieren.

Worum geht es in unserem Kampf?

Was sind nun die Linien unseres Kulturkrieges? Worum geht es bei uns? Ich denke, wenn man den Kampf in einem Begriff zusammenfassen müsste, dann wäre es die Frage der Identität. Was bestimmt unsere Identität? Und wer? Die Lager sind um diese Frage herum gruppiert. Dort steht die nationale Identität des historisch Gewachsenen, die Sicherheit der homogenen Ethnie, dort das Aufheben des Nationalen und das künstlich Gemachte, der «Globale Mensch» ohne Grenzen. Da steht die Familie und die Beziehung Mann-Frau und ihre tradierten Werte, dort die Genderfluiden mit 150 Geschlechtern, die man jeden Tag neu definieren möchte. Es ist der Kampf zwischen dem historisch Gewachsenen gegen das künstlich Gemachte, das, in welches man hineinwächst gegen das, was man postmodern selbst konstruiert. Ich halte die Zuschreibung von Kollektive vs. individuell dagegen für eine vordergründige Fehldeutung. Das hört man gerade von amerikanischen Konservativen oft, die sich als Individualisten und die Linken als Kollektivisten darstellen, das stimmt aber so nicht ganz. Im linken Lager gibt es ganz erhebliche Elemente des Individuellen. Die ganze Genderthematik etwa, in dem praktisch jeder sein eigenes Geschlecht sein möchte; auch die Unfähigkeit der Linken, die Gefahr des Islams zu erkennen, liegt in seiner individualistischen Sicht, weil Linke Religion allein von der Perspektive des Individuums her sehen. Sie sehen nur ein einzelnen Muslim, aber nicht die Veränderung der Kultur, durch die Vermehrung des Islam als Kollektiv. Auch auf «rechter» Seite stimmt es nicht ganz, da die Konservativen, als die Libertarier im gleichen Lager, durchaus einige sehr kollektive Sichtweisen haben, etwa in ihrer Bevorzugung einer konservativen Moral, in der die Konservativen eher gute Mine zum Spiel der Libertarier machen, damit die Front gegen die Linken zusammenhält. Wie schnell dies scheitern kann, sieht man am Dauerkonflikt der AfD.

Die internen Fraktionen der AfD sind ein sehr gutes Abbild der Fraktionen des im weitesten Sinne «rechten» Lagers. Da haben wir National-Soziale (was kein Hinweis auf Nationalsozialismus sein soll), die eben national, aber ökonomisch eher SPD-nah sind, wir haben Neoliberale, wir haben Libertäre und National-Konservative. Wie in Punkt fünf gesagt: Wir haben im Kulturkampf immer eine Sammlung verschiedener Fraktionen zu einer Bewegung, und das gilt für das linke Lager ebenso. Ich bin, nebenbei bemerkt, mit den Begriffen Links und Rechts hier ziemlich unzufrieden, da die Begriffe eher in die Irre führen; sie sind als Kampfbegriffe der Lager aber Kennzeichen. Die rechte Seite ist eher die Identitäre, die eben für ihre gewachsene, historische Identität kämpft, während die sogenannte linke Seite diese zerbrechen möchte, und eine rein eklektische, postmoderne und fluide Identität anstrebt.

Eine Herangehensweise des Feindes ist immer, den Konflikt überhaupt zu leugnen. Das war schon im Kampf der Katholischen Kirche gegen die Protestantischen Bewegungen so. Die Katholiken leugneten lange überhaupt, dass es einen Gegner gibt. Es gäbe nur verwirrte Einzelne. Die, welche die Deutungsmacht innehaben, versuchen die Gegenseite erst einmal moralisch zu delegitimieren. Es gäbe keinen Kulturkampf. Das hört man ausschließlich aus dem linken Lager, welche das Narrativ erhalten möchte, es gibt nur sie, und alle die etwas gegen ihre Vorstellung sagen, sind nicht eine andere Idee, sondern böse Nazis oder Verrückte. Es gibt gar keine Gegenseite, da die herrschende Ideologie sich als die alternativlose Ideologie darstellt.

Die alles überragende Frage wird aber sein: Wird es wieder nur mit Gewalt gelöst? Viele sind sich heute noch nicht darüber im klaren, welche Eigendynamik ein solcher Kulturkrieg besitzt, der eben schärfer als nur der Begriff des Kampfes ist. Hier geht es nicht darum, das Gegenüber zu überzeugen. Debattiert wird allein, um die Unmenschlichkeit des Gegners zu entlarven, um die dann folgende Gewalt moralisch zu rechtfertigen. Das ist das Prinzip des Kulturkrieges. Es ist für mich keine Frage, ob ich das mag. Denn ich lehne Gewalt emotional ab; ich sehe aber als Historiker kein Beispiel, in dem ein solcher Zusammenprall friedlich verlaufen kann. Natürlich kann etwas historisch immer das erste Mal sein. Wir müssen uns aber darüber im klaren sein, dass dieser Konflikt die Zukunft unserer ganzen Zivilisation entscheiden wird, eine Entscheidung, die alle Bereiche unseres Lebens umfassen wird.


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Holger, geboren im schwäbischen Ostalbkreis, aufgewachsen in der Havelstadt Spandau. Magister für Soziologie und Geschichtswissenschaft. Er schreibt Artikel über politische, historische und philosophische Themen. In seiner Freizeit malt er Bilder und spielt Zither. Lieblingsfilm:V for Vendetta

2 thoughts on “Der Sechste Abendländische Kulturkrieg

  1. Es klingt beängstigend, aber auch ich bin sehr geschichtsinteressiert und muss sagen, dass die Gemeinsamkeiten zu vorherigen Kulturkriegen unübersehbar sind. Der Mensch als ganzes ändert sich eben (leider) nicht. Stets sind es nur wenige, die eine klare Sicht haben und die gab es schon immer.

    Diese Gegensetzung von Extremen und die Unfähigkeit Kompromisse zu finden wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.

    Krieg bleibt wohl wirklich immer gleich.

  2. Die alles überragende Frage am Ende des Beitrags “Wird es wieder nur mit Gewalt gelöst” ist misvesrtändlich. Gewalt war immer ein Element der Lösung von Kulturkriegen, aber eben nicht immer das einzige.

    Der vierte Kulturkrieg, also der Krieg zwischen Katholizismus und Protestantismus, wurde nicht nur durch Gewalt gelöst. Der Westfälische Frieden war eine Lösung, die Katholiken und Protestanten ein Zusammenleben ermöglichte – ohne den vorangehenden Krieg war das nicht möglich gewesen . In gewisser Weise ein Kompromiss.

    Der fünfte Kulturkrieg hat neben mit dem kalten Krieg auch eine Komponente, die nicht nur Gewalt war. Über Jahre haben die Menschen im Ostblock gesehen, dass das andere System bessere Lebensbedingungen schafft. Im Osten sind in dieser Zeit immer mehr Menschen vom Glauben an den Kommunismus abgefallen.

    Die wichtige Frage ist deshalb deutlicher formuliert: Was könnte zusätzlich zu Gewalt ein Element zur Lösung des aktuellen Kulturkrieges sein?

    Leider sehe ich hier nichts. Falls niemand anderes etwas findet, ist unser Weg zu Massakern und Blutvergießen wie in einem Ausmaß wie bei den Kulturkriegen 4 und 5 vorgezeichnet.

    Die am Ende erwähnte emotionale Ablehnung von Gewalt ist eine am Beginn eines Kulturkrieges weit verbreitete Haltung. Bisher ist die noch jedes Mal sehr rasch sehr selten geworden, im Regelfall schlägt sie in eine emotionale Befürwortung von Gewalt um.

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