Die Ritter der neuen Zeit

Mit gutem Beispiel

Aitazaz Hassan hat vermutlich nicht das Gesicht und den Körper, den wir im Allgemeinen mit Helden in Verbindung bringen würden.  Aber es sind seine Taten, die für ihn sprechen. Wenn man in Pakistan, in der Nähe zu Afghanistan und den Paschtunen lebt, weiß man mit Sicherheit, was Terroristen sind. Wir können davon ausgehen, dass Hassan wusste, was ein Selbstmordattentäter tun würde, wenn er versuchen würde ihn zu stoppen. Er tat es trotzdem. Der islamistisch motivierte Attentäter hatte sich eine Uhrzeit ausgesucht, zu der die pakistanische Schule mit fast 1000 Schülern eine Versammlung abhalten würde. Ganz offensichtlich war sein Ziel, so viele Menschen wie möglich zu töten. Hassan, er selbst war erst 14 Jahre alt und deutlich übergewichtig. Es ist wohl seiner Beobachtungsgabe zu verdanken, dass ihm der Attentäter überhaupt auffiel. Der Terrorist, ein Erwachsener, hatte sich in eine Schüleruniform gekleidet und ging geradewegs in Richtung der Schülerversammlung, als Hassan ihn kurz anhielt und zur Rede stellen wollte. Sein Cousin sah noch, wie der Attentäter daraufhin nervös wurde und seine Bombenweste frühzeitig versuchte auszulösen. Hassan warf sich nicht hin, sondern rammte den Selbstmordattentäter und brachte ihn zu Boden, ehe die Bombe detonierte.

Wer würde sich auf eine Granate werfen, um andere zu schützen? Der junge Aitazaz Hassan gilt als Held in ganz Pakistan. Und es gibt zu viele Menschen, die diesen Titel verliehen bekommen und ihn nicht verdienen und hier kann man wirklich sagen, dass die Lobpreisung gerechtfertigt ist. Selbstlosigkeit und Mut zu beweisen, ohne dazu aufgefordert zu werden. Hut ab davor. Ob Hassan sich seiner Entscheidung vollständig bewusst war, werden wir nie erfahren. Überwog das Wohl von „Vielen“ die Bedürfnisse des Einzelnen? Warum sonst warf er sich auf den Bombenattentäter,wenn nicht um seine Freunde und seine Verwandten zu schützen, die auf die selbe Schule gehen und von der Explosion durch sein Handeln nur leicht verletzt wurden. Es hätte viel schlimmer enden können, wenn er nicht gewesen wäre.

Ähnlich Schlimmes wurde in einer kanadischen Universität in „British Columbia“ verhindert, als zwei junge Männer auf die panischen Hilfeschreie von Mitstudentinnen reagierten, die aus den Studentenwohnheimen gestürmt kamen. „Jemand wird dort gewürgt!“ war in etwa die Aussage, ehe die beiden Jungs auch schon hinauf rannten und den ausländischen Studenten Thamer Hameed Almestadi  dabei sahen, wie er versuchte seine Freundin zu erwürgen und scheinbar auch die Kehle mit einem Messer zu durchtrennen. Adam Casey und Luca Berg, so die Namen der beiden Retter, zögerten keine Sekunde und attackierten Hameed sofort. Dieser blieb trotz körperlicher Intervention hartnäckig und drückte seiner Freundin weiterhin die Luft ab, sodass es wahrscheinlich der Kampfkunst-Ausbildung von Casey zu verdanken ist, dass der Angreifer so schnell überwältigt werden konnte. Die beiden Jungs sagen später, dass sie sich nicht wie Helden fühlen und nur froh sind, dass es der jungen Frau wieder besser geht. „Jeder hätte das getan“, sagen sie und lächeln. Aber das ist ja genau der Punkt. Ich denke nicht, dass das jeder getan hätte. Ich erinnere mich an die Zugattacke in Würzburg, wo ein Zug der Deutschen Bahn von einem Islamisten(und illegalem Migranten) in ein Schlachthaus verwandelt wurde. Dutzende Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Mit Axt und Machete ging dieser Terrorist auf viele Dutzend Menschen los. Und wer stoppte ihn? Die Polizei. Mir ist nicht bekannt, dass sich ihm couragierte Männer oder Frauen in den Weg stellten, wenngleich die Situation durchaus vergleichbar ist. Sowohl Hameed als auch der Würzburg-Attentäter waren mit Stichwaffen ausgerüstet und bereit zu töten. Der Unterschied war nur, dass es Männer wie Casey und Berg gab, die sich weigerten den Schwanz einzuziehen und wegzuschauen bzw. wegzulaufen. Die beiden hätten beim Anblick des irren Würgekillers mit dem blutigen Messer auch das Weite suchen können, taten es aber nicht. Die Notsituation erforderte ihr Eingreifen.

 

 

Als der Terrorist Mohamed Lahouaiej Bouhlel in Nizza mit seinem Lastwagen seine Mordfahrt begann, rannten die Menschen davon. Jene die es nicht taten, wurden niedergerwalzt.  Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die Aufnahmen, in denen wir sehen konnten, wie Menschenkörper wie Bowlingkegel durch die Luft flogen oder einfach zerquetscht wurden. Das war die menschenverachtende und ideologisch motivierte Tat eines Mannes, der mehrere Tonnen mit hoher Geschwindigkeit durch die Promenade bewegte. Aber haben Sie auch von dem Mann gehört, der versuchte diesen Killer aufzuhalten, noch bevor die Polizei eintraf? Sein Name ist sind  Franck. Er ist Vater und Mann mittleren Alters, der mit seinem kleinen Moped dem Laster hinterherfuhr. Er ließ seine Frau in relativer Sicherheit hinter sich und raste mit allem was die Maschine hergab hinter Bouhlel her. Dann sprang er an die Tür des Lasters, klammerte sich dort fest, riss sie auf und begann den Islamisten mit Faustschlägen zu attackieren. Mehrere Sekunden kämpfte er mit dem Terroristen, der sogar versuchte ihn zu erschiessen. „Ich war bereit zu sterben um ihn aufzuhalten“, sagte Franck später den Zeitungen. Es klingt wie in einem Actionfilm. Da haben wir einen nicht sonderlich kräftigen, noch besonders großen mittelalten Mann, der sich nicht umdreht und wegläuft, sondern sich bewusst und ohne lange zu Zögern in tödliche Gefahr begibt. Nicht weil er den Adrenalinkick sucht, sondern weil er Schaden von seinen Mitmenschen und seiner Familie abwenden will. Ein weiterer Mann, Alexandre Migues, schließt sich Franck an und versucht den Laster zum Stoppen zu bringen, indem er sein eigenes Moped vor die Räder des Lasters bringt.

Franck, der von dem Pistolengriff am Kopf getroffen wird, wird aus dem Wagen geschleudert und wird noch viele Stunden nach dem Ende des Anschlags zu den Toten gezählt. Die Taten der beiden konnten die Todesfahrt des Terroristen nicht stoppen. Aber ihn doch ablenken und verlangsamen und so Leben retten.

Beschützt die Wehrlosen

Ich möchte, wenn etwas Furchtbares passiert, mir danach noch in die Augen schauen können und sagen können, dass ich mich nicht für mein Handeln schämen muss. Um es mit den Worten eines sehr klugen Seminarleiters und Ausbilders von mir zu beenden : „Wenn die Notsituation es erfordert, wünsche ich mir, dass SIE nicht wie die Mehrheit der Menschen sind und sich wegducken. SIE stehen auf und sagen – ICH BIN HIER“

Was macht es schon aus, wie man aussieht, welchen sozialen Status man hat oder woher man kommt? In einer Gefahrensituation zählt nur die Tat, der Charakter und die innere Stärke. In alten Zeiten wurde den Rittern der Eid auferlegt, sich mit ihrem Leben für ihre Schützlinge einzusetzen. Dieses Verhältnis zwischen Wehrhaften und Wehrlosen wurde aufgelöst. Es übertrug sich in die Pflichten und Rechte des Staatsbürgers, der mündig nur seinem Gewissen verpflichtet ist. Egal ob man Uniform trägt oder nicht. Die Verantwortung zu schützen obliegt euch, jedem Bürger und freien Menschen. Schaut nicht weg, wenn ein Mitmensch im Straßenverkehr drangsalisiert wird, weil er die falsche Hautfarbe oder ovale Augen hat. Schaut nicht weg, wenn frauenverachtende Mobs jungen Frauen hinterherjagen. Zögert nicht zu handeln, wenn es die Situation erfordert. Aber handelt immer so, dass kein ehrbarer Mensch euch Schlechtes nachreden kann.

Seid beständig und unerschütterlich im Angesicht der Gefahr. Habt die Tapferkeit, den so viele vor euch so Beispielhaft gezeigt haben. Bleibt euch treu, im Herzen wie im Geiste und handelt so, dass ihr die eigene Würde und die eures Gegenübers nicht beschädigt.

 

 

 

 

 

Foto : https://www.flickr.com/photos/vicki_burton/10521262895 ; CC (Share alike)

Quellen:

http://www.bbc.com/news/world-europe-36860152

http://www.nydailynews.com/news/world/teen-pakistan-dies-stopping-suicide-bomber-blowing-school-article-1.1570843

http://www.cbc.ca/news/canada/british-columbia/witness-ubc-attack-dorm-attempted-murder-thamer-hameed-almestadi-1.3792574

 

 

 

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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