Das Blut der Patrioten ist rot

Ich möchte mittlerweile überhaupt nicht mehr in den Mainstream-Zeitungen lesen. Bedauerlicherweise bin ich dazu gezwungen, da ich ja wissen möchte, wie gelogen wird und was mir vorgelogen wird. In manchen niedergeschriebenen Zeilen schmecke ich beinahe den giftigen Speichel, den diese (Fake)Journalisten beim Abhetzen über Trump, Patriotismus und die weiße Mittel- und Unterschicht absondern. Da heißt es in der Frankfurter Rundschau, aus dem Munde eines US-Experten(was auch immer das sein soll):

Die Rede war unmissverständlich. Trump sieht sich als legitimer Vertreter und Führer eines Volksaufstands, gesegnet und autorisiert von Gott, getragen von einem durch Blut verbundenes Volk, der dieses in ein neues goldenes Zeitalter führen wird. Alle Institutionen zwischen ihm und dieser Bewegung sind korrupt und müssen sich dem Willen des Volkes, also Trumps, widmen. Patriotismus ist der wichtigste Wert, der die Gesellschaft zusammen hält. Und Patriotismus ist nur das, was sich in Solidarität mit dem geknechteten Volk respektive Trump als deren Vertreter ausdrückt.

Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wo ich hier anfangen soll. Zunächst möchte ich auf den Abschnitt mit »von einem durch Blut verbundenes Volk« eingehen. Der Kommentator, Bastian Hermisson, lässt es beinahe so wirken, als sei die Verbundenheit durch Blut bei einem Volk eine ganz eigenartige und ungewöhnliche Angelegenheit. Als sei der Zusammenhang zwischen Verwandtschaft, Herkunft und Abstammung beim Volksbegriff absurd. Dieser Zusammenhang besteht jedoch und ist je nach Land mehr oder minder wichtig. Wegzudenken ist er nur in solchen Dystopien, die sich wie Babylon aufgelöst haben und dem Nirwana der Geschichte angehören. Interessant ist aber hier nur, dass Trump diese Verbindung in seiner Rede, auf die ja Bezug genommen wird, gar nicht so erwähnt hat. Er hat nicht gesagt, dass die Amerikaner ein Volk sind, das durch Blut verbunden sei.

Er sagte wörtlich nämlich nur: »We all bleed the same blood of patriots«

Trump bezog sich auf den Einsatz der amerikanischen Soldaten und die soldatische Grundweisheit. Im Schützengraben gibt es keine Rassen/Hautfarben. Trump wollte damit sagen, dass es keine Rolle spielt, welche Abstammung man hat oder wie man aussieht. Was zählt sei nur der Einsatz, den man für die Allgemeinheit bringen kann. Was zählt seien die Taten und die Tatsache, dass man sein Herz am rechten Fleck hat. In den Zeiten von Black lives matter und Identity Politics ein gewichtiges Wort. Die Amerikaner seien verbunden, ja. Durch das Blut der Patrioten, die keine Hautfarben kennen. Das ist keine Hetzrede gegen Schwarze, Weiße, Latinos oder Asiaten. Es handelt sich um ein Bekenntnis zum Wahlspruch des alten Amerika.

»Aus vielen, Eins« oder auch »E pluribus unum«

Und das liebe Leser ist nicht die Sprache eines weißen Nationalisten, zu dem Trump immer wieder stilisiert wird. Es ist die Sprache eines wahren Antirassisten, der auch keine Bevorzugung von Weißen einleiten wird, nur weil ein paar Neo-Nazi Gruppen in ihm den Messiahs sehen. Wörtlich sagte Trump auch nur, dass er eine große Mauer bauen will, in dessen Mitte eine riesige Tür stehen würde, wodurch die Menschen Lateinamerikas weiterhin legal einwandern dürften. In keinem Wort erwähnt er Rassegesetze, Rassereinheiten oder Diskriminierungen anhand äußerlicher Merkmale. Die viel beschworenen Deportationszüge für Schwule, Transen und Schwarze werden sich nicht materialisieren. Für die Neo-Nazis sicherlich ebenso traurig, wie für die Social Justice Warrior. Letztere wünschen sich diese natürlich nur, weil sie dann »Victimhood«, also den Opferstatus erhalten würden.

Auch sagte Trump nie, dass das System vollständig korrupt sei. Meines Wissens zielte er hauptsächlich auf die Medien und den Geheimdienst. Den Geheimdienst kritisierte er dafür, dass er sich zu oft in die inneren Angelegenheiten der USA einmischte, die Bürgerrechte missachtete und sich wie ein Staat im Staate verhalte. Die Medien bekamen ihr Fett weg, weil sie Trumps Kandidatur von Anfang bis Ende torpedierten. Anfänglich auch FOX-News, der konservative Sender. Denn die Republikaner haben auch ihre Medien und die schossen sich lange auf Trump ein, bevor klar wurde, dass er sich gegen Ted Cruz durchsetzten würde.

Und zu dem Abschnitt, wo sich die Institutionen dem Volk widmen sollen bzw. dem von ihm gewählten Präsidenten:

Ja was soll denn daran schlecht sein? So war das immer. Da wir nun nicht alle 330 Millionen Menschen regieren lassen können und auch die Institutionen ihre Macht nur durch souveräne Wahl und die Verfassung geliehen bekommen haben, müssen sich diese sich dem Wählerwillen beugen. Damit auch Trump. Wenn sie dies nicht tun, würde keine Regierung der Welt funktionieren. Nirgendwo. Was für ein Schmarn! Aber halt! Es geht noch weiter!

Patriotismus ist tatsächlich ein Wert, der die innere Solidarität in einem Land stärkt und die Gesellschaft zusammenhält. Nur Menschen die ihre Heimat lieben und ehren, setzen sich auch mit vollem Herzen für sie ein und schützen sie. Ich bin besorgter um meine Familie, meine Gemeinde, meine Nachbarn, meine Stadt und so weiter, als ich es um Menschen am anderen Ende der Welt bin.

Sebastian Christ von der HuffPost schreibt:

Trump will vernichten, zerschlagen, zerstören. Er appellierte an das „rote Blut der Patrioten“, das in den Adern der Amerikaner fließe. […] Der Mann, der jetzt Amerika regieren wird, sprach wie ein faschistoider Volkstribun.

 

Sebastian Christ weiß wohl nicht, dass Obama auf einer ähnlichen Zerstörungstour war.  Die Feinde Amerikas müssen gejagt und besiegt werden!

We have real enemies in the world. These enemies must be found. They must be pursued and they must be defeated.
–> Obama, 2004

 

Eigentlich sagte Trump bezüglich Zerstörung nur, dass er den islamistischen Terror besiegen will. Namentlich den islamischen Staat. Ansonsten ging es in seiner Rede um die Heilung der Nation von ihren Wunden, die sie sich in den letzten Jahrzehnten zugezogen hat. Es ging darum, dass die Menschen, ganz gleich ihrer Herkunft und Prägung, zusammenkommen und gemeinsam ein besseres Amerika bauen sollen. Eine bessere Zukunft für alle Amerikaner. Denn Trump wollte mit diesen Worten seiner Rolle als Präsident der USA gerecht werden. Er ist nicht der Präsident der Welt und daher wirkt die Kritik an dem Slogan »America first« auch so seltsam. Soll denn die Welt zuerst kommen? In welchen Belangen? Wo? Bei welchen Themen? Darf Trump darüber entscheiden? Nein. Er ist schließlich nur mit der Verfassung der USA ausgestattet. Wenn Sebastian Christ einen wirklichen Volkstribun hören möchte, sollte er vielleicht nach Nordkorea gehen. Aber mich überrascht nach kurzer Einsicht dieser Person nichts mehr. Sebastian Christ befindet sich in seiner abgeschirmten ideologischen Blase. Laut HuffPost Register schreibt er nur über Trump, Rechtsradikale, Putin und warum das Dschungelcamp so wichtig für uns ist. Ich habe mich selbst getestet und jeden seiner Artikel gelesen bzw. angelesen. Ich wusste immer schon vorher, was drin stehen würde. Die Russen sind an ALLEM Schuld, Trump verbreitet »Hass« und wir als gute Europäer müssen uns gegen diesen Hass entgegenstellen, indem wir noch progressivere liberale Menschen werden. Liebe trumpt Hass. »Euer Hass kotzt mich an!«  heißt es ganz unten dann, bevor sich Christ auf den Weihnachtsmarkt verabschiedet und allen blöden Populisten böse Dinge wünscht, die er nur denkt, aber nicht ausspricht. Der Mann verdient mit so einem Müll seine Brötchen.

 

Die USA befinden sich in einem dystopischen Ausnahmezustand, der Radikalität und Konflikt unausweichlich macht. Alliierte gibt es nicht in der Welt, sondern nur Konkurrenten, gegen welche die USA ihre nationalen Interessen durchsetzen müssen. Das ist eine Rhetorik, die ihresgleichen sucht und an das Europa der 1930er Jahre erinnert.

 

Und mit diesem Zitat sind wir dann wieder zurück bei dem Artikel der Frankfurter Rundschau. Es wäre doch zutiefst belustigend, wenn sich der Trump-Fachismus am Ende nicht materialisiert und die Untergangsstimmung dieser Menschen genauso schnell wieder verbraucht ist, wie Sebastian Christs Atem beim Dauerlauf. Ich habe vor Kurzem einmal gehört, dass Wahlforscher in den USA herausgefunden haben, dass vor allem Männer mit wenig Testosteron Hillary Clinton bzw. Sanders wählen. Ich lasse diesen Link zu einem Profil auf Twitter einfach mal stehen. Nichts hat mit Nichts zu tun.

Das Blut der Patrioten ist rot. Die Tatsache, dass dieser Satz vom Menschenschlag Sebastian Christ nicht verstanden wird, überrascht mich kein Stück.

 

Foto: https://www.flickr.com/photos/darronb/24280738356

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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