Kim der Vorzeigemigrant – „Für Deutschland würde ich sterben“

Einwanderer aus Japan, China und Korea gelten in den USA, Kanada und auch Australien als „Model Minority“. Diese Bezeichnung bedeutet, dass sie als Vorzeigemigranten immer wieder gerne als Beispiel für gelungene Integration angeführt werden. Und tatsächlich kann man feststellen, dass es den meisten Migranten aus Fernostasien sehr viel leichter fällt sich in westlichen Ländern einzuleben und zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu werden. Das zeigt sich zum Beispiel in den USA daran, dass das durchschnittliche Einkommen von Koreanern, Japanern und Chinesen höher liegt als bei Weißen und allen anderen Migrantengruppen. Ähnlich verhält es sich mit der Bildung, die bei dieser Ostasien-Gruppe besonders hoch ist. Japanische und koreanische Amerikaner neigen seit einigen Jahren auch weit mehr dazu die Republikaner zu wählen, statt sich den demokratischen Streicheleinheiten für Minderheiten anzubiedern. Gemessen an ihrem Aufkommen in der Bevölkerung( 4-5%) sind junge Ostasiaten auch viel häufiger an den Militärakademien und Hochschulen der USA und Kanada vertreten. Wenn wir nach Deutschland schauen, leben laut Statistik etwa 180.000 Japaner, Koreaner und Chinesen hier ( über 250.000 wenn man Vietnamesen hinzu rechnet). Das macht die Gruppe der Ostasiaten zu einer vergleichsweise großen Formation unter den Ausländern. Aber in die Schlagzeilen schaffen sie es nur selten. Tatsächlich sieht man oft Kinder mit Mandelaugen und schwarzen Haaren, die von Regional- und Bundespolitikern lächelnd als Vorzeigemigranten in die Kamera gehalten werden.



Nur woran liegt das? Wenn es stimmt, dass Ostasiaten besser angepasst sind, muss es dafür Gründe geben. Und im Folgenden möchte ich meinen eigenen Erklärungsversuch darlegen.

Zur Einführung eines kleines Interview mit Tim Nguyen*(Name geändert). Tim diente bei der Bundeswehr und arbeitet heute bei einer Behörde. Er ist ein alter Bekannter von mir und hat sich die Zeit genommen um ein paar Fragen zum Themeneinstieg für mich zu beantworten.

YG: Hallo Tim und Danke für deine Zeit.

Tim: Hi, ja kein Ding.

YG: Erstmal. Wo kommst du her?

Tim: Die Standardfrage! Aus Deutschland natürlich. Aber meine Eltern sind beide Vietnamesen, die Anfang der 90er nach Deutschland eingewandert sind. Ich bin ursprünglich aus Berlin, bin dann aber nach Nürnberg und später in den Norden umgezogen.

YG: Warum dann „Tim“?

Tim: Sie wollten, dass ich einen deutschen Name kriege, damit ich in der Schule keine Probleme hab. Die Aussprache des Nachnamens ist schon schwer genug für die meisten Leute. Günter und Karl waren wohl auch erwägt worden.

YG: Na ein Glück ist es Tim geworden. Fühlst du dich gut integriert?

Tim: Ich hasse diese Frage um ehrlich zu sein. Ja natürlich fühl ich mich gut integriert. Warum auch nicht? Deutschland ist meine Heimat.

YG: Für manche Einwanderer ist so eine Einstellung nicht selbstverständlich. Hattest du Probleme mit Rassismus?

Tim: Ich höre das sehr oft von Mitmenschen und muss immer den Kopf schütteln. Die Deutschen in Berlin haben meine Eltern damals sehr wohlwollend aufgenommen. Das lag vielleicht daran, dass sie beide etwas mitgebracht haben. Das heißt sie wollten hier neu anfangen und haben gute Qualifaktionen mitgebracht. Durch die lange Bindung zur DDR konnten sie auch schon ganz gut Deutsch sprechen. In der Oberschule war ich mit vielen Deutschen zusammen und habe mich auch nie ausgeschlossen gefühlt. Meine Eltern legten wert darauf, dass wir uns nicht abkapseln und in so eine kleine vietnamesische Gemeinde reinkommen.

YG: Also keine Anfeindungen aufgrund deines asiatischen Aussehens?

Tim: Hin und wieder. Aber das sind Idioten und sprechen nicht für die Mehrheit. Viel nerviger sind diejenigen, die meinen immer den Ausländer in mir sehen zu müssen. Ich spreche kaum Vietnamesisch und trinke Bier und esse Schweinehaxe. Aber manche gehen mit den umgedrehten Vorurteilen an mich heran und halten mich für einen armen Asylanten, der tagtäglich von Neo-Nazis verprügelt wird und deshalb einen Deutschenhass schiebt. Nen paar Leute wollen mir dann meine vermeintliche Kultur näher bringen und erzählen mir etwas davon wie toll China ist. Da werd ich richtig stinkig.

YG: Hast du keine Bindung zu Vietnam?

Tim: Doch natürlich durch meine Eltern und ein wenig durch die Sprache. Aber ich war auch nur ein paar mal dort drüben. Ich habe mehr Verbindung zu meiner Gartenlaube als zu Vietnam um ehrlich zu sein. Ich habe eigentlich auch fast keine vietnamesischen Freunde. Dafür viele Russen, Deutsche und Polen.

YG: Du warst freiwillig beim Bund. Warum?

Tim: Warum nicht? Ich bin kurz nach der Abschaffung der Wehrpflicht hin und wollte eigentlich sowieso Offizier werden oder Feldwebel. Auf diese Weise wollte ich meinem Vaterland was zurückgeben. Deutschland hat viel für mich und meine Eltern getan und wir haben hier Chancen gekriegt, die man in Vietnam nicht bekommen hätte. Daher war auch ganz klar für mich, dass ich dem Land dienen will.

YG: Wie empfandest du die Zeit beim Bund? Hat sie dein Verhältnis zu Deutschland gestärkt? Gab es Probleme in deinem Freundeskreis wegen dem Militär?

Tim: Also erstmal zum Freundkreis kann man sagen, dass die meisten das wohl gut fanden. Aber ich war auch auf einer Schule mit vielen Linken und einigen Muslimen. Manche davon waren meine Freunde und ein paar wollten dann nicht mehr mit mir reden. Vor allem einige meiner muslimischen Freunde haben mich danach wie einen Ausgestoßenen behandelt. Das hat sie dann gar nicht interessiert, dass ich gleichzeitig mit einem Deutschtürken von der Schule zum Bund gegangen bin. Plötzlich waren wir nicht mehr Teil ihrer Migrantengruppe. Mich hat das damals schon getroffen.

YG: Und dein Verhältnis zum Land? Wie wars beim Bund?

Tim: Ja, also ich fands gut. Hart aber gut. Was ganz anderes als das Leben als Zivilist. Die Kameradschaft hat mir gut gefallen. Man bekommt mal gezeigt in was für einem Luxus wir hier in Deutschland eigentlich leben. Und was für ne große Verantwortung auf jedem Bürger lastet, damit das erhalten werden kann. Zum Bund zu gehen hat mich echt stärker gemacht und es ist auch sonnenklar: Wenn jemand Deutschland angreift, dann würde ich auch für Deutschland kämpfen und sterben wenns sein muss.

YG: Wie schauts aus mit der vietnamesischen Gemeinde in Deutschland. Denkst du die sind gut integriert? Man hört wenig von ihnen.

Tim: Weiß ich nicht. Kenne da kaum jemanden. Die jüngere Generation ist ganz sicher gut integriert. Wir haben ja auch einige Katholiken bei uns in der Familie.

YG: Deutschland als Einwanderungsland. Wie stehst du dazu? Brauchen wir in Deutschland mehr qualifizierte Einwanderer, wie das von der Politik immer wieder gefordert wird?

Tim: Also ich mache mich vielleicht unbeliebt jetzt, wenn ich sage: Vielleicht.

YG: Vielleicht?

Tim: Ich glaube es ist ein Kardinalsfehler der „Deutschen“, dass sie automatisch vom „guten Einwanderer“ ausgehen. Nicht jeder Einwanderer passt auch zu uns oder ist fähig sich anzupassen denke ich. Man muss wie meine Eltern etwas mitbringen, sich anstrengen und sich als Bürger des Landes verstehen. Das heißt für mich auch, dass ich mich als Deutscher verstehe und auch so gesehen werden möchte. Es ärgert mich extremst, wenn Leute mich behandeln wie einen Ausländer oder mich wirklich wegen meiner Schlitzaugen diskriminieren. Passiert beides aber selten. Ich denke man sollte offen für Einwanderung in Maßen sein. Und nach jenen gucken, die wirklich eine Bereicherung darstellen. Alle anderen müssen aber wieder gehen oder gegangen werden. Bin ich jetzt ein Nazi?

YG: Aber ein ganz übler. Kann man den Wehrdienst als Integrationshilfe betrachten? In der Schweiz scheint das ganz gut zu funktionieren.

Tim: Die Wehrpflicht vielleicht schon. Aber bei den Freiwilligen sind eigentlich nur Leute dort, die eh schon gut integriert sind.

YG: Du sprachst davon, dass manche Leute dir mit einem „umgedrehten Rassismus“ begegnen. Was verstehst du darunter? Erklär mir das.

Tim: Ich hab mich mal für Politik interessiert und war eine Weile bei der SPD in meiner Region. Die waren Anfangs auch ganz glücklich über Zuwachs. Aber mich beschlich das Gefühl, dass man mich eher wie so eine Trophäe behandelt hat. So von wegen: „Seht her! Der Supermigrant! Schaut ihn euch an. Sind wir nicht toll?“

Das war nur mein Gefühl und dann kam dazu, dass ich mich meinem Nationalstolz dort auf wenig Gegenliebe traf. Das war mir dann irgendwann zu blöd und das versteh ich dann unter umgekehrten Rassismus. Manche Leute sehen einen nicht als Mensch. Die Neo-Nazis sehen mich als sonen Untermensch und einige auf der Linken Seite wollen in mir nur so eine Art Werkzeug sehen. Ein politisches Werkzeug. Bei denen bin ich keine Person, sondern „Der Supermigrant“, den man herumzeigen kann und dann zu irgendwelchen Treffen für Toleranz und Asia-Love schickt. Da krieg ich das kotzen. Echt. Dann stellt man mir auch Fragen wie hier. Ob ich denn gut integriert bin? Ob ich mich diskriminiert fühle? Soll man den Vietnamesen eine Pagode bauen? Oder eine Sushi-Bar? Ich hab noch nie eine Horde Japaner oder Vietnamesen oder Chinesen in Deutschland gesehen, die rumgeheult haben weil sie keinen buddhistischen Tempel bekommen oder ihre Nudelsuppe mit deutschen Weizennudeln machen müssen. Meine Eltern haben da echt größere Sorgen und ich auch. Altersarmut trotz 20 Jahren harter Arbeit zum Beispiel.

YG: Zum Abschluss. Was würdest du tun wenn du Bundeskanzler wärst?

Tim: Die krasse Altersarmut bekämpfen und diese soziale Ungleichheit im Land beheben.

YG: Ich Danke für das Gespräch Tim.

Tim: Kein Ding!

Produkt ihrer Kultur

Ostasien ist historisch bedingt stark vom Konfuzianismus und Buddhismus geprägt. Diese kulturelle Leitlinie zieht sich durch Südostasien von Vietnam über China und Korea bis nach Japan. Es ist dieser Konfuzianismus, der eine bestimmte Geisteshaltung bei Ostasiaten zu ihrer kulturellen Eigenart macht. Denn die Wertewelt des Konfuzianismus legt einen starken Fokus auf Bildung, Gehorsam, Harmonie, Frieden und Fleiß. Der hohe Wert des Staates, der als Souverän über den Einzelnen gebietet, zeigt sich ebenso in dem Verlangen dem Staat zu dienen. Überproportional viele Ostasiaten im Westen streben eine Karriere im Staatsdienst an. Neben Militär, Polizei und Verwaltung, treibt es sie auch zu Jobs mit hohem Prestige. Vietnamesische Eltern wünschen sich für ihre Kinder in Deutschland eine gute Bildung um die Karriere als Mediziner, Anwalt oder Richter zu ergreifen. Die Arbeitslosigkeit ist für einen Japaner oder Koreaner, deren Kulturen mit einer derartigen Schande, ja Entehrung kaum umgehen können, nicht zu ertragen. Es ist absolut nicht ungewöhnlich, dass Japaner Morgens ihren schwarzen Aktenkoffer packen, einen Anzug anziehen und dann ziellos durch die japanischen Städte irren. Alles nur damit Niemand in ihrem Umfeld merkt, dass sie arbeitslos sind. Keine Arbeit zu haben ist gleichbedeutend mit keine Würde zu haben.

Und das ist letztendlich auch der springende Punkt für ostasiatische Migranten im Westen. In der Regel, die ja bekanntlich von der Ausnahme bestätigt wird, ist diese Gruppe vor allem auf der Suche nach Arbeit und sozialem Aufstieg. Das galt schon für die Eisenbahnarbeiter aus China, die bei der Eroberung des amerikanischen Westens geholfen haben. Und es gilt auch heute noch. Der Wunsch nach Erfolg im Beruf und Anerkennung in der Gesellschaft sind ihnen wichtig. Meistens haben die Familien nur ein oder zwei Kinder. Und die sollen es in der Gesellschaft zu etwas bringen. Es ist auch diese Gesellschaft, der sie sich im besonderen verpflichtet fühlen. Der Staatsbeamte, der im Konfuzianismus hochgeschätzt und als Idealtypus geachtet wird, wird zum Karriereziel für viele Ostasiaten. Man dient dem Staat in dem man gerade lebt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass diese Migrantengruppe in der Regel kein Fall für die Sozialhilfe ist.

Kein Dogma und keine Ängste

Ist ihnen schon einmal ein buddhistischer Tempel im Stadtbild Deutschlands aufgefallen? Vermutlich nicht. Denn es gibt davon nicht sonderlich viele. Dabei gibt es in Deutschland etwa 250.000 Buddhisten. Die meisten der heute vorhandenen Tempel sind nicht mal von asiatischen Buddhisten verlangte Gebetshäuser, sondern durch deutsche Buddhisten aufgebaute Gebäude. Man denke hier nur an die Hippie-Bewegungen und andere esoterische Gruppen der jüngeren Vergangenheit. Yoga, Buddha, Hinduismus und Feng Shui werden von diesen Kulturvandalen deutscher Herkunft gerne in einen Topf geworfen, umgerührt und dann als fernöstliche Kultur angebetet. Für einen großen Teil der Ostasiaten im Westen ist die Religion jedoch etwas Persönliches und jeder der schon einmal bei einem Chinesen, Vietnamesen oder Japaner zu Besuch war, wird womöglich einen kleinen im Wohnzimmer angebrachten Haustempel entdeckt haben. Die Religion bleibt in den eigenen vier Wänden und ist nichts, was dogmatisch und aggressiv auf die Straße hinaus getragen wird. Im Gegensatz zum Islam, ist das religiöse Sendungsbewusstsein der Buddhisten eher gering bis nicht vorhanden.

Es gibt auch keine Berührungsängste zwischen den Ethnien. Partnerschaften von Ostasiaten mit Europäern sind häufig im Westen. Tatsächlich gilt es mitunter sogar als besonders erstrebenswert sich mit einer europäischen Frau oder einem Mann zu verheiraten. In Ostasiaten gilt der europäische Mann als starker Typ mit Intellekt, der eine gute Karriere vorzuweisen hat und der einer Familie Ehre und Ansehen bringt. Und eine europäische Frau ist etwas elegantes, exotisches und verehrungswürdiges. Umgedreht muss man sich nur die Suchbegriffe von Porno-Webseiten nach Häufigkeit anschauen um zu sehen, dass asiatische Mädels äußerst beliebt beim Publikum im Westen sind. Hot Asian Girls sind der letzte Schrei.

Und bisher gab es meines Wissens noch keinen Fall von Ehrenmord bei Verbindungen dieser Art. Den einzigen Mord, den ein Japaner der Ehre wegen vielleicht praktizieren würde, ist der Selbstmord, weil er als Manager seiner Autofirma das angestrebte Jahreswachstum nicht erreicht hat. Die Integrationsprobleme der asiatischen Gemeinden im Westen sind anderer Natur. Vor allem Geldwäsche, Drogenschmuggel und Menschenschmuggel machen hin und wieder Schlagzeilen und sollten nicht unterschätzt werden.

Aber von Einwanderungsländern wie Kanada und Australien weiß man, dass diese mittlerweile gezielt um Migranten aus Ostasien werben. Die ökonomische Kosten-Nutzen Rechnung scheint günstiger auszufallen und die Integrationshürden scheinen niedriger zu liegen.

 



Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport, und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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