Conan und das hyborische Zeitalter

„Wir sind nur Menschen. Wir sind keine Götter, keine Riesen. Nur Menschen. Du musst das Geheimnis des Stahls enträtseln Conan – und du darfs Niemandem auf dieser Welt dein Vertrauen schenken. Du darfst weder Männern, noch Frauen, noch Tieren vertrauen. Nur dem SCHWERT kannst du vertrauen.“

 

https://www.youtube.com/watch?v=bvfKg8XmbzM

 

Asien und Europa sind durch Nichts als die großen zentralasiatischen Steppen und Wüsten getrennt. Es hätte in einer dieser endlosen Steppen sein können, wo Conan und sein Freund Subotai einander trafen. Der Film „Conan der Barbar“ lässt dies beinahe so erscheinen. Die spanischen Landstriche scheinen wie aus einer anderen Zeit entnommen und wirken auf befremdliche Weise vertraut. Obwohl der Film im hyborischen Zeitalter spielt, einer fantastischen verlorenen Epoche der Menschheitsgeschichte aus der Feder seines Schöpfers Robert E. Howard, zeigt er doch uns vertraute Elemente der Geschichte und verwebt sie mit den Mythen der Menschheitsgeschichte. Was laut Howard noch vor der letzten Eiszeit im hyborischen Zeitalter spielte, hätte genauso gut die Geschichte eines wandernden Jägers und eines umherziehenden Kriegers sein können. Zogen nicht germanische Stämme durch die asiatischen Wüsten? Kamen nicht asiatische Nomaden durch die Gobi Chinas bis nach Europa? Ob das sibirische Altai oder der nahe Kaukasus. Conans Reise führt die beiden Krieger, Subotai und Conan durch gräserne Steppenlandschaften und steilige karge Gebirge. Sie kommen vorbei an den Götzen vergangener Kulturen und den Zeugnissen jener Zivilisationen die vor uns kamen oder vor uns hätten kommen können. Denn das hyborische Zeitalter ist eines, das uns so vertraut wirkt, dass es beinahe hätte sein können. Wer weiß schon genau, was vor über 10.000 Jahren vor der letzten Eiszeit passiert ist? Im heutigen Anatolien fand man die älteste Tempelanlage der Welt, Göbekli Tepe, welche aus dem Jahre 9500 vor Christi stammt. Vor einigen Jahrzehnten hätte die Geschichtswissenschaft derlei noch als völlige Fantasie abgetan.

Aber was macht „Conan der Barbar“ so besonders? Der alte Film aus den 80ern kommt fast ohne längere Dialoge aus und konzentriert sich auf mächtige Bilder und einen fantastischen „Soundtrack“, welcher den Zuschauer in diese verlorene Epoche der Menschheit hinüber begleitet. Conans Geschichte ist die eines Kriegers und damit eines Mannes, welcher in seinem Leben rein gar nichts in die Wiege gelegt bekam außer sein nacktes Leben und die Worte seines Vaters. „Vertraue nur dem Schwert“  – Martialische Worte für eine martialische Zeit. Eben eine andere Zeit, die wir durchaus noch kennen. Tatsächlich ist die Zeit gar nicht so lange her. 99% unserer Menschheitsgeschichte verbrachten wir Menschen in Stammesverbänden, umherziehend oder sesshaft und immer kämpfend und der Natur und der Umwelt jeden Atemzug abringend. Das Leben war ein einziger harter Überlebenskampf für Mensch und Tier und viel trennt den Menschen nicht vom Tier. Für ihn galten damals noch die gleichen Naturgesetze wie für alle anderen lebenden Geschöpfe der Erde. Conans Welt ist hart und unbarmherzig und seine Taten, wenngleich nicht böse, sind doch getrieben von Pragmatismus und einer Spur Egoismus.

Ein wenig amerikanischer Mythos des „selfmade man“ spiegelt sich in der howardischen Figur des Conan durchaus wieder. Der einsame Mann in der Wildnis, der nur seinen Verstand und seine Muskeln besitzt und sich damit durch das Leben schlägt. Frauenrechte, Wissenschaften und Aufklärung sind der Welt von Conan keine Begriffe. Barbarei herrscht. Religiöse Kulte opfern Jungfrauen, Banditen versklaven ganze Dörfer und Gefangene kämpfen in blutigen Arenen um ihr Leben. Es wird gekämpft, gemordet und heldenhaft gestorben. Wofür? Für die Rache natürlich. Nicht für höhere Ideale. Sondern für die tiefsten Urgefühle eines Menschen. Für das Simpelste. Liebe und Rache.

Neo-Feministinnen und Linksliberale hassten den Film schon damals und nannten ihn „proto-faschistisch“.

Aber CROM, der Gott der Stahl schmiedenden Cimmerier,  lacht nur über diese lächerlichen Witzfiguren. Er gab Conan nichts weiter als den Willen zum Leben im Moment seiner Geburt. Und er verlangt nicht mehr von einem Menschen, als dass er versucht zu überleben. Conan der Barbar ist eben kein Film über die emanzipatorische Bewegung neulinker Schwulenrechtler in der Christropher Street. Es geht um den Zustand der Welt, wie sie im Grunde noch vor 300 Jahren war und mancherorts abseits der westlichen Welt und der Industrienationen noch ist.

Es geht um Menschen, die in ihrem Leben jeden Atemzug hart erkämpfen müssen. Menschen die nicht mit dem Google-Maps Navi nach Hause kommen, dem Elektroauto fahren oder ihr Essen auf dem Elektroherd kochen können wie wir. Conan und Subotai und die freie Kämpferin Valeria sind eben keine Menschen der Neuzeit, sondern echte „Barbaren“. Sie fuchteln mit Schwertern, grillen die Jagdbeute über dem offenem Feuer und debattieren darüber welcher Gott der beste aller Götter ist.

Conans Figur ist eine fiktive. Aber sein Charakter steht für einen Menschentypus, der so heute kaum noch existiert. Gebirgsmumie Ötzi aus den Alpen lief auch von vielen Wunden verletzt noch viele Kilometer in eisiger Höhe. Afrikanische Jägernomaden sind oft Wochen unterwegs und jagen ein einziges verletztes Tier durch die brennende Savanne. Und im hohen Norden gibt es Menschen, die mit Harpune und Haken auf die Jagd nach Robben und Fischen gehen. Bei Temperaturen weit unter 0.

Der Zivilisationskrüppel, ich eingeschlossen, kann diesen Leuten in ihrem Revier nicht das Wasser reichen. Und so muss man auch Conan betrachten. Ein Kind seiner fiktiven, aber keinesfalls so arg unrealistischen Epoche. Wenn man von den überdimensionalen Schlangen und der Magie einmal absieht. In den ersten Minuten des Films sehen wir wie in glühender Esse ein Schwert geschmiedet wird. Inmitten eisiger Gebirgskämme, hoher Tannen und schneeumwehter Dörfer. Das ist die Geschichte Conan des Cimmeriers. Aber es könnte in ähnlicher Form auch die Geschichte eines Germanen gewesen sein. Irgendwo in den Alpen oder sonstwo in Eurasien. Subutai, der asiatisch anmutende Bogenschütze und sein Freund Conan treffen sich nicht zufällig inmitten karger Steppenlandschaft. Es könnte genausogut das Grenzland zwischen Europa und Asien sein, wo sich schon oft die Völker Europas und Asiens trafen.

 

 

 

Bild: Aus dem Film entnommen, „fair use“

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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